Feinheiten des Deutschen

Hallo liebe potentielle Leser!
Was das hier werden soll? Das ahnt ihr vermutlich schon. In letzter Zeit lese ich immer öfter „Ich weiß das ich das kann“ oder aber „Ich bin scheinbar der einzigste Mann hier!“ Aber nein, das bist du nicht. Du bist der einzige Mann hier, wenn überhaupt.
Ich halte mich keineswegs für einen Profi des Deutschen und auch mir unterlaufen sicherlich haufenweise Fehler, vor allem im alltäglichen Gebrauch und beim schnelleren Sprechen. Auch schleichen sich gerne mal Flüchtigkeitsfehler ein, das weiß ich. Aber irgendwo muss man dem Ganzen ja mal Einhalt gebieten und wenn Leute „das und dass“ einfach nicht unterscheiden können, obwohl die Regel wirklich einfach ist, dann schreit mein kleines Hobbyautoren-Herz nun mal klagend auf.
Dieses kleine Essay hier wird pro Kapitel jeweils drei Punkte umfassen und ist vor allem für jüngere Hobby-Autoren gedacht, die noch einige Probleme mit Rechtschreibung und Co. haben. Aber auch ältere Personen dürfen sich gerne hierher verirren – man lernt ja nie aus! Mir war selbst bis vor einiger Zeit beispielsweise nicht der Unterschied zwischen „das Gleiche“ und „dasselbe“ bewusst.
Also dann! Entflieht all den schrecklichen Fehlern für einen Moment und nehmt hoffentlich etwas Neues mit. Und wer hier einen Fehler findet, immer raus damit, wir sind ja schließlich alle nicht perfekt!
Das Inhaltsverzeichnis findet ihr übrigens ganz unten. ?
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Feinheiten des Deutschen

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01.) Dass das ‚das‘ ziemlich schwer ist, das stimmt eigentlich gar nicht.
Das und dass – gerne und oft falsch gemacht, dabei ist die Regel eigentlich wirklich nicht schwer. Sie wird uns sogar schon in der sechsten oder siebten Klasse beigebracht, nur leider nicht wirklich intensiv in der Schule wiederholt. Gerne verwendet wird das Ganze bei Sätzen wie „Ich wusste, dass das kommt“ oder „Dass es so kommen würde, das konnte doch keiner wissen!“ Tja, nur woher weiß ich nun, an welcher Stelle nur ein s und an welcher zwei anrücken? Die Antwort ist recht simpel:

Wenn man das „das/s“ nicht durch jenes, welches oder dies(es) ersetzen kann, dann wird es mit ss geschrieben.
Immer.
Hier mal einige kleine Beispiele dafür:

Ich weiß, dass ich schlau bin.
-> Ich weiß, jenes ich schlau bin.
-> Ich weiß, welches ich schlau bin.
-> Ich weiß, dieses ich schlau bin.

Ergibt keinen Sinn, hm? Also wird es mit ss geschrieben. Anders sieht es hier aus:

Das Glas, das du mir geschenkt hast, ist wirklich schön.
-> Das Glas, welches du mir geschenkt hast, ist wirklich schön.
Das ist mir bewusst.
-> Dies ist mir bewusst.

Übrigens existiert ‚daß‘ nicht. Gar nicht mehr. Früher schrieb man es so, aber das ist lange Zeit her und auch wenn vielen (Älteren) dieser Tatbestand nicht gefällt, es ist mittlerweile schlichtweg falsch – also schreibt es nicht mehr! Sprache wandelt sich nun mal permanent und so natürlich auch die Schreibweise der Wörter. Man denke hier bloß mal an die arme Schifffahrt, die früher mit nur zwei f auskommen musste.

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02.) Mein Augenlid singt mir ein Klagelied.
Besonders gerne von jüngeren Schreibern falsch gemacht. Zugegebenermaßen schreibt man das Wort „Augenlid“ nicht sonderlich oft in seinem Leben, doch die Regel gilt natürlich trotzdem. Beides wird vollkommen gleich ausgesprochen, aber wenn es sich um ein Augenlid handelt, dann wird kein ie genutzt. Wenn wir von der Musik und dem neuesten Song in den Charts sprechen, ist es hingegen das Lied mit ie.
Vielleicht ist es auch ein wenig verwirrend, dass beide Li(e)der neutralgeschlechtlich sind, aber schreibt es euch doch einfach auf einen Zettel, den ihr auf euren Laptop legt und dann jedes Mal erst einmal anstarrt, bevor ihr zu schreiben beginnt. So prägt sich das Ganze wirklich schnell ein und ihr könnt ganz beruhigt die Augenlider eurer Charaktere zucken lassen, ohne dass sie euch sofort ein Klagelied wegen der Schreibweise singen müssen.

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03.) Ich bin hier wohl der Einzige, der nicht ‚Einzigster‘ sagt…
Und schon streicht mir Word dieses böse Wörtchen hier rot an. Die Rede ist von der/ die/ das „Einzigste/r“. Schlagt euch dieses schreckliche Wort aus dem Kopf, denn es existiert einfach nicht. Ich höre das wirklich oft am Tag und jedes Mal läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken – es klingt schon so falsch! Vor allem in der Alltagssprache rutscht es scheinbar schnell mal heraus. Also verbannt dieses schreckliche Ding am besten sofort aus eurem Wortschatz und verbessert es immer, wenn ihr es hört – egal, bei wem! Auch Lehrer sagen dieses Tabuwort sehr gerne, wie ich festgestellt habe.
Die einzig korrekte Form ist Einzige/r, was sich in Zukunft hoffentlich auch nicht ändern wird. Wir wollen ja nicht, dass es dem armen Wort wie dem Genitiv ergeht…

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Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1
– das/ dass
– Lid und Lied
– Einzige/r/s anstatt Einzigste/r/s

