Deutsche kriegsführung im zweiten weltkrieg

VorgeschichteUnter den langfristig wirksamen Ursachen auf die der 2. Weltkrieg zuruckging, treten zwei Momente deutlich hervor: friedliche Revision und Expansionsdrang. Sie verschrankten sich in besonderer Weise in der Rolle, die Deutschland in der Vorgeschichte des Krieges spielte. Die nach dem 1. Weltkrieg getroffene Friedensregelung fuhrte weder politisch und wirtschaftlich Stabilitat herbei, noch schuf sie ein stabiles Fundament fur die politisch-militarische Sicherheit der Siegermachte, der Besiegten und der neugeschaffenen Staaten in Mitteleuropa (vor allem Polen, Tschechoslowakei, baltische Staaten), die wesentlich durch den Volkerbund und erganzende Bundnisse garantiert werden sollte. Deutschland, das als Hauptverlierer des 1. Weltkrieges aufgrund des Versailler Vertrages besonders schwere Belastungen zu tragen hatte (Repartitionen, Territorialverluste im Osten und Westen, gro?e deutsche Minderheiten in Polen und in der Tschechoslowakei, Entmilitarisierung und alliierte Besetzung der Rheinlande, Rustungsbeschrenkungen, Verbot einer engeren Verbindung mit Osterreich), bemute sich von Anfang an um Erleichterungen auf friedlichem Wege und erzielte dabei gewisse Erfolge (vorzeitige Raumung der Rheinlande bis 1930, Ende der Reparations-leistungen 1932). Ihm kam dabei zu Gute, da? die deutschen Revisionswunsche auch bei den Siegermachten Verstandnis fanden.

Das von autoritaren und nationalistischen Generalskreisen gesteuerte Japan, das faschistische Italien und – seit 1933 – das nationalsozialistische Deutschland bestritten die Berechtigung des 1919 verfestigten machtpolitischen Übergewichts Gro?britanniens, Frankreichs und der USA. Die „Habenichtse“ (Zitat Hitler) verfolgten das Ziel, die Rohstoff-, Absatz- und Siedlungsraume in der Welt neu zu verteilen und sich durch die Beherrschung ihrer jeweiligen Region eine unerschutterliche Gro?machtstellung zu sichern. Der Expansionsdrang, den sie entwickelten, brachte – zumal vor dem Hintergrund der seit 1929 sich rasch verscharfenden Weltwirtschaftskriese – ein gefahrliches Moment in die unstabile weltpolitische Situation, auch wenn alle drei Machte ihre Expansionspolitik unkoordiniert und weitgehend auch ohne Fuhlungnahme miteinander betrieben.

Die Regiereung Hitler mu?te zunachst einmal die Hindernisse abstreifen, die der Versailler Vertrag Deutschland auferlegte. Hitler knupfte dabei anfangs an die Revisionspolitik der vorangegangenen Reichsregierungen an, zeigte jedoch bald, da? er einseitige Akte nicht scheute, um schrittweise Deutschlands au?enpolitische und militarische Gleichstellung mit den ehemaligen Siegermachten zu erreichen. Verstandigungsschritte und eine Politik der vollendeten Tatsachen wechselten einander ab; Beteuerung des Friedenswillen standen neben der seit 1934 forcierten Aufrustung. Das NS – Regime profitierte bei diesem Vorgehen davon, da? man in Deutschland die Beschrankungen aufgrund des Versailler Vertrags fur uberholt hielt und das Gro?britannien und Frankreich deren Beseitigung als unvermeitlich ansahen und auch dann nicht zu energischem Widerstand bereit waren, als Deutschland von 1935 an bestehende Vertrage offen verletzte. Wichtige Stationen auf diesem Weg waren Deutschlands Austritt aus der Abrustungskonferenz (14. 10. 1933) und dem Volkerbund (19. 10. 1933), die Ruckgliederung des Saargebiets nach der Abstimmung vom 13. 1. 1935, die Einfuhrung der allgemeinen Wehrpflicht (16. 3. 1935), das Deutsch-Britische Flottenabkommen (18. 6. 1935), der Einmarsch deuscher Truppen in die entmilitarisierten Rheinlande (7. 3. 1936), das deutsch-osterreichische Abkommen vom 11. 7. 1936, die Verlangerung der Wehrpflicht von einem auf zwei Jehre ( 24. 8. 1936), das Eingreifen in den Spanischen Burgerkrieg, der Einmarsch deutscher Truppen in Osterreich und die Vereinigung der beiden Lander (12./13. 3.

