Freitag, 29. september

Um 9 Uhr fruh fand diese Vollversammlung statt, eroffnet durch Kollegen Paul Fodinger von der SPO. Seine Mitteilung, er habe mit Bundeskanzler Figl telefoniert und dieser hatte zugesagt, die Streikstunden wurden bezahlt, wenn die Arbeiter die Arbeit sofort aufnehmen, wurden mit sturmischen Pfui-Rufen quittiert. Einstimmig wurde von den 6000 Versammelten die Weiterfuhrung des Streiks beschlossen und dem OGB-Prasidium einstimmig das Mi?trauen ausgesprochen. Die zentrale Streikleitung gab sofort die Weisung, in den Betrieben und Abteilungen Streikleitungen zu wahlen (sechs bis zehn Mann stark mit einem Vorsitzenden). Dies wurde durchgefuhrt und das zentrale Streikkomitee durch 34 Kollegen erweitert. Schlie?lich beschlo? man, da? die Arbeiter nach Auszahlung ihrer Lohne nach Hause gehen und am Montag, 2. Oktober, erst um 8 Uhr im Werk erscheinen sollten. Weiters wurde beschlossen, die Wiener Betriebsrate-Konferenz abzuwarten und am Montag um 8 Uhr fruh neuerlich eine Vollversammlung abzuhalten.

Am Freitag Nachmittag hatten bereits die ersten Kollegen der SPO und des VdU die Arbeit in der zentralen Streiikleitung eingestellt, indem sie erklarten, da? „der Streik eine Angelegenheit der KPO geworden sei“. Die Zusammensetzung der erweiterten zentralen Streikleitung zeigte das Gegenteil auf, denn 85 Prozent der Leitungsmitglieder waren Sozialisten und VdUler.