Frauenemanzipation

Im 16. Und 17. Jahrhundert war es um das weibliche Bildungswesen schlecht bestellt. Dies ist am niedrigen Niveau der Schulen abzulesen. Nonnen, Ehefrauen oder Witwen unterrichteten und hatten keinerlei Vorbildung. Magister unterrichteten ausschlie?lich nur in Knabenschulen. Auch war die Bezahlung der Lehrkrafte an Madchenschulen gering, sie waren auf das Schulgeld der Eltern angewiesen und bekamen bestenfalls eine Befreiung von burgerlichen Abgaben.

Um diesem Missstand entgegenzuwirken begannen sich im 17. Jahrhundert vor allem im Rheinland Laiengemeinschaften von Frauen zu bilden, die sogenannten DEVOTESSEN. Sie unterrichteten hauptsachlich in „Katechismusschulen“ und wurden von Pfarrern oder von einem Jesuitenkollegium beaufsichtigt, weshalb sie auch verachtlich „Jesuitessen“ genannt wurden.

Besser ging es dem Adel und dem gehobenen Burgertum. Sie erhielten entweder im Elternhaus oder in Klosterschulen Unterricht. Ziel war es die Madchen auf ihre Rolle als Ehefrau, Mutter und Hausfrau vorzubereiten.

Zum Beispiel hatte Mozart die Ausbildung seiner Tochter Anna Maria (besser bekannt unter dem Namen „Nannerl) ubernommen. Francke,…………………………………bildete ein Frauenbildungsprogramm, das aber nur teilweise realisierbar war. Seine Schule fur die Burgermadchen; 1698 eroffnet, musste bereits funf Jahre spater geschlossen werden.

Die industrielle Revolution lie? Frauen der unteren Schicht, von denen die meisten bis dahin zu Hause unbezahlte Handwerks- und Hausarbeiten ausgefuhrt hatten, zu Lohnempfangerinnen in Fabriken werden. Dies war der Beginn ihrer witschaftlichen Unabhangigkeit. Die Arbeitsbedingungen in den Fabriken waren gefahrlich und die Frauenlohne lagen weit unter denen der Manner.

In Klosterschulen entstanden Frauen- Lehrorden wie

1.) die Ursulinen, die um 1660 nach Wien kamen und sehr rasch auch im ubrigen Osterreich Niederlassungen schufen

2.) Die sogenannten „Englischen Fraulein“; gegrundet von der Englanderin Maria Ward im Jahre 1609

3.) Und die 1717 aus Brussel nach Wien berufenen Salesianerinnen.

Die Frauen Lehrorden vermittelten zwar eine umfassendere Bildung als die offentlichen Madchenschulen, Hauptziel war es aber sie nach den gesellschaftlichen Erwartungen auszubilden. Verschiedene Frauenorden wurden durch Joseph 2. aufgehoben und somit kam es wieder zu einer Verschlechterung der Bildung.

Mit der Einfuhrung der „Allgemeinen Schulordnung fur die deutschen Normal; Haupt; und Trivialschulen im Jahr 1774 kurz „Maria- Theresianische Schulordnung genannt, wollte Kaiserin Maria Theresia den Bildungzustand verbessern. Diese Schulordnung bildet den Grundstein des allgemeinen offentlichen Schulwesens in Osterreich.

Allmahlich begann man die Frau als Vernunftswesen zu entdecken. Da durch die Vernunft alles erklarbar und machbar schien, erubrigten sich Hexenmythos und bedrohliche Krafte der Frau. Der Verstand der Frau wurde interessant. Die Frauen entwickelten eine Lesewut, wobei man Angst bekam, dass die Frau ihre eigentlichen Pflichten (Haushalt usw.) vernachlassigt.

18. Jahrhundert und beginnendes 19. Jhd:

Im 18. Jahrhundert wurde das Anliegen der Frauenbildung genereller.