1938) und die Angliederung des Sudetenlandes an das Deutsche Reich aufgrund des Munchener Abkommens vom 30. 9. 1938.

Italien geriet nach anfanglichem Mi?trauen gegenuber den deutschen Ambitionen in Sudosteuropa und Osterreich seit 1936/37 immer starker in den Sog des dynamischeren Partners. Die Achse Berlin – Rom (1936), der Stahlpakt (1939) zur Sicherung des „Lebensraumes“ der beiden Nationen und auch der Antikominternpakt (1936) der beiden Machte mit Japan stellten zwar wichtige Instrumente bei der diplomatischen Vorbereitung der Expansion dar, doch erwies sich ihr Wert als gering, als der Kriegsfall tatsachlich eintrat.

Der Krieg

Aus dem unfertigen Zustand der Wehrmacht im Sommer 1939 ergab sich die Notwendigkeit zu uberfallartigen, kurzen und regional begrenzten Kriegszugen gegen jeweils nur einen Gegner (sogenannte Blitzkriege). Diese Methode der Kriegfuhrung wandte die Wehrmacht erstmals an, als sie am 1. 9. 1939 Polen uberfiel.

Hitler hatte bis zuletzt darauf gebaut, da? Gro?britannien und Frankreich sich auch mit dem Überfall auf Polen abfinden wurden. Als er auf ihr Ultimatum, seine Truppen zuruckzuziehen, nicht reagierte, erklarten Gro?britannien und Frankreich dem Deutschen Reich am 3. 9. 1939 den Krieg.

Die den polnischen Truppen zu Lande (vor allem durch die motorisierten Verbande und die bewegliche Panzerwaffe) und in der Luft weit uberlegene Deutsche Wehrmacht besetzte Polen rasch. Der Kampf um Warschau endete am 27. 9., am 6. 10. kapitulierten die letzten polnischen Verbande. Am 17. September griff die Sowjetunion, die am Vortag einen Waffenstillstand mit Japan geschlossen hatte, Polen von Osten her an. Am 28. 9. unterzeichneten die Au?enminister Ribbentrob und Molotow in Moskau einen Grenz – und Freundschaftsvertrag mit einem geheimen Zusatzabkommen. In Abanderung der Vereinbarung vom 23. 8. wurde der Sowjetunion auch Litauen zugesprochen, warend der deutsche Anteil am polnischen Gebiet bis zum Bug erweitert wurde.

Das Zusammengehen Deutschlands und der Sowjetunion war von machtpolitischen und militarstrategischen Überlegungen bestimmt. Durch den Pakt mit der Sowjetunion hatte Deutschland fur die Auseinandersetzung mit den Westmachten den Rucken frei und verlegte das Gros seiner Truppen nach Westen. Das am 11. 2. 1940 geschlossene Wirtschafts-abkommen, aufgrund dessen die Sowjetunion gegen deutsche Maschinen und Kriegsgerat betrachtliche Mengen Getreide, Erze und Ol lieferte, vereitelte au?erdem alle Versuche von gegnerischer Seite, Deutschland durch eine Wirtschaftsblockade zum Einlenken zu zwingen.

Hitler forderte Gro?britannien und Frankreich am 6. 10. 1939 auf, den neuen Status quo anzuerkennen und Frieden zu schlie?en, doch war er trotz der Warnungen fuhrender Militars vor einer Offensive im Westen bereits entschlo?en zur „Vernichtung der Kraft und Fahigkeit der Westmachte, noch einmal der staatlichen Konsolidierung und Weiterentwicklung des deutschen Volkes in Europa entgegen treten zu konnen“ (Denkschrift vom 9. 10. 1939). Mangel in der Rustung, die Wetterlage und der Pessimismus der Wehrmachtfuhrung (Halder, Brauchitsch, auch Goring) verzogerten jedoch die Realisierung von Hitlers Absicht, noch 1939 zur Kanalkuste vorzusto?en, um aus dieser Position den Hauptgegner Gro?britannien zum Einlenken zu zwinken oder in der Luft und zur See bekampfen zu konnen. Bevor sich Hitler nach Osten wandte, sollte die von Westen drohende Gefahr beseitigt werden.

In der Absicht im neutralen Norwegen Stutzpunkte fur den Seekrieg gegen Gro?britannien zu gewinnen, entwickelte die deutsche Marinefuhrung Plane zur Besetzung. Die deutsche Operation gegen Norwegen, die am 9. 4. 1940 begann, kam dem britischen Vorhaben einer Vermienung der dortigen Kustengewasser knapp zuvor. Deutsche Truppen besetzten gegen norwegischen und britischen Widerstand bis zum 10. 6. das Land. Auch Danemark wurde am 9. 4. militarisch besetzt. Schweden blieb souveran, war aber zu wohlwollendem Verhalten gegenuber Deutschland gezwungen.