Kapitel 2
– immer noch anstatt immernoch
– Leib und Laib
– günstig und billig

Kapitel 3
– fiel und viel
– ss oder ß?
– als und wo

Kapitel 4
– seit und seid
– wen und wenn/ den und denn
– Weiß, Waise, weise und weiß

Kapitel 5
– ließ und lies
– Diskussion anstatt Disskusion
– als/ wie

Kapitel 6
– selber und selbst
– Tod und tot
– Sinn ergeben anstatt Sinn machen

Kapitel 7
– Jahresangaben
– wieder und wider
– Dativ und Genitiv

Kapitel 8
– wörtliche Rede/ Anführungszeichen

Feinheiten des Deutschen

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04.) Schreibe ich etwa immer noch immernoch?
Und zack, schon wird mir das Wörtchen rot angestrichen. Die Rede ist von „immernoch“, das, wieso auch immer, relativ oft zusammengeschrieben wird. Es stimmt schon, dass es sich beim alltäglichen Sprechen so anhört, als würden beide Worte zusammengeschrieben werden, doch das werden sie nicht – beide können ganz hervorragend alleine im Satz stehen und miteinander vertauscht werden. Prüfen wir das doch einfach mal:

„Hast du etwa immer noch diese Schuhe?“
– „Ja, die habe ich noch immer.“

Wir sehen, dass es – solange der Satz in sich denn noch Sinn ergibt – eigentlich vollkommen egal ist, wo die beiden Worte nun stehen. Zwar bilden sie eine Sinneinheit, denn „immer noch“ ist etwas anderes als „immer“ und auch etwas anderes als „noch“, aber umstellen können wir sie trotzdem. Deswegen kann man sich so ganz gut merken, dass „immernoch“ immer noch auseinander geschrieben wird.

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05.) Gib mir mal den Leib Brot. – Äh?
Zugegeben, „Laib“ wird heute nicht mehr allzu häufig genutzt. Doch zumindest Fantasy- oder Historien-Fans werden dieses Wörtchen bestimmt schon einmal gesehen haben oder aber Enkelkinder bei ihrer Oma gehört, wenn sie mit beim Abendbrot saßen.
Die Rede ist von einem Laib Brot (alternativ auch einem Laib Käse), also einem runden oder ovalen Stück, welches noch nicht angeschnitten wurde. Im Gegensatz dazu steht der Leib (also der Körper von Menschen oder Tieren). Diese unterschiedliche Schreibweise gibt es zwar erst seit ca. Mitte des 17. Jahrhunderts, denn vorher wurde beides jeweils mit ‚ei‘ geschrieben, aber ich denke, allzu schwer ist diese kleine Unterscheidung nicht. Eine Eselsbrücke ist mir leider nicht bekannt.

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06.) „Sieht ja ziemlich günstig aus!“
Günstig und billig – diese beiden Wörtchen werden wirklich oft vertauscht. Zugegebenermaßen finde ich das hier persönlich nicht allzu schlimm, aber mir geht es ja um das generelle Aufzählen und nicht um meinen Geschmack, also will ich auch dieses Thema behandeln.
Günstig beschreibt ein Produkt, welches für gute (oder zumindest akzeptable) Qualität für einen fairen Preis angeboten wird. Es ist also ein preiswertes, aber dennoch gutes Produkt.
Billig hingegen ist ein Produkt, das zwar ebenfalls sehr preiswert ist, aber eben dadurch auch an Qualität verliert. Kik wäre hierfür ein schönes Beispiel – ja, die Sachen sind sehr günstig, aber dafür eben auch billig. Man hat nicht sonderlich viel von ihnen und kann sie bald schon wegschmeißen.
Bestimmt habt ihr auch schon mal den Satz gehört „Boar, die sieht ja ganz schön billig aus!“ – soll bedeuten, dass eine Frau sich vermutlich ziemlich knapp kleidet und es erst einmal so wirkt, als wäre sie leicht zu haben. (Und jetzt kommt mir ja nicht mit Genderwahn oder Feminismus, ich bin selbst eine Frau.) Hier ist „billig“ definitiv abwertend gemeint. Bei dem Satz „Das ist ein ziemlich günstiger Zeitpunkt!“ hingegen ist gemeint, dass der Zeitpunkt wirklich gut ist, was wieder eine positive Konnotation wäre.
Man merke sich also: Günstig ist preiswert und gut, billig ist preiswert und von schlechter Qualität.

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07.) Er fiel als Kind sehr viel hin.
Zugegebenermaßen, das ist nicht gerade ein eleganter Satz, aber er zeigt schon auf, worauf ich hinaus will: ‚Fiel‘ und ‚viel‘ sind durchaus zwei verschiedene Worte. Das hier ist definitiv einer der Fehler, welcher mir auf FF.de am häufigsten begegnet. Die einfache Vergangenheit des Wörtchens „fallen“ bildet das Wort „fiel“: Er fiel der Länge nach hin und scheuerte sich dabei das Knie auf.
Wenn man hier durcheinander kommt, kann man das Ganze ja einfach mal umformen: „Er ist der Länge nach hingefallen.“ -> Also fiel er auch hin.
„Viel“ hingegen ist eine Mengenangabe. Im Körper ist viel Wasser enthalten, du hast ja ganz schön viel gekauft, … Die gleiche Aussprache macht es einem natürlich nicht allzu leicht, aber man sollte sich den kleinen, feinen Unterschied dennoch einprägen. MSTings machen sich übrigens sehr gerne über diesen Fehler lustig und ab der zehnten Klasse finden die Lehrer das nicht mehr so amüsant.