Vor allem in der 2. Halfte des 18 Jhd. gab es weibliche Autorinnen, ebenso wie Herausgeberinnen. Die erste Frauenzeitschrift entstand. Sie hie?: THE FEMALE SPECTATOR.

Trotzdem war das Idealbild der Frau die sittliche und gottesefurchtige Frau, die fur die Kindererziehung gerade genug Allgemeinwissen besa?.

Frauen sollten auch nur solche Bucher lesen, welche ihrem Verstand etwas geben. Romanlekturen sollten vermieden werden, da sie den Frauen Anla? zu phantasievollen Gedanken geben konnten. Gerade deswegen aber- die Frau macht ja immer das, was sie nicht soll- verschlangen die Frauen der damaligen Zeit geradezu solche Lekturen. Abenteuer und Geistergeschichten fanden immer mehr Anklang. Man hatte Angst vor hitzigen Phantasien und unkontrollierbarer Leidenschaft; deshalb veroffentlichte man in Wochenzeitschriften Verhaltensregeln fur Frauen. Sie enthalten zum Beispiel Anordnungen daruber, wie ein Dekollete beschaffen sein muss, um nicht allzu viele Reize zu enthullen; ob es gestattet sei vor der Ehe Liebesbriefe zu schreiben und es wurde in umstandlichen Ausfuhrungen sogar umschrieben, wie gekusst werden darf.

Die gebildeteren Damen der hoheren Stande bevorzugten hingegen Schriften Rousseaus. Dieser vertrat zum Beispiel die Meinung, dass Erziehung und Bildung schon wichtig sei, aber nur, damit sie dem Mann besser dienen konne.

19 Jahrhundert und 20 Jahrhundert:

Am 21. August 1848 kam es zur „Wiener Demonstration der Arbeiterinnen“. Dies war die erste organisierte Protestorganisation gegen frauenfeindliche Lohnpolitik. Sie kampften fur eine demokratische Gesinnung, Ideen von Freiheit und Befreiung und forderten soziale Gerechtigkeit. Schwarzer, der damalige Arbeitsminister hatte an diesem Tag die Lohne von rund 8000 Arbeiterinnen von 20 auf 15 Pfennig pro Tag gesenkt, wogegen Manner 25 Pfennig verdienten.

Am 28. August 1848 entstand daher der erste politische Frauenverein in Osterreich. Hauptziel war die soziale Gleichberechtigung der Frau. Es gab sogar eine Frauendemonstration vor dem Wiener Reichstag. Das war am 17. Oktober 1848. Der Reichstag gab den Forderungen jedoch nicht nach.

Der Kampf um das allgemeine Wahlrecht war das Hauptanliegen der modernen Frauenbewegung. So brachte die Suffragettenbewegung, die von 1860 bis etwa 1930 fur gleiches Wahlrecht kampfte, Frauen unterschiedlichster gesellschaftlicher Herkunft und Bildung zusammen.

Das Wahlrecht erhielten Frauen in Deutschland erst 1918, in Gro?britannien erhielten zunachst nur Frauen das Wahlrecht, die alter als 30 Jahre alt waren. Auch in Polen, Osterreich, Schweden, Frankreich, Italien, China und Indien setzte sich das allgemeine Wahlrecht allmahlich durch. In der Schweiz aber durften Frauen bis 1971 nicht an nationalen Wahlen teilnehmen, und das Wahlrecht fur die regionalen Volksvertretungen blieb Frauen bis 1990 verwehrt.

In Kuwait, Saudi- Arabien und Jordanien wird das Wahlrecht Frauen sogar heute noch verweigert.

Bezuglich schulischer Ausbildung entstanden um 1837 erste Colleges fur Frauen. Es war ihnen jedoch noch nicht erlaubt die von den Mannern dominierten Universitaten zu besuchen.