Nach der Sicherung der Nordflanke war der nachste Schritt Hitlers vorgegeben. Am 10. 5. 1940 fielen deutsche Truppen unter Verletzung der Neutralitat dieser Lander in den Niederlanden, in Belgien und Luxemburg ein. Strategisches Ziel der Operation war, unter Ausnutzung des Überraschungsmoments mit den schnellen Panzerverbanden und der den Westmachten uberlegenen Luftwaffe an der schwachsten Stelle der gegnerischen Abwehrfront durch die Ardennen nordlich der Maginotlinie schnell zur Kanalkuste durchzubrechen, dadurch die britischen und franzosischen Truppen zu trennen und sie dann zu umfassen. Diese Taktik fuhrte zum Erfolg. Die Niederlande und Belgien kapitulierten am 14. bzw. 28. 5.; am 20. 5. erreichten die deutschen Truppen die Mundung der Somme. Der Versuch, dem britischen Expeditionskorps den Ruckzug zum Meer abzuschneiden, gelang allerdings nicht.

Zwischen dem 5. und em 22. 6. ruckten deutsche Truppen bis an die nord- und westfran-zosische Kuste vor. Aufgrund des Waffenstillstandsabkommens von Compiègne (22. 6. 1940) besetzte Deutschland drei Funftel Frankreichs, so da? die nordfranzosischen Industriegebiete, Paris und die gesamte Kanal- und Atlantikkuste bis zur Spanischen Grenze unter direkter deutscher Kontrolle (deutscher Militatbefehlshaber in Paris) standen. Das Elsa? und Lothringen wurden ebenso wie Luxemburg unter einer deutschen Zivilverwaltung dem Reich angegliedert.

Nach dem schnellen Sieg uber Frankreich befand sich Hitlers Prestige in Deutschland auf dem Hohepunkt. Das Reich beherrschte den Kontinent vom Nordkap bis zur spanischen Grenze. Die gegen die Skepsis fuhrender Militars erungenen Blitzsiege entzogen den oppositionellen Kraften in der Heeresfuhrung den Boden. Das war verhangnisvoll, weil Hitler durch seine Erfolge zugleich auch in seinem Unfehlbarkeitsanspruch als „gro?ter Feldherr aller Zeiten“ bestarkt wurde. Er griff kunftig haufiger in die operative Fuhrung der Wehrmacht, vor allem des Heeres, ein und verhartete sich zunehmend gegen sachliche Einwande. Bereits bei den Aktionen, die er im Sommer und Herbst 1940 unternahm, um Gro?britannien zur Einstellung des Krieges zu zwingen, zeigte sich, da? Hitler die Relation von Ziel und Mittel nicht mehr realistisch beurteilen vermochte. Er sah sich noch keineswegs am Ziel, sondern in einem ungesicherten Zwischenstadium. Gro?britannien gab den scheinbar aussichtslosen Widerstand nicht auf, wie er fest erwartet hatte. An der Ostflanke festigte die Sowjetunion ihre Position. Durch die Annexion Bessarabiens und der nordlichen Bukowina ruckte sie bedrohlich an die Olfelder des wirtschaftlich eng an Deutschland gebundenen Rumanien heran, woher die Wehrmacht den gro?ten Teil des Treibstoffs bezog. Die Gefahr des Zweifrontenkrieges, der Deutschlands Krafte zwangslaufig uberfordern mu?te, blieb bestehen. Hitlers „Appell an die Vernunft auch in England“ (Reichstagsrede vom 19. 7. 1940) und das Angebot, den britischen Besitzstand zu garantieren, wenn Gro?britannien die deutsche Herrschaft uber Europa hinnahme, fanden in London kein Echo. Deshalb wandte er sich noch im Juli 1940 der Alternative zu, den Krieg im Westen so rasch wie moglich mit Waffengewalt zu beenden.

