Franz kafka: amerika

Wenn Du diese Arbeit benutzen solltest, wurde ich mich sehr uber ein e-mail von Dir freuen 馃槈 Danke und viel Gluck!

路 „kafkaesk“: als Kafkaesk, also den Werken Franz Kafkas entsprechend, wird manchmal etwas bezeichnet, das abstrus, dunkel, verworfen, mit dem Verstande kaum nachvollziehbar scheint.

Ich mochte euch nun anhand des Werkes „Amerika“ von Franz Kafka, dieses Wort erlautern.

路 Biographie:

1883 wurde Franz Kafka in Prag geboren, dort verbrachte er auch den grossten Teil seines kurzen Lebens. Er stammte aus einer judischen Familie.

Kafka fuhrte nach seinen Studien ein denkbar trostloses Dasein als mittlerer Angestellter und Junggeselle, der noch bei seinen Eltern wohnte.

Innerhalb der Familie galt der skrupelhafte, introvertierte Schriftsteller als Aussenseiter, besonders sein Vater brachte nicht das geringste Verstandnis fur die Interessen seines Sohnes auf.

Tagsuber sass er 6 Stunden im Buro einer Arbeiter-Unfall-Versicherung, verfolgte den Sekundenzeiger der Wanduhr und verfasste irgendwelche Gutachten, um nachts fur seine eigentliche Leidenschaft gerustet zu sein: Sein Leben war zielstrebig auf das Schreiben hin ausgerichtet. Nur beim Schreiben konnte er sich auf eine zutiefst befriedigende Weise ausleben, alles andere ordnete er dieser Tatigkeit unter. Und wenn man ihn daran hinderte, wurde er depressiv.

Im Laufe der Jahre zog er sich zunehmend in die Literatur zuruck, die Literatur war fur ihn der einzige Ausweg aus der Realitat.

1924 rbt er im jungen Alter von 41 Jahren in Wien an

Lungentuberkulose und Nervenzusammenbruchen.

路 Romanfragment:

1912 hat K. dieses Werk begonnen, 1913 erschien 1. Kapitel (der Heizer) als gesonderte Erzahlung erschienen. Spater nahm er die Arbeit an der Geschichte wieder auf, liess jedoch gewisse Stellen aus. Daraus entstand ein Buch mit 8 Kapiteln namens „der Verschollene“, spater „Amerika“ genannt.

路 Titel: Was wurdet ihr von diesem Titel erwarten?

Ich denke, der Titel des Buches weckt im Leser gewisse Erwartungen.

„Amerika“ lasst in uns Europaern gleich die Vorstellung von uneinge-schrankter Freiheit aufkommen: Amerika steht fur das Land der 1000 Moglichkeiten. Es weckt Hoffnungen auf einen Neuanfang des Lebens, auf

Abenteuer und Erlebnisse.

Gerade zu Kafkas Lebenszeiten, in der Kriegsstimmung herrschte, hatte der Titel wohl noch eine bedeutendere Wirkung auf den Leser als heute. Es war die grosse Zeit der Auswanderungsbewegung von Europa nach Nordamerika. Der Begriff Amerika war fur alle zentral. Nun werden wir sehen…

路 Nacherzahlung

Der sechzehnjahrige Karl Rossmann wird von seinen Eltern nach Amerika geschickt, weil ein Dienstmadchen ihn verfuhrt und ein Kind von ihm bekommen hat.

Bei der Ankunft des Schiffes im New Yorker Hafen vergisst Karl seinen Regenschirm unter Deck und lauft zuruck, um ihn zu holen. Er verirrt sich auf dem Schiff. Dabei trifft er auf einen Heizer, der ihm in seinem Zimmer erzahlt, wie ungerecht er von seinem Vorgesetzen behandelt wird. Karl zeigt sich bereit ihm zu helfen und folgt ihm zum Kapitan. Karl halt fur den Heizer eine Verteidigungsrede, jedoch erfolglos. Ein Senator Jakob, der wahrend der Szene anwesend ist, gibt sich als Karls Onkel zu erkennen. Er nimmt Karl bei sich auf.

Karl verbringt bei seinem Onkel in New York einige Zeit. Der Onkel uberschuttet Karl mit teuren Geschenken und verwohnt ihn mit einem grossen Zimmer: Er kauft ihm einen Schreibtisch bester Sorte, ein Klavier, Englisch- und Reitlektionen. Man hat aber das Gefuhl, dass der Onkel dem Karl immer distanziert bleibt. Bei einem Geschaftsessen lernt Karl Herrn Pollunder kennen, der Karl spontan auf sein Landhaus einladt. „Scheinbar freudig“ gibt ihm der Onkel die Erlaubnis die Einladung anzunehmen.

