Gut?

Kein Mensch tut freiwillig etwas Böses, ohne es zu bereuen.
Egal, was man tut, man ist davon überzeugt, dass es, wenn vielleicht nicht immer gut, so doch nicht böse ist. Der Mörder wird seine Tat begründen können, viele Massenmörder oder Psychopathen wollen die Welt verändern und halten ihr Tun für nötig (sie tun es für sich oder andere). Selbst wenn sie es nur für sich tun, so sehen sie es doch stets als notwendig oder zumindest „erlaubt“ an, das das „Böse“ an sich als eine Tat definiert ist, die wir weder wollen noch verstehen. So verabscheuungswürdig die Taten mancher Menschen für uns erscheinen, können wir davon ausgehen, dass der Mensch, der sie freiwillig begeht und auch nachher nicht bereut, sie nicht als böse ansieht (auch wenn er vielleicht z.B. die Notwendigkeit der Gesellschaft, sie zu vermeiden, versteht).
Da wir nun aber alle unterschiedliche Vorstellungen haben von dem, was getan werden darf und was nicht, können wir sagen, dass jeder Mensch eine individuelle Definition von Gut und Böse hat. Wie entscheidet man nun, was gut ist und was nicht? Man entscheidet es gar nicht.
Wenn es unter hundert Menschen hundert subjektive Vorstellungen von Gut und Böse gibt, ist eine so gut und legal wie die andere. Was unsere Gesetze ausdrücken, ist schließlich etwas ganz anderes: Man sucht „Gerechtigkeit“, nicht „das Gute“. Das beinhaltet eine Chancengleichheit bei gleichen Fähigkeiten, Sicherung und Wahrung des allgemeinen Zusammenlebens etc. etc.
Der Mensch hat nun allerdings den Drang, gut zu sein. Das bedeutet in diesem Fall, zu wissen, dass man das Richtige tut, die Anerkennung dafür zu ernten, bei den Nachbarn dadurch positiv aufzufallen etc; man möchte ein guter Mensch sein, einfacher und besser kann man es nicht ausdrücken.
Wie lässt sich dieses Streben nach Erlösung nun Befriedigen? Man tut seinen Teil zum Fortbestand des Staates, indem man Steuern zahlt. Befreien tut des den Bürger trotzdem nicht.
Es gibt eine Instanz, die oft stillschweigend und hinter vorgehaltener Hand, auch wenn sich ihre Reihen immer weiter lichten, in Deutschland mit dem Guten verbunden wird: Die Kirche.
Die Kirche an sich ist Vermittler und Sammelstelle der Religion, also der Draht zu Gott, und die Definition von Gott ist fast schon, vereinfacht gesagt, das Gute. Gott = gut.
Dass sich die Bänke der Kirche immer weiter lichten und sie im Allgemeinen oftmals verpönt ist, liegt an gewissen Katastrophen, die verschiedene Würdenträger zu verantworten haben und an einer, auch dadurch entstandenen, Entfremdung von allgemeinem Glauben und Kirche. Zudem ist uns der Glaube heute nicht mehr so wichtig, dass wir eine Kirche für ihn bräuchten. Ihre Überzeugungen haben die meisten Menschen für sich und sind glücklich damit; man braucht weder Publikum noch Treffpunkt für Gleichgesinnte (daher gründet sich auch keine neue Kirche; der Glaube ist so individuell geworden und gleichzeitig so weit nach hinten gerückt (diese beiden Phänomene stehen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in Abhängigkeit voneinander), dass es nicht lohnt, ihn im großen Stil zu praktizieren oder Gleichgesinnte zu „sammeln“ (im Sinne von versammeln).
Nehmen wir die realen Fehlschläge der Kirche einmal heraus, betrachten den angesprochenen individuellen Glauben und tun so, als ob die Kirche noch nah am Glauben wäre (für viele ist sie das).