Um Gro?britannien in die Knie zu zwingen, standen Hitler mehrere Wege offen, die er zum Teil auch nebeneinander einschlug. Doch stellte sich heraus, da? die Mittel der Wehrmacht unzureichend waren. Eine Landung auf der Insel setzte Luftuberlegenheit und ausreichende Transportkapazitaten voraus. In der Schlacht um England gelang es der Luftwaffe aber nicht, die britische Luftabwehr entscheident zu schwachen oder Gro?britannien durch die Bombar-dierung von Stadten (London, Coventry) den deutschen Wunschen gefugig zu machen. Damit fehlte die wichtigste Grundlage fur die Invasion, deren Vorbereitung Hitler am 16. 7. angeort-net hatte. Mangel an Transportraum um das Landungsunternehmen „Seelowe“ im Oktober auf 1941 (und damit schon endgultig) verschoben wurde. Als direkt gegen die Insel wirksame Ma?nahme blieben der Kampf gegen die britische Seeherrschaft und der Handels- und Blockadekrieg. Fur ersteres fehlte es jedoch an schweren Schiffen, fur letzteres an Untersee-booten in ausreichender Zahl. In der zweiten Phase der Atlantikschlacht, zwischen Juni 1940 und Marz 1941,versenkten allerdings die wenigen einsatzfahigen deutschen U-Boote weit mehr Schiffsraum, als die Briten neu bauten.

Verwundbar waren die Briten au?erdem im Mittelmeerraum auf den Zufahrtswegen zu ihrem uberseeischen Imperium. Hitler sah dieses Gebiet zunachst als italienische Domane an. Auf Drangen der Heeres- und Marinefuhrung wurde aber auch dieser Raum in die strategischen Planungen Deutschlands miteinbezogen. Der Plan zur Eroberung Gibraltars, die eine Schlies-sung der Meerenge erlaubt hatte, scheiterte an unerfullbaren Forderungen Spaniens, die Konflikte mit Frankreich und Italien heraufbeschworen hatten.

Warend der Kampf mit Gro?britannien noch keineswegs entschieden war, unternahm Hitler einen Schritt, der dem Eingreifen der USA in Europa und Asien vorbeugen und gleichzeiteig die weltpolitische Neuordnung vorantreiben sollte. Im Dreimachtepakt (27. 9. 1940) zwischen Deutschland, Italien und Japan sicherten sich die drei Regierungen volle gegenseitige Unterstutzung gegen einen Angriff der USA und die Anerkennung ihrer jeweiligen Vormachtraume zu.

Die erkennbare Absicht einer sowjetischen Expansion in Nord- und Sudosteuropa, die Deutschland in seinem Kampf gegen die Briten sehr gefahrlich werden konnte, bestarkte Hitler nur in dem Entschlu?, den er bereits im Juli 1940 gefa?t hatte. Aus seiner Sicht stellte die Sowjetunion den letzten potentiellen Gegner Deutschlands von Gewicht in Europa dar, auf den Churchill seine Hoffnungen setzen konnte. Gro?britannien in einem weiterem Blitzkrieg diesen „Festlanddegen“ aus der Hand zu schlagen, bedeutete gleichzeitig, die Aufmerk-samkeit der USA von Europa abzulenken, weil mit einer Ausschaltung der Sowjetunion das starkste Gegengewicht gegen Japan in Asien wegfallen wurde. Wenn Deutschland durch seinen Sieg uber die (in ihrer Zahl und Kampfkraft leichtsinnig unterschatzte) sowjetische Armee auch die britische Olversorgung aus dem Nahen und Mitleren Osten unterbinden und au?erdem in Nordwestafrika Fu? fassen konnte, war Gro?britannien geschlagen. Das deutsch-japanische Zusammengehen wurde die USA vollends isolieren.

Am 21. 7. 1940 trug Hitler der Heeresfuhrung auf, das „russische Problem in Angriff zu nehmen“. Am 31. 7. befahl er, den Angriff, der uber die militarische Niederlage hinaus auf die „Vernichtung der Lebenskraft Ru?lands“ zielte, fur den Mai 1941 vorzubereiten. Die militarische Zwangslage des Sommers 1940 brachte Hitler also dazu, sich bereits zu diesem Zeitpunkt seinem alten Fernziel der Eroberung von Lebensraum im Osten und des „rassen- ideologischen Vernichtungskrieges gegen den judischen Bolschewismus“ (Hillgruber) zuzuwenden, obwohl er fur dieses Unternehmen den Rucken nicht frei hatte.

Allerdings konnte Hitler dieses Ziel nicht ungestort verfolgen. Der von Mussolini ohne vorheringe Unterrichtung Hitlers begonnene „Parallelkrieg“ zum Ausbau der italienischen Machtstellung im Mittelmeerraum fuhrte rasch zu einem Fiasko. Bei den Angriffen auf Ägypten von Libyen aus (September 1940) und auf das von den Briten unterstutzde Griechenland (28. 10.) erlitt Italien bald schwere Ruckschlage; au?erdem gelang es den Briten durch zwei Aktionen im November 1940 und im Marz 1941, die italienische Mittelmeerflotte als Angriffswaffe zu lahmen. Im Mai 1941 kapitullierten die italienischen Truppen in Äthio-pien vor den seit Januar vorruckenden Briten, und im Mai/Juni konsolidierten Truppen Gro?britanniens und des freien Frankreichs auch ihren Einflu? im Irak und in Syrien. Diese Starkung der britischen Position bildete eine Gefahr fur die kunftige deutsche Sudflanke, so da? Hitler sich entschlie?en mu?te, Italien auf dem Balkan und in Nordafrika zu unterstutzen. Deutsche Panzertruppen unter General E. Rommel drangten zwischen Februar und April 1941 die Briten aus Libyen bis an die Grenze zu Ägypten zuruck.