Bereits am nachsten Tag holt Pollunder Karl ab und die beiden fahren aufs Landhaus.

Beim Essen im Landhaus des Herrn Pollunder lernt Karl die Tochter Klara kennen. Spater fuhrt Klara, die zwar schon verlobt ist, Karl in eine Zimmer hinauf. Zu direkten sexuellen Handlungen kommt es zwischen den beiden zwar nicht, jedoch ereignet sich im Zimmer ein merkwurdiger Kampf mit deutlich sexuellen Untertonen, in dem Karl der Unterlegene bleibt.

Als Karl wieder hinunter ins Esszimmer fluchtet, uberreicht ihm Pollunder einen Brief von seinem Onkel. Im Brief schreibt der Onkel, dass er enttauscht sei von ihm, weil er diese Einladung angenommen habe. Karl zeigt keine grossen Emotionen. Er weiss, dass ihm nicht vergeben wird. Ihm bleibt also nichts anderes als alleine aufzubrechen.

In einem Wirtshaus verbringt er die Nacht mit zwei Vagabunden, Robinson und Delamarche. Am nachsten Tag ziehen die 3 miteinander weiter, auf der Suche nach Arbeit. Als der Abend einbricht, entscheiden sie sich die Nacht auf dem Gras zu verbringen. Da sie ziemlich hungrig sind, schicken Delamarche und Robinson Karl in ein Hotel „Occidental“ nebenan um etwas zu essen zu holen. Bald muss Karl jedoch feststellen, dass die beiden ihn nur ausnutzen und bestehlen wollen. Im Hotel trifft er die Oberkochin, die ihm glucklicherweise gleich eine Stelle als Liftboy anbietet. Karl nimmt diese naturlich sofort an. Er verlasst also Delamarche und Robinson.

Im Hotel erfullt Karl seinen Dienst tadellos. In den zwei Monaten, die Karl im Hotel verbringt, knupft er keine engeren Freundschaften. Zwar sucht die Sekretarin namens Therese immer wieder den Kontakt zu Karl, doch er geht nicht gross darauf ein.

Nach zwei Monaten erscheint plotzlich der vollig betrunkene Robinson im Hotel und ladt Karl ein, sich ihm und Delamarche wieder anzuschliessen. Karl weigert sich. Da behauptet Robinson plotzlich nicht mehr gehen zu konnen und ubergibt sich in den Treppenschacht. Da bittet Karl einen Kollegen den Lift zu bedienen und schafft Robinson in den Schlafsaal der Liftboys. Aufgrund dieses Vorkommnisses wird Karl vom Oberkellner entlassen, und auch die Oberkochin, die ihn bislang geschutzt hat, kann ihm nicht helfen. Bevor er aber das Hotel verlassen kann, ergreift ihn der sadistische Oberportier und durchsucht seine Taschen. Karl flieht und lasst seine Jacke mit allen seinen Ausweispapieren zuruck.

In einem Taxi sucht Karl mit Robinson das Weite. Der Wagen halt vor einem Haus, das Robinson und Delamarche gemeinsam mit einer Sangerin namens Brunelda bewohnen. Brunelda ist Delamarches Liebhaberin. Karl kann den Rest des Fahrgelds nicht bezahlen. Ein Polizist kommt hinzu und will ihn wegen seiner fehlenden Ausweispapiere verhaften. Karl aber flieht. Dank Delamarche gelingt es Karl sich im Hintereingang des Hauses zu verstecken.

Bald merkt er aber, dass Delamarche ihn wie einen Gefangenen und Diener der uppigen Brunelda halten will. Karl wird von den beiden standig befohlen und muss mit Robinson auf dem Balkon ubernachten. Wie lange er bei Brunelda und Delamarche bleibt und was er alles treibt, weiss man nicht, denn Kafka hat hier einen Teil ausgelassen.

Im nachsten Kapitel beschreibt Kafka, wie Karl ein Plakat liest, auf dem das Naturtheater von Oklahoma Personal sucht. „Das grosse Theater ruft euch, jeder ist willkommen, versaumt die Gelegenheit nicht, auf nach Clayton!“ Karl entscheidet sich kurzerhand den Zug nach Clayton zu nehmen, um sich zu bewerben. Als er dort ankommt, trifft er per Zufall eine Bekannte, die als Engel verkleidet Posaune blast. Obwohl es Schwierigkeiten gibt, weil Karl ja keine Ausweispapiere hat, bekommt er eine Stelle als technischer Arbeiter und wird von den Zirkusleuten mitgenommen.