Auch wenn die Wissenschaft die Kirche beschränkt hat, ist das spirituelle Denken noch da. Bei vielen Menschen spielt der Begriff Gott eine Rolle, alle definieren über dieses spirituelle Denken das Gute oder setzen es zumindest damit gleich.
Und da wir uns, wie bereits erwähnt, alle nach dem Guten sehnen, laufen wir zur Zweigstelle des Guten, der Kirche.
Die Kirche an sich muss nun nicht einmal zu 100% unserem Glauben entsprechen, wir definieren den Gott der Kirche trotzdem als „gut“.
Das bedeutet, dass die Kirche, solange sie keine groben Fehler macht, austauschbar ist, und wir trotzdem zu ihr gehen auf der Suche nach der Erlösung.
Das ist erst einmal weder schlecht noch verwunderlich, suchen wir doch nach Gott und nicht nach der Kirche. Dennoch gibt es zu denken, da die Kirche damit eine gewisse Beliebigkeit erhält. Hätten wir keine Vorurteile, könnten viele überzeugte Katholiken sich auch in der evangelischen Kirche zurechtfinden und umgekehrt (vor allem, wenn sowieso schon ein gewisser Freigeist ist, also eine echte Auseinandersetzung mit dem Glauben stattgefunden hat, da man immer auf Unstimmigkeiten mit der Kirche kommt, weil es eben auf die individuelle Erfahrung mit Gott, auf den individuellen Glauben ankommt. Ist man sich der Unstimmigkeiten der eigenen Religion bewusst, würden die Leute sich auch in einer anderen Konfession mit anderen Unstimmigkeiten zurechtfinden (zieht man Eingewöhnung, Umfeld, Vorurteile und andere Dinge ab, die den Wechsel erschweren)).
Man darf nun nicht vergessen, dass ein Mann der Kirche reale Macht hat, ganz allgemein und insbesondere auf seine „Herde“.
Wenn die Kirche nun aber mehr oder minder beliebig austauschbar ist und wir trotzdem auf der Suche nach Erlösung bei ihr landen (bei einer von ihnen), hat sie und ihre „Mitarbeiter“ keine reale Legitimation der Macht.
Als Gegenbeispiele mag man den schlechten Zuwachs sehr neuer Sekten und Religionen anführen, die doch volksglaubensnäher sein müssten als die alt eingesessenen Kirchen, aber gerade das ist wieder ein Zeichen für die Selbstverständlichkeit, mit der die großen Kirchen mit „Gut“ gleichgesetzt werden und wie wenig viele Menschen ihren Glauben reflektieren.
Die Kirche als Sammlungsort Menschen ähnlichen Glaubens, um sich auszutauschen, zu bestärken und zu referieren, ist gut und sinnvoll. Aber eine Machtstruktur, in der „Mitarbeiter“ den Menschen ihren Glauben vorsagen, ist falsch. Die gegebene Macht ist weder legitim noch sinnvoll: Nur so kann die Kirche erst vom Glauben entfremdet werden.
Wir sollten es besser wissen, als letztendlich beliebigen Kirchenmitarbeitern Macht zu schenken, Macht über uns, und die fiktive Macht, die sie zu Gästen von Talkshows macht und ihrer Stimme im Weltgeschehen Gewicht verleiht.

Der Text ist diesmal etwas wirr, und ich werde ihn wohl erstmal nicht überarbeiten, daher habe ich die Gedanken noch einmal in Kurzform zusammengefasst. Das macht den Text vielleicht etwas verständlicher:

Gut und Böse ist subjektiv, trotzdem hat jeder Mensch den Drang, gut zu sein, was immer das heißen mag, diese Form von „gut“ findet sich allgemein in der Institution der Kirche wieder, die daher Anlaufstelle für alle Seelen, die nach Erlösung suchen oder gut sein wollen, ist und dadurch eine Macht bekommt, die sie nicht verdient hat, da der Glaube und die Definition von Gut und Böse ja individuell sind und die Sammelstelle daher austauschbar ist. Dass sie es nicht ist, beweist nur, wie sehr wir die bestehende Kirche bzw. den Gott dahinter schon als Definition von „gut“ sehen und wie viel Macht die Kirche über uns haben kann.