Zur Vorbereitung des Feldzugs gegen Griechenland, der die rumanischen Olfelder gegen britische Luftangriffe von Stutzpunkten im ostlichen Mittelmeer aus sichern sollte, und als Stabilisierungsma?nahme gegen die Sowjetunion wurden im November 1940 Ungarn, Rumanien und die Slowakei in den Dreimachtepakt aufgenommen und deutsche Truppen nach Rumanien entsandt. Bulgarien und Jugoslawien traten dem Pakt im Marz 1941 bei. Ein dagegen unternommener Staatsstreich in Belgrad hatte zur Folge, da? sich der Feldzug der Achsenmachte nunmehr gegen Griechenland und Jugoslawien richtete. Der Angriff begann am 6. 4. 1941. Am 17. 4. war Jugoslawien, am 11. 5. trotz britischer Hilfe ganz Griechenland einschlie?lich der Inseln in deutscher und italienischer Hand; Kreta wurde gegen die britische Besatzung aus der Luft erobert (20. – 31. 5.). Griechenland wurde italienischer und zum kleinen Teil auch deutscher, Serbien deutscher Militarverwaltung unterstellt.

Der Balkankrieg verbesserte zwar die strategische Lage der Achsenmachte gegenuber Gro?-britannien und der Sowjetunion, doch verschob sich dadurch der Überfall auf die Sowjet-union, den Hitler am 18. 12. 1940 fur Mitte Mai 1941 beschlo?en hatte, um 6 (angesichts der ungunstigen Wetterlage, mit der ab Herbst in der westlichen Sowjetunion zu rechnen war) wertvolle Wochen. Der fur die Zukunft wichtigste Gesichtspunkt des Unternehmens „Barbar-

ossa“ aber war, da? Hitler Deutschland nun gerade in den Zweifrontenkrieg fuhrte, vor dem er selbst immer gewarnt hatte.

Am 22. 6. 1941 fiel die deutsche Wehrmacht in der Sowjetunion ein. Rumanien, Ungarn und Italien schlossen sich dem Angriff an, Finnland kampfte fur die Wiedergewinnung der abgetretenen Gebiete. Das deutsche Ostheer umfa?te 3,05 Mill Soldaten (75% des Feld-heeres, dazu 61% der Luftwaffe). Der Absicht, die Masse der Sowjetischen Truppen an der europaischen Front (etwa 4,7 Mill Soldaten) in einem weiteren Blitzfeldzug zu schlagen, kam es entgegen, da? Stalin bis zuletzt nicht mit einem deutschen Angriff gerechnet hatte. Trotz des raschen deutschen Vordringens in drei Sto?richtungen (Eroberung von Smolensk am 16. 7., von Kiew am 19. 9., Beginn des Angriffs auf Leningrad, das allerdings bis 1944 vergeblich belagert wurde, am 11. 9.), bei dem weit uber 1,5 Mill Kriegsgefangene gemacht wurden, wurde bis zum Winter aus verschiedenen Grunden die als Sicher erwartete Entscheidung nicht erreicht. Die Rote Armee war weit leistungsfahiger und besser ausgerustet (Panzer T-34) als vermutet. Zudem erlaubten das sowjetisch-japanische Nichtangriffsabkommen (13. 4. 1941) und die seit Juli/August deutlich werdende Orientierung nach Suden der Sowjetregierung, fertig ausgebildete und ausgerustete Verstarkungen aus dem Osten heranzufuhren. Es gelang ihr au?erdem, wichtige Industriebetriebe kurzfristig nach Osten zu verlagern. Dagegen litten die stark strapazierten deutschen Truppen zunehmend unter Versorgungsschwierigkeiten. Trotzdem verwarf Hitler im August den Rat des OKH, die Krafte zusammen zu fassen und die Entscheidung im Vorsto? auf den zentralen Verkehrsknotenpunkt Moskau zu suchen. Stattdessen befahl er aus politischen und wirtschaftlichen Grunden die Einnahme von Leningrad im Suden (zeitweilige Einnahme von Rostow am Don 21. – 28. 11.). Der Angriff auf Moskau verzogerte sich dadurch bis zum 2. Oktober. Die Spitzen der auf den Winterkrieg vollig unvorbereiteten deutschen Truppen erreichten die Au?enbezirke der Hauptstadt, bevor die Rote Armee durch eine am 5. Dezember beginnende Gegenoffensive Moskau entlastete. Am 16. Dezember gab Hitler den Befehl, jede Stellung zu halten, am 19. Dezember ubernahm er selbst den Oberbefehl uber das Heer anstelle von Brauchitschs, der den Ruckzug in gunstigere Winterstellungen befuhrwortet hatte. Das Scheitern der Blitzkriegsstrategie vor Moskau bedeutete bereits die militarisch und okonomisch entscheidende Wende fur Hitlers gesamten Kriegsplan. Kriegswirtschaftliche Auswirkung war, da? in Deutschland seit der ersten Jahreshalfte 1942 unter A. Speer die Rohstoff- und Rustungsproduktion (besonders Panzer und U-Boote) ohne die bisherige starke Rucksichtnahme auf die zivile Produktion und unter vermehrtem Einsatz von Zwangsarbeitern vorangetrieben wurde. Beim Aussto? von Kriegsmaterial verschlechterte sich die Relation zwischen Achsenmachten und Alliierten von 1:1 (Mitte 1941) auf 1:3 (1944)