1892 kam es zur Grundung des ersten Madchengymnasiums in Wien in der Hegelgasse. Es hie? „Gymnasialschule fur Madchen“. 1893 musste sich die Schule auf Anweisung umbenennen und nannte sich ab jetzt „Gymnasiale Madchenschule des Vereins fur erweiterte Frauenbildung.“ Der Verein wollte auf diese Weise den Staat zum Handeln zwingen. Die Universitaten sollten endlich fur Frauen geoffnet werden. Obwohl die Schule ziemlich teuer war, hatte sie regen Zulauf. Die Matura war fur Madchen umfangreicher als fur Buben. Die Schulerinnen mussten in samtlichen Gegenstanden zur Prufung antreten, wahrend die Buben meist nur in drei Gegenstanden gepruft wurden. Au?erdem wurden sie von den Lehrern gepruft, wahrend sich die Madchen einer Kommission aus fremden Lehrern stellen mussten. Das zunehmende Bedurfnis der Madchen die Schule mit Matura abzuschlie?en schien die Unterrichtsverwaltung aber sehr zu beunruhigen. Mit allen Mitteln wurde versucht, die Prufung der Frauen zu erschweren. Die Überlegung die dahinterstand war folgende: Solange es nur vereinzelte Maturantinnen gab, war der Ausschlu? der Madchen von der Universitat sichergestellt.

1872 erklarte jedoch ein Ministererla?, dass Madchen die Matura unter denselben Bedingungen wie Buben ablegen durfen.

Durch das Staatsgrundgesetz von 1867 wurde den Frauen unter anderem der Zugang zum Lehramt erlaubt.

Ab 1897 wurden Frauen als Horerinnen an den philosophischen Fakultaten der k.k. Universitaten, ab 1900 zu medizinischen Studien und zur Pharmazie, ab 1919 zum Studium und Doktorat der Tierarztlichen Hochschule, zum Studium an den technischen Hochschulen und zum Studium an der Hochschule fur Bodenkultur zugelassen.

Die Frauen waren nur an der Hochschule fur Welthandel von Anfang an den Mannern gleichgestellt.

1867 gab es das Vereinsgesetz, das besagt, dass Auslander, Frauen und Minderjahrige nicht Mitglieder politischer Vereine werden durfen. Frauen wurden von dieser Bestimmung erst am 10. Marzm 1911, also 43 Jahre spater vom Abgeordnetenhaus ausgenommen.

Ein wichtiger Fortschritt fur die Frau war auch 1918 die Zuerkennung des aktiven und passiven Wahlrechts. Auch im Wiener Gemeinderat und bei den Interessensvertretungen erzielten Frauen gro?e Fortschritte.

1920: Grundung einer Frauenabteilung in der Kammer fur Arbeiter und Angestellte

1929: Frauensektion im Bund freier Gewerkschaften.

1953 regelte au?erdem das Parlament die Gleichheit des Entgelds mannlicher und weiblicher Arbeitskrafte fur gleichwertige Arbeit und regelte gesetzlich 1954 den Familienlastenausgleich.

1958 wurde die Fruhpension bei Arbeitslosigkeit fur Frauen ab 55 und fur Manner ab 60 Jahren eingefuhrt.

Das Bewusstsein der Frau wuchs mit diesen neuen Regelungen sehr.

1966 konnte sogar erstmals eine Frau das Ministeramt ubernehmen (Dies war Grete Rehor). Rehor richtete eine Abteilung fur Frauenfragen ein.

1967 folgte die Deklaration uber die Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau. Das heisst, dass die Frau- gleich welchen Familienstandes- gleiche Rechte auf politischem, wirtschaftlichem, sozialem, kulturellem und staatsburgerlichem Gebiet hat.

1979 erfolgte dann das Übereinkommen, das Gleichberechtigung der Frau in aller Welt festlegt.

Durch all diese neuen Regelungen und Gesetze wurde die Frau mehr und mehr unabhangig. Folglich haben Manner auch eine andere Position erhalten. Zum Beispiel beschaftigen sich Vater mehr mit ihren Kindern und es verandert sich auch die Arbeitsteilung in der Familie und ich denke, dass es keine Frau gibt, die sich daruber beschweren wurde.