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08.) Strasse, Straße, oder Strassße?
Hier scheiden sich die Geister, und sie könnten sich auch wirklich nicht noch mehr scheiden. Die Frage, ob man ein Wort nun mit ’ss‘ oder aber mit ‚ß‘ schreibt, führt oft zu Diskussionen. Besonders auffällig ist, dass ältere Personen immer etwas anderes präferieren als jüngere. Warum? Ganz einfach, wegen der Rechtschreibreform. Die Rechtschreibung wird immer wieder verändert/ angepasst, und so auch hier. Die jeweils ältere Generation hält dann immer noch gerne an ihrer Version fest, obwohl sie eigentlich falsch ist.
Ich verweise auf und zitiere hier einfach mal ganz frech aus der Duden-Seite:

1. „Für den stimmlosen s-Laut nach langem Vokal oder Doppellaut (Diphthong) schreibt man ß.“
-> Blöße, Maße, Maß, außer, reißen, … usw.
Für all jene, die mit einem Doppellaut nichts anfangen können: Er ist zum Beispiel im Wort reißen enthalten. Wenn man dieses Wort langsam ausspricht, würde man ja r-ei-ß-e-n anstatt r-e-i-ß-e-n sagen, da das e und i zusammengehören und nicht voneinander getrennt werden. Doppellaute sind also beispielsweise solche wie ei, eu und au – heißen, Leute, Haus.
Natürlich gibt es aber wie immer auch Ausnahmen: ‚Aus‘ und ‚heraus‘ stellen solche dar. Diese einfachen Wörtchen sollte man sich aber merken können.

2. „Dies gilt jedoch nur, wenn der s-Laut in allen Beugungsformen stimmlos bleibt und wenn im Wortstamm kein weiterer Konsonant folgt.“
Okay, und was soll das nun heißen? Ganz einfach: Das Wort „Haus“ verfügt eigentlich über ein stimmloses s, es wird nämlich am Ende scharf ausgesprochen. Nimmt man nun aber den Plural „Häuser“ her, so fällt auf, dass es zu einem stimmhaften s wird. Wenn man sich hier also unsicher ist, kann man einfach testen, wie das Wort sich im Plural/ seinen Beugungsformen verhält.

3. „Für den stimmlosen s-Laut nach kurzem Vokal schreibt man ss. Das gilt auch im Auslaut der Wortstämme.“
Hier sollte es nicht allzu viel zu erklären geben. „Maße“ wird beispielsweise lang ausgesprochen, also nehmen wir ein ß, „Masse“ hingegen wird kurz ausgesprochen, also bleibt es beim ss. Solche Worte wie Fluß, daß und haßen existieren also nicht. Und ja, ich habe auch schon letzteres gesehen.
Und auch hier werden wir nicht von Ausnahmen verschont: ‚Das‘ Boot fährt schnell. ‚Was‘ ist das? Bist du ‚des‘ Wahnsinns? Aber auch hier gilt wie oben: Es sind alles einfache, größtenteils alltägliche Wörter, mit denen man also nicht allzu viele Probleme haben sollte.

4. „Wörter auf „-nis“ und bestimmte Fremdwörter werden nur mit einem s geschrieben, obwohl ihr Plural mit Doppel-s gebildet wird.“
Diese Regel hier sollte ohne große Erklärung auskommen. Beispiele wären „Zeugnis“, aber „Zeugnisse“ sowie „Geheimnis“, aber „Geheimnisse“.

Manchmal kommt es auch vor, dass ihr einen Text entdeckt, welcher nur ss anstatt ß verwendet. Das heißt aber nicht direkt, dass diese Verwendung falsch ist. Denn in der Schweiz existiert beispielsweise kein ß. Dort wäre „Strasse“ also vollkommen richtig. Die meisten Leute, welche kein ß auf der Tastatur besitzen, verwenden es schlichtweg auch nicht. Die meisten Autoren sind aber ohnehin so lieb und schreiben extra dazu, dass sie keines verwenden, um euch nicht zu verwirren.

Verwirrend? Keine Sorge, alles eine Sache der Übung. Die meisten (jüngeren) verwenden ss und ß aber ohnehin bereits richtig.

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09.) Wo ich noch klein war…
Nein! Als du noch klein warst. Besonders gerne wird das hier von Leuten aus dem Osten Deutschlands falsch gemacht, wie ich festgestellt habe.

Als beschreibt immer einen Zeitpunkt.
-> Als wir noch klein waren, haben wir immer zusammengespielt.
-> Als ich letztes Jahr zum ersten Mal geflogen bin, hatte ich große Angst. Als wir ankamen, war ich aber glücklich.

Wo hingegen beschreibt immer einen Ort.
-> Der Ahornbaum steht dort, wo er schon immer stand.
-> Mir ist wieder eingefallen, wo ich meine Sachen vergessen habe.
Hier kann man aber eigentlich nicht wirklich etwas falsch machen. „Mir ist wieder eingefallen, als ich meine Sachen vergessen habe“ würde ja schließlich niemand sagen.

Beim normalen Gespräch zwischen Freunden kann es schon mal vorkommen, dass man „Letztens, wo ich einkaufen war…“ erzählt, das Phänomen ist wirklich weit verbreitet. Gerade beim Lesen fällt es aber oft unangenehm auf, weswegen man einfach nochmal nachschauen sollte, ob man nun wirklich die Ortsangabe und nicht eher die Zeitangabe meint.

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10.) Seit ich hier bin, seid ihr so.
Ein ewiger Kampf zwischen zwei Worten, welche absolut gleich ausgesprochen werden. In der Grundschule bekommt man gelehrt, wie man zum Beispiel „Rad“ von „Rat“ unterscheidet. Ganz einfach: Im Plural heißt es „Räder“ mit einem d, allerdings „Räte“ mit einem t. Schon weiß man durch diese kleine Probe, wie man denn nun was richtig schreibt. Aber seid und Seide sowie seit und Seite haben leider herzlich wenig gemeinsam, zumindest, wenn man von der Schreibweise absieht. Was macht man also stattdessen? Ganz einfach: Man merkt sich, wie so oft, die Regel.