Deutschland hatte sich lange bemuht, den USA keinen Vorwand zum Kriegseintritt zu geben. Seine Kriegserklarung vom 11. 12. 1941 erfolgte, um unter den gegebenen Umstanden die USA moglichst rasch in einen Krieg auf den beiden gro?en Ozeanen zu verwickeln, bevor sich ihre materielle Überlegenheit, die jetzt voll mobilisiert wurde, zuungunsten der Achsenmachte auswirken konnte. Anders als die USA und Gro?britannien fuhrten Deutschland und Japan ihre Kriege jedoch weiterhin getrennt. Zum Zusammentrefen ihrer Expansionskeile im Bereich des Indischen Ozeans kam es nicht (18. 1. 1942: vertragliche Abgrenzung der Operationszonen langs des 70. Langengrades). Hitler verwarf Raeders Alternativvorschlage, die eine Verlagerung der deutschen Kriegsfuhrung ins Mittelmeer und in den Vorderen Orient vorsahen. Die Schlagkraft des deutschen Ostheeres war 1942 schon eingeschrankt. Seine Offensive konzentrierte sich auf die Schwachung des Gegners durch die Besetzung der Versorgungsgebiete am Don und an der unteren Wolga und des Erdolgebiets von Baku und Batumi. Teilerfolge auf dem Weg zu diesen weit auseinanderliegenden Zielen (Einnahme von Sewastopol am 2. 7., von Rostow am Don am 23. 7., des Erdolgebiets von Maikop am 9. 8.) fuhrten weder im Kaukasus noch in Stalingrad, das nicht vollstandig erobert wurde, zu einer Entscheidung. Statt die begrenzten militarischen Krafte zum Winter in gunstige Positionen zu bringen, wollte Hitler beide Ziele erreichen; Der Konflikt in der Heeresfuhrung uber diese Strategie hatte die Absetzung des Generalstabschefs F. Halder zur Folge (24. 9. 1942). Durch den am 19./20. November beginnenden sowjetischen Gegenangriff wurde die 6. Armee bei Stalingrad eingekesselt und mu?te, da Hitler Ausbruchsversuche nach Westen verbot und die Versorgung aus der Luft nicht gelang, am 31. Januar/2. Februar 1943 kapitulieren. Der Ruckzug aus dem Kaukasus und die anschlie?ende Stabilisierung der Front gelang nur mit Muhe. Die Gesamtverluste, die die Wehrmacht im Kriegsjahr 1942/43 erlitt, betrugen fast eine Millionen Soldaten. Als Mitte Juli 1943 eine deutsche Gro?offensive zur Begradigung der Sudostfront bei Kursk von einer sowjetischen Gegenoffensive beantwortet wurde, hatte die Rote Armee an der Ostfront entgultig die Initiative ubernommen.

