Der könig

Im ost-frankischen Reich gab es ebenso wie fruher bei den Karolingern kein Herrschaftsmonopol. Alle adligen Standesgenossen des Konigs waren „Herren mit eigener Macht und eigenem Recht“, d.h. jeder Adlige herrschte willkurlich uber sein Land und die Menschen, die darauf wohnten. Dies verschaffte ihnen eine gro?e Unabhangigkeit vom Konig, die so weit ging, das sie sogar Krieg gegen andere Adlige fuhren konnten (Fehde).

Zwei Problemen musste sich der Konig also stellen:

1. Wie konnte er den Adel an sich binden?

2. Wie konnte er sich von ihnen abheben?

Die Abgrenzung erfolgte durch das Konigsheil. Dies besa? nur der Konig. Es entstand aus dem Sakralkonigtum (Konig = Vertreter der Gotter) und dem Heerkonigtum (Konig = Heerfuhrer). Die beiden Konigtumer hatten ihren Ursprung in der germanischen Zeit. Die Fahigkeiten eines Konigs, den Stamm zu verteidigen und gleichzeitig auch fur friedvolle Zeiten zu sorgen verstand man als Charisma. Dieses Charisma war nur an Mitglieder der Konigsfamilie gebunden. Daraus folgte der Rechtsbrauch, das Reich nach dem Tod eines Konigs unter seinen Sohnen aufzuteilen.

Es gab aber auch das Konigsopfer: Das Verjagen eines Konigs, wenn er nicht den Anforderungen entsprach.

Die Achtung vor der Konigsfamilie war aber so gro?, dass Franken noch an den Merowingerkonig glaubten, als dieses Amt schon ein Karolinger innehatte.

Das Konigtum der Karolinger:

Um sich gegen die Merowinger durchzusetzen, brauchten die Karolinger eine rechtsgultige Legitimation. Der Hausmeier Pippin wandte sich an den Papst, damit dieser das Konigsheil durch etwas christliches ersetze.

Fur den Papst stand fest: Auf der einen Seite gab es die machtlosen Merowinger, die aber immer noch den Konigstitel hatten, auf der anderen Seite waren die machtigen Karolinger ohne entsprechenden Titel. Aus christlicher Sicht rechtfertigte das den Sturz der Merowinger, da sonst die Weltordnung gestort gewesen ware. Also billigte der Papst die neue Konigswurde der Karolinger.

Das Gottesgnadentum:

Auf seine Anweisung hin, traten zwei neue Vorgange in Kraft:

1. Der Konig wurde vom Volk durch adlige Vertreter in der Reichsversammlung gewahlt.

2. Die Salbung des neugewahlten Konigs durch einen Bischof.

Der Konig galt damit als Gesalbter des Herrn, das Gottesgnadentum war geschaffen. Zum Konigstitel kam nun der Zusatz: Gratia Dei Rex (durch die Gnade Gottes Konig).

Das Reisekonigtum

Durch die Selbstandigkeit des Adels und der Gro?e des Reiches kam es zum Reisekonigtum, denn die Herrschaft war nur dort wirksam, wo der Konig prasent war. Er reiste standig von Pfalz zu Pfalz(Pfalz = befestigter Konigshof). Dort wurde die Herrschaft ausgeubt, d.h. Recht gesprochen, Schutz gewahrt usw.

Wer von den Adligen gerade am Hof war, beriet den Konig. Jedoch gab es auch feste Hofamter. Diese wurden meist von Bediensteten unter der Aufsicht eines Adligen ausgeubt. Bei den geistlichen Hofamtern war dies nicht moglich.

Die Hofkapelle

In der Karolinger Zeit entstand die Hofkapelle, der Zusammenschluss aller Hofgeistlichen unter der Leitung eines Kapellans. Ihnen fielen neben kirchlichen Aufgaben vor allem Verwaltungsaufgaben zu, da sie die einzigen waren, die Lesen und Schreiben konnten. Sie ubernahmen die gesamte Urkundenausstellung unter der Leitung eines Kanzleileiters. Von dort war es nur noch ein kleiner Schritt bis zur aktiven politischen Mitwirkung. Aus dem Kanzleileiter wurde der Kanzler, spater der Erzkanzler. Dieser wurde im Laufe der Zeit zur wichtigsten politischen Personlichkeit nach dem Herrscher.