Seit verwendet man für Zeitpunkte.
-> Seit du hier bist, warst du immer für mich da.
-> Seit ich dort war, fühle ich mich anders.
-> Seit wann bist du hier?

Seid hingegen ist eine Verbform und kommt von „sein“.
-> Seid ihr etwa schon hier?
-> Ihr seid aber gemein!
-> Da seid ihr aber ganz schön weit gelaufen.

Folglich muss man also nur prüfen, welche Funktion das Wort denn einnimmt. Ist man sich unsicher, kann man den Satz natürlich auch umformen und schauen, ob es ein Verb ist oder nicht. Als Beispiel:
-> Seid ihr etwa schon hier?
-> Sind wir etwa schon hier?

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11.) Wenn ich doch nur wüsste, wen du denn meinst!
Kein Fehler, der allzu oft gemacht wird, aber dennoch erwähnenswert ist, wie ich finde. Immerhin kenne ich zumindest drei Menschen, die diese beiden Worte dennoch ab und an verwechseln.
Den ist ein bestimmter Artikel, und zwar im Akkusativ. „Siehst du den Mann dort drüben?“ – „Ja, den sehe ich.“
Wie man eigentlich schon an der Schreibweise erkennen kann, wird das Wort lang ausgesprochen – man sieht deeeen Mann. Sollte man sich unsicher sein, was denn nun richtig ist, kann man den Satz einfach eben mal aussprechen und prüfen, ob es so stimmt oder nicht.
Denn hingegen wird kurz ausgesprochen, was man an den zwei ‚n‘ gut erkennen kann. „Hast du denn gar nichts gelernt?“

Bei wen und wenn ist es eigentlich genau das Gleiche: „Wen hast du da begrüßt?“ – „Ich habe den Koch begrüßt.“
„Wenn es sich einrichten lässt, komme ich gerne.“ – „Ja, wenn.“
(Wenn ist übrigens auch ein Synonym für falls, man könnte hier also auch schreiben: „Falls es sich einrichten lässt.“)

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12.) Der weise Waise weiß viel.
Drei bzw. vier kleine, eigentlich gar nicht so fiese Worte, die aber bei vielen Leuten für Verwirrung sorgen. Ist derjenige jetzt weiß oder weise? Oder war es doch weiss? Nein, das nicht, denn wir erinnern uns zurück an die Rechtschreibreform von 1996.

Ein Weiser ist ein Mensch, der über viel Wissen verfügt. Er ist weise.
Deswegen weiß er auch ziemlich viel. Weiß kommt also von „etwas wissen“.
Ein Waise hingegen ist jemand, der seine Eltern verloren hat.

Wie man sich das merken kann? Nun, zwischen Weise und Waise besteht in der Aussprache leider kein Unterschied. Aber das Wörtchen „weiß“ dagegen kann man durch die Aussprache gut erkennen, denn ein ß spricht man anders als ein einfaches s aus. Wir erinnern uns an das stimmlose s in ‚Haus‘ (wie auch in weiß) und an das stimmvolle s in ‚summen‘ (wie auch in weise und Weise).

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13.) Ich lies mich fallen.
Sieht irgendwie merkwürdig aus, oder? Ja, das ist es auch. Entgegen der Meinung einiger Autoren – ja, ich wurde schon einmal für meine Korrektur beschimpft, obwohl ich sogar die entsprechende Duden-Seite mit verlinkt hatte – haben die beiden Wörter „ließ“ und „lies“ definitiv nicht die gleiche Bedeutung inne.
„Ließ“ ist die Vergangenheitsform von lassen, also zum Beispiel hier anwendbar:

Ich ließ mich zu Boden fallen.
Ich ließ sie gewähren.

„Lies“ hingegen ist die Imperativform des Verbs lesen. Wie uns der schöne Satz „Imperativ mit i!“ schon suggeriert, werden (die meisten) diese(r) Formen mit einem ‚i‘ versehen. Es heißt also nicht „Les das Buch!“, sondern „Lies das Buch!“, wenn man jemanden dazu auffordern möchte.

Man merke sich: Lies kommt von lesen, ließ hingegen von lassen, welches ja auch mit einem doppelten ‚s‘ geschrieben wird.

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14.) Disskutiere doch nicht mit mir!
Mein ganz persönliches Leidesthema, welches ich mittlerweile eigentlich nicht mehr hören, geschweige denn sehen kann, aber ich wollte es hier dennoch mit aufnehmen. Die Rede ist von der lieben „Diskussion“.
Ja, Diskussion mit nur einem ‚s‘ am Anfang. Nicht Disskussion oder Disskusion. Denn man „disst“ sein Gegenüber nicht, wie es die Jugendsprache so schön vor einigen Jahren ausdrückte, sondern man argumentiert (hoffentlich) zivilisiert und beschimpft denjenigen dabei nicht. Jedes funktionierende Rechtschreibprogramm streicht dieses Wörtchen eigentlich auch sofort als falsch an, also wenn man darauf achtet, welche Worte rot unterstrichen werden, ist man eigentlich schon auf der sicheren Seite. Oder man merkt sich eben einfach: Vorne ein ‚s‘, hinten hingegen zwei.

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15.) Ich bin größer als wie du!
Erst einmal die gute Nachricht: Auf dieser Seite hier habe ich den Fehler gar nicht allzu oft gesehen, eher noch Leute, welche sich darüber aufregen und andere korrigieren – das ist doch schon einmal was! Wobei ein freundliches Korrigieren natürlich erstrebenswerter wäre.
Die schlechte Nachricht: Es scheint irgendwie verdammt schwer zu sein, das wieder herauszubekommen, wenn man es einmal so gemacht hat. Seit vier Jahren schon korrigiere ich das bei einem Bekannten von mir, aber er lernt es einfach nicht. Oder er will es einfach nicht lernen, das kann natürlich auch sein. Aber auf zur Regel:

„Wie“ verwendet man immer, wenn man etwas vergleichen möchte, was auch gleich ist. Also zum Beispiel:
Ich bin genauso groß wie du.
Du bist ja so wie ich!