Gegen die Seeverbindungen zwischen Gro?britannien und den USA erzielten die deutschen U-Boote 1942 gro?e Erfolge, solange sie vor der zunachst fast ungeschutzten amerikanischen Kuste ungehindert operieren konnten. Ab April 1942 verringerte sich dann die Differenz zwischen der versenkten Tonnage und den alliierten Neubauten, die um die Jahreswende 1942/43 erstmals uber den Verlusten lagen; im September 1943 waren alle bisherigen alliierten Kriegsverluste durch Neubauten ausgeglichen. Am 24. 5. 1943 brach der neue Ober-befehlshaber der deutschen Kriegsmarine, K. Donitz, die Konvoibekampfung im Nordatlantik wegen der hohen eigenen Verluste an U-Booten ab und beschrankte den Kampf vortan auf die Storung des Handels und die Bindung feindlicher Krafte.

Der deutsche Luftraum im Westen war nach dem Abbruch der Schlacht um England entblost worden, weil die Luftwaffe auf dem Balkan und dann im Krieg gegen die Sowjetunion benotigt wurde. Es gelang nicht, die entstandene Lucke wieder zu schlie?en, zumal sich Hitler und Goring bei der Flugzzeugproduktion lange Zeit nicht eindeutig zwischen Offensiv- und Defensivstrategie (Bau von Bombern bzw. Jagern) entschieden.

Auch in Nordafrika hauften sich die Probleme. Auf eine heimliche Zustimmung Pétains fur einen Waffenstillstand in Afrika (12. 11. 1942) hin lie? Hitler dem bislang unbestzten, von der Vichy-Regierung verwalteten Teil Frankreichs militarisch besetzen. Zwischen zwei Fronten hielt sich die deutsch-italienische Heeresgruppe noch bis Anfang Mai 1943, mit der Kapitulation von 250 000 Mann (13. Mai) endeten die Kampfe in Afrika.

Als im Sommer 1943 die Machte der Anti-Hitler-Koalition von verschiedenen Seiten her zum Eindringen in die „Festung Europa“ ansetzten, hatten das NS-Regime und seine Verbundeten den Kontinent scheinbar noch fest in der Hand. Die Stabilitat ihrer Herrschaft war aber in Wirklichkeit auch von innen bedroht. die Verbundeten wurden mude. Die Grenzen des Herrschaftsbereichs ma?en rund 15 000 Kilometer. Die Kampfkraft der durch weite Wege und dauernde harte Einsatze uberanspruchten Wehrmacht wurde geringer (Starke des Feldheeres 1941: 3.8 Mill., 1942: 4 Mill, 1943: 4,25 Mill, 1944: 4 Mill; Waffen-SS 1941: 150 000, 1942: 230 000, 1943: 450 000, 1944: 600 000 Mann . Tote, Gefangene, Entlassene der Wehrmacht im Kriegsjahr 1940/41: 217 000, 1941/42: 627 000, 1942/43: 967 000, 1943/44: 1 706 000, 1944/45: 434 000 Mann). Auch im technischen Bereich wurde gleichwertiger Ersatz immer knapper. Die wirtschaftliche Basis war angesichts der teils durch die Umstande erzwungenen, teils fahrlassige Verzettelung der Krafte fur die Behauptung gegen den konzentrierten Ansturm von au?en auf die Dauer viel zu schmal, zumal es in den eroberten Gebieten oft nicht gelang, stabile Produktionsbedingungen herzustellen. Rationalisierung, gezielter Einsatz der knappen Rohstoffe und andere Ma?nahmen bewirkten zwischen Anfang 1942 und Mitte 1944 zwar eine Verdreifachung der Rustungsproduktion, doch blieb Deutschland damit weit hinter dem Aussto? seiner Gegner zuruck. Die USA produzierten bereits 1943 mehr Kriegsmaterial als alle anderen Kriegfuhrenden Machte zusammengenommen.

Der deutsche Herrschaftsbereich gewann in den Kriegsjahren keine feste staatliche Gestalt. Gewisse Gebiete wurden dem Reich angegliedert, den endgultigen Status der meisten besetzten Lander lie? das NS-Regime absichtlich in der Schwebe, um nach dem Sieg eine gro?raumige Neuordnung nach rassenideologischen Zielvorstellungen vornehmen zu konnen. Dementsprechend wurde die politische Kollaboration in den besetzten Landern im wesent-lichen nach ihrem aktuellen Nutzen bewertet. Unter dem gleichen Aspekt erfolgten die propagandistischen Aufrufe zur Beteiligung am Kampf gegen den Bolschewismus, mit denen unter anderem Freiwillige fur die Waffen-SS geworben wurden. In Zukunft sollten die west-, sud- und osteuropaischen Staaten (auf langere Sicht auch Italien) mit nicht- „germanischer“ Bevolkerung in Abhangigkeit von Deutschland weiter exestieren. Der deutsche „Lebensraum“ sollte durch zielstrebige Besiedlung nach Osten bis zum Ural ausgedehnt werden. Bis Anfang 1943 waren bereits 600 000 sogenannte Volksdeutsche aus Minderheitsgebieten im Osten des Reichsterritoriums ansassig gemacht worden. Die Bevolkerung der beanspruchten Gebiete sollte, soweit sie nicht zu Arbeitssklaven gemacht wurde, nach Sibirien und in andere entfernte Gebiete umgesiedelt werden (Billigung des Generalplans Ost durch Himmler am 12. Juni 1942).