Fragment 1: Im Zimmer wird Brunelda von Delamarche gewaschen. Karl und Robinson mussen Hilfsdienste leisten. Sie gehen zur Zimmerwirtin, um Fruhstuck zu holen. Nur mit Muhe konnen sie sie uberreden, ihnen wenigstens die Fruhstucksreste zu uberlassen.

Hier hort die Geschichte fur den Leser auf. Nach einer Lucke bereitet das letzte fragmentarische Kapitel einen anderen Schluss vor:

Fragment 2: Brunelda will das Haus verlassen und Karl schiebt sie in einem Handkarren durch die Strassen. Brunelda ist unter einer grauen Decke versteckt. Gegenuber Passanten behauptet Karl, er wurde 脛pfel transportieren. Schliesslich kommen sie bei einem Unternehmen an, dessen Verwalter sie unfreundlich begrusst.

路 Interpretation & Textauszuge:

Im folgenden mochte ich euch zuerst diese Kurve zeigen. „Wie konntet ihr diese Kurve interpretieren?“

Die Kurve soll darstellen, wie Karl 3 mal einen Aufstieg und Fall erlebt.

Ebenso stellt man fest, dass Karl wahrend des Buches in der Gesellschaft absteigt, namlich vom eher wohlhabenden Europaer zum Vagabunden und einfachen Arbeiter.

脿 1. Auszug Anfang

路 EUROPA: Karl Rossmann ist von Anfang an das Opfer der Situation: bereits im ersten Satz wird uns mitgeteilt, dass Karl von den Eltern nach Amerika geschickt worden ist, weil ein Dienstmadchen ihn verfuhrt und ein Kind von ihm bekommen hat. Wenig spater erfahren wir allerdings, dass es schon eher Vergewaltigung war, die bei dem jungen Karl nichts als Ekel und Abscheu erregt hat. Dass ihn die Eltern deshalb nach Amerika geschickt haben, ist offensichtlich eine grobe Ungerechtigkeit, die Karl jedoch gar nicht also solche wahrzunehmen scheint. Er nimmt sein Schicksal geduldig auf sich.

脿 2. Auszug Heizer

路 HEiZER: Wie an seinem Engagement fur den Heizer erkennbar wird, hat Karl ein ausgepragtes Gerechtigkeitsempfinden. Doch bleibt dieses Empfinden naiv. Er zeigt kein Verstandnis fur die sozialen Bedingungen der Situation.

Mit dem Motiv der ungerechten Behandlung und dem verzweifelten Versuch, Recht zu bekommen, stellt der Zwischenfall mit dem Heizer das Thema dar, das den gesamten Roman durchzieht. Im folgenden ist es Karl, der ungerecht behandelt wird, ohne dass es ihm moglich ware, sich Gerechtigkeit zu verschaffen. Zum Beispiel beim

路 ONKEL: Der kleinste Fehler, den Karl begeht, macht das Kartenhaus, in dem er sich befindet, kaputt; Dort, als Karl die Einladung Pollunders annimmt und der Onkel ihn deswegen wegschickt.

Das heisst, von da an beginnt fur Karl ein neuer Lebensabschnitt, denn er reist nun als Einzelganger und Vagabund weiter und hat keine Verbindung mehr zu seinen alten Verwandten und Bekannten.

路 R&D: Karl ist nun mit zwei Vagabunden unterwegs. In einer Quelle habe ich gelesen, dass deren Namen (Robinson, Delamarche) ein Kafkamotiv andeuten, namlich „der Einzelne auf dem Weg“, was das Bruch pragt

脿 Auslegung Namen

路 HOTEL: Im Hotel muss Karl wie eine Maschine funktionieren und nur weil er fur 2 Minuten seine Arbeitsstelle verlasst, wird er entlassen. Hier wird wieder die Ungerechtigkeit angefochten, wie vorhin erwahnt!

脿 3. Auszug Plakat

路 THEATER: Am Ende, beschreibt Kafka das Naturtheater Oklahoma wie ein Paradies: Jeder ist willkommen, egal welcher Herkunft und Vergangenheit. Zum ersten mal bringt er im Buch Landschaftsbeschreibungen, ausserdem erwartet ihn ein Engelschor bei der Ankunft, er trifft eine alte Verwandte wieder.

Hier erkennt man also ein religioses Motiv.

Dieser offene Schluss bringt nach so vielen Enttauschungen in Amerika plotzlich wieder Hoffnung auf ein besseres Leben.