„Als“ hingegen wird verwendet, wenn man etwas miteinander vergleicht, das unterschiedlich ist. Zum Beispiel hier:
Ich bin größer als du.
Du bist aber anders als ich!

So etwas wie „Ich bin schlauer als wie du“ existiert übrigens gar nicht – überhaupt nicht. Es heißt entweder als oder aber wie – beides gleichzeitig funktioniert nicht.

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16.) Selber!
Vorab: Dieser Punkt hier ist eher meiner persönlichen Präferenz zuzuordnen. Aber da das hier mein Essay ist und ich ein kleiner, sturer Brocken bin, wollte ich ihn unbedingt anführen.

Sowohl selbst als auch selber sind beide vollkommen „richtig“. Es ist prinzipiell egal, welches der beiden Wörter ihr verwendet, denn sie bedeuten dasselbe und können dementsprechend auch beliebig eingesetzt werden. „Ich kann das selbst machen“ ist das Gleiche wie „Ich kann das selber machen“.

Aber: Beide sind unterschiedlich konnotiert. ‚Selbst‘ klingt oft etwas förmlicher, ‚selber‘ hingegen wird allem voran in der Alltagssprache häufig verwendet. Das sieht man an dem altbekannten Satz, welcher gerne von Kindern genutzt wird: „Du bist selber blöd!“ In einem Meeting hingegen wird man jemanden eher weniger sagen hören: „Sie sollten das selber machen.“ – auch wenn es natürlich immer Ausnahmen gibt.
In der geschriebenen Sprache klingt ‚selbst‘ nun also natürlich schöner, weswegen ich auch dazu raten würde, es zu nutzen. ‚Selber‘ hingegen kann man ja noch immer in der wörtlichen Rede benutzen, wenn beispielsweise aufgeregt eine Geschichte wiedergegeben wird.

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17.) Und dann war er einfach tod… oder?
Ah, die alte Qual. Kinder machen es falsch, Jugendliche machen es falsch, Erwachsene machen es immer noch falsch, und dabei ist es eigentlich nicht einmal mehr so schwer. In der Aussprache herrscht zwar kein Unterschied (außer in der Pluralform „Tode“ oder Abwandlungen wie „ein toter Körper“ natürlich) bei diesen beiden Worten, dennoch haben sie unterschiedliche Bedeutungen inne.

Der Tod mit d ist ein Nomen, was ja schon der Artikel davor zeigt. Deswegen wird Tod mit d auch immer groß geschrieben. Es würde also heißen „Der Tod kommt sie holen“ oder „Der Tod naht“, ebenso wie die Pest auch unter dem Namen „Schwarzer Tod“ bekannt ist.

Tot mit t hingegen ist ein Adjektiv und wird dementsprechend auch kleingeschrieben, wenn es nicht gerade am Satzanfang steht. „Ich bin tot“, „Unser Kater ist nun leider tot“, … wenn ein Lebewesen tot ist, dann verwendet man dieses Wort hier. Das Totsein ist also immer ein Zustand, bzw. tot sein beschreibt den Zustand eines Lebewesens.

Ein oft gemachter Denkfehler: Der Tod ist nicht einfach nur der Tod im Sinne von Gevatter Tod, sondern zum Beispiel auch der Tod eines Tieres. Es bezeichnet also sowohl den Sensenmann als auch den Akt des Sterbens, wenn man es so nennen will. Tot ist man dann erst hinterher.
Man merke sich also: Nach dem Tod ist man tot.

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18.) Das macht Sinn! … äh, nee.
Diesen kleinen – oder sollte ich doch eher sagen gravierenden? – Unterschied kennen sicherlich schon viele von euch. Ich muss sagen, dass ich ihn persönlich als gar nicht so schlimm erachte, der Vollständigkeit und Richtigkeit halber möchte ich ihn aber natürlich trotzdem anführen.

Nichts im Deutschen macht Sinn. Diese Formulierung kommt nämlich aus dem Englischen „to make sense“ und ist so gesehen ein Anglizismus, der an dieser Stelle aber absolut nichts zu suchen hat und auch nicht angenommen wurde. Dementsprechend ist „Sinn machen“ schlichtweg falsch.

Im Deutschen kann nur etwas „Sinn ergeben“. Vielleicht ändert sich das ja in den nächsten Jahren noch, bisher ist es aber nicht der Fall, also merke man sich:

Alles kann Sinn ergeben, aber nichts Sinn machen.

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19.) In 2012 konnte ich noch keine Zeitangaben machen.
Ja, und da haben wir es auch schon. Auch dieses kleine Vergehen hier sehe ich nur sehr selten, wollte es der Vollständigkeit halber aber einmal mit aufgeführt haben.
Der Satz In 2012 ist etwas passiert existiert schlichtweg nicht. Man sagt ja auch nicht „In Februar war ich dort“, oder? Man würde immer „im Februar“ sagen, also komplett ausgeschrieben „in dem Februar“. Das Gleiche gilt auch für eine Jahresangabe.
Man hat also die Wahl zwischen diesen beiden Varianten:

1.) 2012 ist etwas passiert.
2.) In dem Jahr/ Im Jahr 2012 ist etwas passiert.

Man gibt also entweder nur die Jahreszahl an, oder nimmt den Artikel noch mit hinzu. Etwas dazwischen existiert nicht.
Tja, das war nun ein kurzer Punkt, aber das war es auch schon dazu!

