Führerbefehl

Wirf doch mal einen Blick auf dein Gehirn.
Nein, lass‘ es, wo es ist, stell‘ es dir nur einfach vor.
Eine graue Masse, formlos und klumpig und
mit Abermillionen wurmförmigen Windungen darin.
Es sieht ein wenig aus wie der Darm und besteht aus vielen Teilen,
die, obwohl untrennbar miteinander verbunden,
dauernd darum streiten, wer Recht hat.
Myriaden von Wegen, Abzweigungen, Sackgassen,
um Gedanken hin- und herzuschicken,
Erinnerungen aufzubewahren und Eindrücke zu verarbeiten.
Wer so viel Arbeit hat, neigt dazu, es einfach zu machen:
die Routine gibt uns vor, was wir über etwas denken
und die Vor-Urteile erklären uns, wie jemand ist.

Unser Gehirn ist so komplex, dass wir nicht im
Ansatz wissen, wie es tatsächlich funktioniert.
Und doch – all diese überragende Technik lebt nur so lange
wie dein Körper. Nach diesem einen Leben ist Schluss.
Tür zu, Licht aus.
Logisch, dass das Hirn sich davor fürchtet.

Und jetzt betrachte dein Herz.
Es ist höchst einfach aufgebaut:
es gibt einen Eingang und einen Ausgang.
Das Blut wirbelt (spiralförmig) in exakt eine Richtung,%#$®elmäßig und berechenbar.
Irrwege finden nicht statt, es sei denn,
das Herz wäre ernsthaft verletzt.
So einfach.

Und doch bleibt unser schlichtes Herz erhalten,
nicht organisch natürlich,
sondern als Brückenkopf zu unserer Seele, die –
das mag man bedauerlich empfinden – nicht sterben kann
und deshalb auch keine Angst davor hat.
Ein einziger, einfacher Weg nur, der also keine Zwei-fel kennt
und keine Lügen.

Wer von beiden, denkst du, ist eher geeignet
dein Leben zu führen?