Das dritte reich (1933-45):

Das Prasidialkabinett Hitler wurde mit Hilfe scheinlegaler Ma?nahmen und offener Rechtsbruche in 3 Stufen zur Einparteien- und Fuhrerdiktatur: 1. enorme Machtsteigerung der Exekutive mit Mitteln des Prasidialregimes: u. a. erneute Auflosung des Reichstags; Einschrankung der Pressefreiheit; endgultige Gleichschaltung Preu?ens; Ausnahmezustand und Aufhebung der Grundrechte nach dem Reichstagsbrand; Ermachtigungsgesetz vom Marz 1933 als Legalitatsfassade. 2. Liquidierung des Rechtsstaats: u. a. „Sauberung“ des Beamtenapparats und der Justiz von Demokraten und Deutschen jud. Abstammung; Zerschlagung der Gewerkschaften, demokrat. Berufsverbande und aller nicht nat.- soz. Parteien. 3. Aufbau des totalitaren Staats. Der Reichswehr gelang es zwar, ihr Monopol als Waffentrager gegen die SA durchzusetzen, doch mit dem von ihr gedeckten Vorgehen beim Rohm-Putsch (30. 6. 1934) und mit ihrer Vereidigung auf Hitler verlor sie ihre bisherige polit. Kontroll- und Garantiefunktion. Im Zuge der Krise um Reichswehrmin. Blomberg und den Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst Fritsch, erfolgte 1938 die endgultige Gleichschaltung der aus der Reichswehr hervorgegangenen Wehrmacht.

Von Anfang an war die Herrschaft der Nationalsozialisten mit der Verfolgung der Juden verbunden. Diskriminierende Gesetze, die im April 1933 mit dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ begannen, steigerten sich 1935 zu den Nurnberger Gesetzen. Mit der „Arisierung“ der Wirtschaft schlo? Hitler die Juden aus dem Wirtschaftsleben aus und beraubte viele von ihnen ihres Eigentums. Der schon 1933/34 einsetzende Stra?enterror der SA gegen Juden erreichte in der Kristallnacht (9./10. 11. 1938) einen vorlaufigen Hohepunkt. Die terrorist. Zuge des nat.-soz. Regierungssystems steigerten sich im Verlauf des Krieges. Die auf der Wannseekonferenz (1942) beschlossene „Endlosung der Judenfrage“ fuhrte zur Ermordung gro?er Teile des europ. Judentums im gesamten von Deutschland beherrschten Bereich in den Vernichtungslagern in Polen. Die Unterdruckungsmethoden gegen die Widerstandsbewegungen in den besetzten Gebieten sowie die Zwangsdeportation von „Fremdarbeitern“ ins Dt. Reich verscharften die Grausamkeit des Kriegs. Unter den Eindrucken des Krieges verstarkten sich auch in Deutschland die Proteste gegen den nat.-soz. Totalitarismus (Widerstandsbewegung). 1938 und seit 1942/43 standen Militars im Zentrum konspirativer Planungen zur Beseitigung des Systems (Attentat vom 20. 7. 1944).

Die Ruckgewinnung des Saargebietes (1935), die Besetzung der entmilitarisierten Rheinlande (1936) und die Schaffung der Achse Berlin-Rom (1936; forml. Bundnis im Stahlpakt [1939]; Antikominternpakt [1936] mit Japan, 1937 durch Italiens Beitritt erweitert) tauschten im Innern eine erfolgreiche Au?enpolitik des Hitlerstaates vor, die (eingeleitet vom Austritt aus dem Volkerbund 1933) im wesentl. Kriegspolitik war und seit 1935 in unverhullt aggressive Politik uberleitete. Die Einfuhrung der Wehrpflicht (16. 3. 1935), der Anschlu? Osterreichs (Einmarsch 12. 3. 1938) und die Einverleibung des Sudetenlands, gedeckt durch das Munchner Abkommen vom 29. 9. 1938, gehorten bereits zur unmittelbaren Kriegsvorbereitung (Annexion der Tschechoslowakei 16. 3. 1939). Mit dem trotz brit. Garantieerklarung (31. 3. 1939), aber mit Ruckendeckung durch den Deutsch- Sowjetischen Nichtangriffspakt (23. 8. 1939) unternommenen Angriff auf Polen entfesselte Hitler den 2. Weltkrieg.

Der Kriegsausgang (Gesamtkapitulation der dt. Wehrmacht am 7./8. 5. 1945) besiegelte das Ende des dt. Nationalstaats in der Form, die er 1867/71 erhalten hatte. Die Ermordung von mindestens 5,5 Mio. Juden, mehr als 20 Mio. Tote in der UdSSR, 4,5 Mio. in Polen, 1,7 Mio. in Jugoslawien, 800 000 in Frankreich, 400 000 in Gro?brit., 7,6 Mio. Tote in Deutschland, mehr als doppelt so viele Fluchtlinge, Verstummelung und Teilung des Landes waren die Bilanz des NS-Staates.