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20.) „Das ist mir aber wieder einmal zuwider“, erwiderte er widerstrebend.
Das war ein schöner Satz, oder? Und so schwer ist es auch gar nicht, die einzelnen Worte voneinander zu unterscheiden! Eigentlich gibt es da nur einen kleinen, aber feinen Unterschied.

Wenn Dinge wiederholt werden, dann schreibt man das Wort immer mit einem ‚ie‘:

Es passiert schon wieder.
Ich wiederhole die Vokabeln.
Die Jahreszeiten sind wiederkehrend.
Kann ich das wiederhaben?
Kühe sind Wiederkäuer.

Nur ein ‚i‘ wird hingegen genutzt, wenn (einem) Dinge zuwider sind, man sie nicht machen möchte, etwas also negativ ist.

Die Tätigkeit widerstrebt mir.
Ich antworte nur widerstrebend.
Sein Verhalten ist mir zuwider.
Er erwidert etwas.
Das Kind widerspricht der Mutter.

Das Wort „wider“ kann übrigens auch in das Wort „(ent)gegen“ umgewandelt werden und umgekehrt, wenn es alleine steht:

Das ist wider meinen Willen.
-> Das ist gegen meinen Willen.
Wider Erwartung kam er doch noch zur Schule.
-> Entgegen der Erwartung kam er doch noch zur Schule.

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21.) Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod.
Oft gesagt, und oft vom Gegenüber nicht verstanden. Vielleicht kam dieser Satz bei euch ja auch in der Schule dran – bei uns war es zumindest der Fall – aber falls nicht, wird er hiernach hoffentlich verständlich für euch sein! Das Ganze soll eigentlich ein Witz sein, welcher von Bastian Sick stammt. Er spielt auf die Entwicklung des Dativs an, welcher immer öfter verwendet wird und somit bereits fast vollständig den Genitiv ersetzt hat. Das lässt sich gut an diesem Satz erkennen:

Wir müssen wegen dem Kind zur Sprechstunde.

Korrekt wäre allerdings diese Form hier:
Wir müssen wegen des Kindes zur Sprechstunde.

Vor allem bei Unterhaltungen wird der Genitiv allerdings kaum noch genutzt und sogar als „hochgestapelt“ empfunden, da er sich so ungewohnt anhört. Ob man den Genitiv nun vehement verteidigen möchte oder sich dem Dativ-Lager anschließt, ist soweit erst einmal egal – aber Fakt ist, dass der Dativ den Genitiv in vielen Sätzen bereits ersetzt, also „getötet“ hat, und sich das in Zukunft vermutlich auch erst einmal nicht mehr ändern wird.

Feinheiten des Deutschen

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Ja, heute widmen wir uns mal einem größeren Thema: Der wörtlichen Rede. Aber jetzt lauft nicht alle weg, denn es ist wirklich, wirklich nicht schwer.

Bevor wir loslegen, möchte ich aber erst einmal aufzeigen, was denn überhaupt so für Anführungszeichen benutzt werden. Dabei beschränke ich mich auf die drei, welche hier auf FF.de am meisten genutzt werden.

Zum einen haben wir die ganz normalen deutschen Anführungszeichen, welche ich auch hierüber verwendet habe. Vor den Beginn der wörtlichen Rede setzen wir ein “ und wenn sie beendet wird, ein „. Das Ganze sieht dann also so aus:
„Ich gehe nachher einkaufen.“

Viele Leute schreiben aber auch direkt auf FF.de, weswegen sie die englischen Anführungszeichen nutzen. Das sieht dann so aus: „Ich kaufe Milch.“
Wenn man bei Word die englischen Anführungszeichen nutzt, sieht es übrigens so aus: „Und Brot hole ich auch.”
Der Unterschied zum Deutschen besteht also darin, dass auch das erste Anführungszeichen (das vor der wörtlichen Rede) oben steht. Im Deutschen steht es nämlich unten.

In Reviews verwende ich diese englischen Anführungszeichen auch oft, weil es einfach bequemer ist, aber bei einer Geschichte, welche ihr hochladet, würde ich es euch nicht unbedingt raten. Das sieht dann nämlich immer so aus, als hättet ihr das Kapitel einfach schnell in das Textfeld von FF.de geklatscht – und in einigen Fällen stimmt das ja auch. Wenn ihr mit Word in der Sprache Deutsch schreibt, werden ganz automatisch auch die deutschen Anführungszeichen ausgewählt, also benutzt doch bitte auch diese. Ihr schreibt ja schließlich auch nicht „Ich gehe noch bread kaufen“, oder?

Zu guter Letzt werden auch oft und gerne noch diese französischen Anführungszeichen hier genutzt, welche wir Chevrons nennen:
»Ich hoffe, ich brauche nicht so lange.«

Selbige müssen bei den meisten Schreibprogrammen erst eingestellt oder aber jedes Mal umständlich kopiert und eingefügt werden, weswegen sie nicht von allzu vielen Autoren verwendet werden. Eigentlich stammen sie aus dem Französischen, können im Deutschen aber auch problemlos verwendet werden und sehen für die meisten Leser hübscher aus als die normalen Anführungszeichen. In Büchern findet ihr sowohl das eine, als auch das andere vor. Sucht euch also einfach aus, was ihr als ästhetischer und/ oder bequemer befindet.

Ab und zu habe ich auch schon bei Texten gesehen, dass dort grundlegend die „…“ Anführungszeichen verwendet werden, bei Passagen, welche besonders hervorgehoben werden sollen, allerdings dann die französische Variante »…«. So verwendet ist es wohl ein schönes Stilmittel, aber ansonsten solltet ihr euch auf eine einzige Variante einigen und nicht ständig beide nach Lust und Laune vermischen. Das irritiert den Leser auch nur unnötig.