In Italien spitzte sich die Lage zu. Die alliierte Besetzung Siziliens (10. 7. – 17. 8. 1943) fuhrte uberraschend schnell dazu, da? Mussolini vom Faschistischen Gro?rat gesturzt wurde (25. 7.). Am Tag der alliierten Landung an der Sudspitze Italiens kapitulierte die neue Regierung Badoglio (3. 9., Bekanntgabe 8. 9. 1943). Sie erklarte Deutschland am 13. 10. den Krieg. Die Bedrohung der Sudflanke zwang Hitler dazu, nun auch Nord- und Mittelitalien zu besetzen (Rom 10. 9.) Dazu mu?te er kampfstarke Verbande von der Ostfront abziehen. Gegen den heftigen deutschen Widerstand kamen die Alliierten 1944 in Italien nur langsam vorran (Einmarsch in Rom am 4. 6. 1944). Allerdings war es ihnen jetzt moglich, das Reich von allen Seiten aus zu bombadieren.

Aufgrund des Vorsto?es der Roten Armee mu?ten die deutschen Truppen Griechenland (2. 11. 1943) und Sudjugoslawien raumen.

Im November 1944 gelang es den deutschen Truppen nach der Invasion der Allierten in der Nomandie (6. 6. 1944) noch einmal, entlang Oberrhein, Westwall und Niederrhein eine feste Front zu bilden.

Deutschland war nun vom Osten, Suden und Westen eingekreist. Die Ardennenoffensive (16.-24. 12. 1944), Hitlers letzter Versuch, den feindlichen Ring im Westen, wie 1940, zu durchbrechen, scheiterte nach geringem Raumgewinn an der Unzulanglichkeut der Mittel.

Mit ihren Gro?offensiven ruckten ab Mitte Januar 1945 die Rote Armee und ab Februar die Truppen der Westmachte unaufhaltsam vor. Der hinhaltende deutsche Widerstand im Osten ermoglichte es einer sehr gro?en Zahl von Fluchtlingen, doch noch in die Gebiete westlich der Oder zu gelangen. Am 25. April 1945 begegneten sich bei Torgau an der Elbe sowjetische und amerikanische Truppen, am 2. Mai kapitulierte Berlin (wo Hitler am 30. April Selbstmord begangen hatte), am gleichen Tag trat die Kapitulation der deutschen Truppen in Italien in Kraft. Am 7. Mai kapitulierte die deutsche Wehrmacht in Reims vor Vertretern der vier gro?en Alliierten (Sowjetunion, USA, Gro?britannien, Frankreich) bedingungslos (mit Wirkung vom Beginn des 9. Mai). Der Kapitulationsakt wurde am 9. Mai in Berlin-Karlshorst auch vor dem sowjetischen Oberkommandierenden vollzogen. Die Regierung des von Hitler vor seinem Tod zum Reichsprasidenten ernannten Donitz wurde am 23. Mai 1945 in Flensburg verhaftet. Am 5 Juni gaben die Oberkommandierenden der vier Besatzungsmachte in Berlin die Übernahme der obersten Regierungsgewalt in Deutschland, die Einteilung Deutschlands in Besatzungszonen und die Konstituierung des Alliierten Kontrollrats bekannt. Damit hatte das Deutsche Reich seine Handlungsfahigkeit verloren.

Folgen

Der Zweite Weltkrieg richtete furchtbare Verheerungen an. Von 110 Mill Solsaten fielen 27 Mill; 25 Mill Zivielpersonen starben (darunter fast 6 000 000 Opfer des nationalsozialisti-schen Rassenwahns). 3 000 000 Menschen blieben vermi?t. Die Sowjetunion verlor 20 Mill Menschen, China wenigstens 10 Mill, Deutschland 4,8 Mill (weitere 2,5 Mill durch Flucht, Vertreibung und Verschleppung als unmittelbare Folgen des Krieges), Polen 5,8 Mill, Japan 2 Mill, Jugoslawien 1,7 Mill, Frankreich 600 000, Gro?britannien 400 000, die USA 300 000.