Schlussinterpretation:

Karl will sich in der kapitalistischen Welt von Maschinen und Rationalisierung als einfacher, funktionierender Arbeiter einordnen, was ihm aber nicht gelingt! Die Beschreibung des Einzelnen mit der Realitat des Lebens wird hervorgehoben. Karl lebt wie ein Schema, das sich nach unbegreiflichen Dingen bewegen muss.

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1. Auszug: Der erste Absatz des Buches:

Als der sechzehnjahrige Karl Rossmann, der von seinen Eltern nach Amerika geschickt worden war, weil ihn ein Dienstmadchen verfuhrt und ein Kind von ihm bekommen hatte, in dem schon langsam gewordenen Schiff in den Hafen von New York einfuhr, erblickte er die schon langst beobachtete Statue der Freiheitsgottin wie in einem plotzlich starker gewordenen Sonnenlicht.

2. Auszug: Beim Kapitan:

„Was wird jetzt mit dem Heizer geschehen?“ fragte Karl vorbei an der letzten Erzahlung des Onkels. Er glaubte in seiner neuen Stellung alles, was er dachte, auch aussprechen zu konnen. „Dem Heizer wird geschehen, was er verdient“, sagte der Senator, „und was der Kapitan fur gut erachtet. Ich glaube, wir haben von dem Heizer genug und ubergenug, wozu mir jeder der anwesenden Herren sicher zustimmen wird.“

„Doch darauf kommt es doch nicht an, bei einer Sache der Gerechtigkeit“, sagte Karl. Er stand zwischen dem Onkel und dem Kapitan und glaubte, vielleicht durch diese Stellung beeinflusst, die Entscheidung in der Hand zu haben.

….

„Missverstehe die Sachlage nicht“, sagte der Senator zu Karl, „es handelt sich vielleicht um eine Sache der Gerechtigkeit, aber gleichzeitig um eine Sache der Disziplin. Beides und ganz besonders das letztere unterliegt hier der Beurteilung des Herrn Kapitans.“

3. Auszug: Karl vor dem Plakat des Naturtheaters Oklahoma:

Fur Karl stand aber doch in dem Plakat eine grosse Verlockung. „Jeder war willkommen“, hiess es. Jeder, also auch Karl. Alles, was er bisher getan hatte, war vergessen, niemand wollte ihm daraus einen Vorwurf machen. Er durfte sich zu einer Arbeit melden, die keine Schande war, zu der man vielmehr offentlich einladen konnte. Und ebenso offentlich wurde das Versprechen gegeben, dass man auch ihn annehmen wurde. Er verlangte nichts Besseres, er wollte endlich den Anfang einer anstandigen Laufbahn finden, und hier zeigte er sich vielleicht. Mochte alles Grosssprecherische, das auf dem Plakate stand, eine Luge sein, mochte das grosse Theater von Oklahoma ein kleiner Wanderzirkus sein, es wollte Leute aufnehmen, das war genugend. Karl las das Plakat nicht zum zweiten Male, suchte aber noch einmal den Satz: „Jeder ist willkommen“ hervor.

路 Vergleich Kafka:

Was sofort auffallt, ist, dass Kafka sich in vielen Bereichen mit Karl identifiziert. Nur schon der Name „KARL“ und „KAFKA“ konnten dies andeuten. Wie schon in der Biografie erwahnt, kam Kafka mit der modernen Welt nicht zurecht. Ebenso wenig wie Karl…

路 Sprache & Stil:

Kafkas Sprache ist durchaus einfach und ohne Symbolik. Man findet weder viele Metaphern, noch Verschlusselungen des Textes 脿 siehe Auszuge; Der Text ist sehr klar. Ich hatte den Eindruck, er sei unkompliziert, aber dennoch durchdacht. Kafka versteht es, auf anspruchslose Weise Psychologie und Charaktereigenschaften zu beschreiben.

Durch Ruhe und 脺berlegung, ohne auffalligen Humor oder Witz, sondern mit Ernst scheint dieses Werk verfasst zu sein. Oft wahlt Kafka die Form der direkten Rede 脿 siehe Auszuge; hingegen treten selten Beschreibungen von Natur oder Umgebung auf.

Fur jeden Leser ist dieses Buch darum gut verstandlich, obwohl sich bei grundlichem Vertiefen manche interessanten Hintergrunde oder Interpretationen finden lassen. Genau dies war wohl die Absicht Kafkas, als er einen solchen Schreibstil wahlte: ein Werk fur das Volk sollte es werden.

路 Meine Meinung:

Das Buch fand ich ziemlich langweilig und merkwurdig, doch beim Analysieren habe ich gemerkt, dass man in der Geschichte enorm viele Hintergrunde und Interpretationen findet. und dies machte das Werk doch irgendwie interessant.