Wir halten also fest: Im Deutschen haben wir die Wahl zwischen:
„…“
und
»…«

Einige Leute benutzen auch die englische Variante, grundsätzlich sollte man das bei deutschen Texten aber unterlassen.

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An dieser Stelle möchte ich nun auch direkt mal auf drei falsche Varianten eingehen, welche ich wirklich, wirklich oft erblicke. Und das nicht nur bei Anfängern – die Dinger verbreiten sich also sehr rasant und kennen keinen Halt!

Nummer Eins: Einfache Anführungszeichen
Deutsche Variante: ‚…‘
Französische Variante: ›…‹

Das hier sind einfache Anführungszeichen, welche man daran erkennt, dass eben nur ein „Strich“ vorhanden ist anstatt zwei. Selbige nutzt man beispielsweise, wenn innerhalb einer wörtlichen Rede nochmals wörtliche Rede genutzt/ zitiert wird, zum Beispiel hier:

„Und dann“, sagte sie, „meinte der einfach ‚Ich kann das nicht tun‘, echt unfassbar!“

Und wieso werden sie dann falsch benutzt? Nun, ich erblicke des Öfteren diese Variante hier:
‚‚Ich kann das nicht.‘‘

Wie auch immer man das bewerkstelligt, setzt man hier hintereinander zwei einfache Anführungszeichen anstatt direkt ein doppeltes. Wenn ihr genau hinseht, erkennt ihr den Unterschied – das obere sind zwei einfache Anführungszeichen, das untere ist die richtige Variante. Die in diesem Falle korrekten Anführungszeichen stehen näher beieinander.

‚‚Ich kann das nicht.‘‘
„Ich kann das nicht.“

Oft kommt es aber auch vor, dass so etwas hier passiert, also dass nur einfache Anführungszeichen für die wörtliche Rede genutzt werden:
‚Ich glaube‘, sagte er, ‚das ist so falsch.‘

Und, ja. Beide Varianten sind falsch. Solltet ihr das bisher so gehandhabt haben, schlagt es euch also bitte aus dem Kopf und wechselt zu den richtigen Anführungszeichen!

Nummer Zwei: Accent aigu und Accent grave. (Besonders schlimm.)

´Ich weiß nicht`, sagte er.
´´Aber du könntest Recht haben.„

Das sieht schon sehr falsch aus, nicht wahr? Ist es auch. Diese beiden kleinen Striche da oben werden niemals für wörtliche Rede benutzt, in keinem Fall. Zugegebenermaßen sehe ich das auch extrem selten, aber manchmal sehe ich es – und es schmerzt, haha. Diese hübschen Striche verwendet man eigentlich für Worte wie zum Beispiel Café.

Nummer Drei: Falsche Chevrons

>>Das hier<<, meinte er, >>ist irgendwie auch nicht besser.<<

Seht ihr diese kleinen Zeichen, die sich vermutlich neben eurer Shift-Taste befinden? Vermutlich kommen sie euch aus dem Matheunterricht bekannt vor, wenn man „größer als“ und „kleiner als“ darstellen will. Das sind definitiv keine Chevrons! Wie ich oben schon erwähnt habe, sind auf den meisten Standardtastaturen keine Chevrons vorhanden und man muss sie entweder kopieren und einfügen oder mit einer Tastenkombination herbeizaubern/ einstellen. Wie das geht, kann man ganz einfach googlen, indem man „Chevrons nutzen“ oder so etwas in die Suchleiste tippt. Also bitte nicht diese merkwürdig anmutenden „Anführungszeichen“ dort oben verwenden, die keine sind.

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So, wir wissen nun schon mal, welche Zeichen wir nutzen dürfen und welche nicht. Aber wie genau geht das jetzt eigentlich mit der wörtlichen Rede?

Nehmen wir erst mal einen ganz normalen, beendeten Satz ohne Redebegleiter:
„Heute ist ein schöner Tag.“

Noch nicht allzu schwer, oder? Die Anführungszeichen umschließen den Satz komplett. Das heißt auch, dass kein Leerzeichen zwischen den Anführungszeichen und dem ersten Wort/ den Punkt am Satzende steht. Also bitte nicht so etwas hier:
“ Heute ist ein schöner Tag. „
Das existiert nicht, pfui, aus.

Gehen wir mal eine Stufe weiter: Wir bauen jetzt einen Redebegleiter ein.

„Ja, das finde ich auch“, stimmte sie zu.
„Wollen wir in den Park gehen?“, fragte er.
„Ja, gerne!“, rief sie euphorisch.

Meine Beispielsätze sind immer super kreativ, ich weiß.

Ist euch etwas aufgefallen? Richtig, die Fragezeichen und Ausrufezeichen am Ende bleiben erhalten – aber der Punkt beim normalen Aussagesatz verschwindet auf magische Weise, wenn dahinter ein Redebegleiter folgt. Also:

„Heute ist ein schöner Tag.“
„Deswegen gehen wir nach draußen“, sagte sie.

Und nicht:
„Deswegen gehen wir nach draußen.“, sagte sie.
Diese Variante hier ist schlichtweg falsch und gleichzeitig ist es einer der häufigsten Fehler, die man hier so sieht.

Kommen wir zur letzten Variante, nämlich zur unterbrochenen wörtlichen Rede. Die ist nicht deswegen unterbrochen, weil jemand dem Sprecher ins Wort fällt, sondern weil sich der Redebegleiter in die Mitte schleicht. Hier ein Beispiel:

„Aber“, warf er ein, „wir müssen wieder zu Hause sein, wenn es dunkel ist.“

Das einzig Neue hier ist eigentlich das Komma, wenn es mit dem Satz weitergeht. Dass wir ein Komma setzen müssen, bevor der Redebegleiter an die Reihe kommt, wissen wir schon, und auch, dass ganz am Ende, wenn kein Redebegleiter folgt, der Punkt bei der wörtlichen Rede steht.

Aber Serenade, manchmal sehe ich auch so etwas:
„Ich kann heute nicht kommen“, teilte er ihr mit. „Ich muss arbeiten.“

Ja, das ist auch richtig. Bei meinem vorherigen Beispiel war der Satz unterbrochen, denn das Wort „Aber“ allein hat den Satz ja noch nicht dargestellt. Bei dieser Variante hier hingehen haben wir zwei Sätze – „Ich kann heute nicht kommen“ sowie „Ich muss arbeiten“ können beide alleine stehen. Ihr könntet also schreiben:

„Ich kann heute nicht kommen. Ich muss arbeiten.“
oder aber auch: „Ich kann heute nicht kommen, ich muss arbeiten.“

Es sind also beide Varianten vollkommen richtig – die zweite dürft ihr aber nur wählen, wenn der Satz alleine stehen kann! Achtet bei der zweiten Variante auch auf die Großschreibung, denn dort beginnt ein neuer Satz und dementsprechend muss das erste Wort auch großgeschrieben werden.

Halten wir also fest, wie wir die wörtliche Rede nutzen können:

„Heute ist Montag.“
„Ich kann Montage nicht leiden“, sagte er.
„Wieso nicht?“, fragte sie.
„Weil“, erklärte er, „ich an diesem Tag wieder arbeiten muss.“
„Ach so!“, rief sie aus. „Darauf hätte ich auch kommen können.“

Falls ihr noch Probleme mit der wörtlichen Rede habt, könnt ihr euch diese überaus kreativen Beispiele ja einfach kopieren, damit ihr immer nachsehen könnt, was genau ihr gerade braucht. In der Regel dauert es tatsächlich nur wenige Tage, dann hat man das Prinzip so gut wie restlos verinnerlicht. Und dann ist es ein bisschen wie beim Fahrradfahren – ihr werdet es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr verlernen.

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An dieser Stelle will ich auch noch die Redebegleiter kurz erklären. Das sind Worte, die die wörtliche Rede begleiten, zum Beispiel so etwas wie „sagte“, „fragte“, „erwiderte“, „erkundigte er sich“, und so weiter und so fort. Ihr wisst sicherlich alle, was gemeint ist.

Man kann sich darüber streiten, ob man einen Redebegleiter braucht oder nicht. In den meisten Werken, die ich gelesen habe, war definitiv immer einer vorhanden.

„Ich gehe zu Thomas rüber“, sagte er und sprang die Treppe hinab. „Bis nachher!“
„Ich gehe zu Thomas rüber“, sprang er die Treppe hinab. „Bis nachher!“

Letzteres wäre ein Beispiel für einen Satz ohne Redebegleiter. Nun kann man natürlich schlecht einen Satz „die Treppe hinunterspringen“, man kann ihn nur sagen, fragen oder Ähnliches damit tun. Aber trotzdem versteht man, was der Autor wollte, oder? Genau, und deswegen nutzen manche Autoren diese Variante auch.
Ich kann euch aus Erfahrung sagen, dass die meisten Leute es merkwürdig finden, wenn kein Redebegleiter vorhanden ist, aber letztendlich ist es ganz euch überlassen, wie ihr das handhabt.

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So, das war gar nicht so schwer und auch gar nicht so viel, oder? Die wörtliche Rede ist tatsächlich recht harmlos, obwohl sie immer als so extrem schwierig verkauft wird. Es ist eben wie alles andere Übungssache, aber sobald man es einmal richtig verinnerlicht hat, sollte man keine Probleme mehr haben.

Sollte noch irgendetwas offengeblieben sein, könnt ihr euch gerne melden – auch bei spezifischen Fragen oder so etwas. Ich bin immer dazu bereit, der wörtlichen Rede ein wenig mehr Liebe und Beachtung zu geben, haha. Denn sie ist wirklich umgänglich und hat es verdient.

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Ja, ansonsten werdet ihr gesehen haben, dass ich dieses kleine Projekt hier – vorerst! – auf fertiggestellt gesetzt habe. Es werden definitiv noch weitere Kapitel kommen, aber im Moment erst einmal nicht. Ich würde jetzt grob schätzen, dass es im Sommer weitergehen wird?

Ich möchte euch eine kleine Umfrage hierlassen, damit ich weiß, mit was ich dann als erstes weitermachen soll. Eigentlich war diese Aufzählung hier ja nur für wirkliche Feinheiten gedacht, aber da hier und da doch der Wunsch auch nach „Basics“ lautgeworden ist, dachte ich mir, dass ich es ja eigentlich auch ruhig aufnehmen könnte.

Deswegen meine Frage: Was wünscht ihr euch am ehesten, oder besser gesagt, was wünscht ihr euch überhaupt noch? Ihr könnt auch gerne mehrere Dinge ankreuzen.

Ansonsten kann ich euch nur sagen, wenn ihr da noch Schwächen aufweist und diese bessern wollt: Sucht euch einen (vernünftigen) Betaleser. Schickt ihm das Dokument zu und lasst ihn farbliche Markierungen vornehmen – alles, was falsch ist, soll er rot markieren und in Klammern richtig dahinter schreiben. Denn nur so lernt ihr, was wieso falsch war – wenn euer Beta einfach nur still und heimlich eure Fehler ausmerzt, habt ihr nichts davon. Das nur noch so als Tipp von mir, bevor wir uns dann irgendwann im Sommer wiederlesen! ~

Ich bedanke mich auf alle Fälle schon mal für alle Favoriteneinträge, Empfehlungen und Kommentare – ich hätte ja ehrlich gesagt nicht gedacht, dass sich hier so verhältnismäßig viele Leser einfinden werden, haha. Aber es freut mich natürlich!