Hilfe-Formen und Armenfürsorge im Absolutismus

Auf dieser Seite werden ausführlich die Armenfürsorge und Hilfeleistungen in der Zeit des Absolutismus (17. – 18. Jahrhundert) erklärt. Weiter wird auf die Arbeits-und Zuchthäuser eingegangen und es werden zwei bekannte Modelle bzw. Reformansätze aus dieser Zeit beschrieben.

Dieser Artikel ist Teil der Artikelreihe Geschichte der Sozialen Arbeit:

Hilfe-Formen und Merkmale einer archaischen Gesellschaft.

Hilfe-Formen und Merkmale einer hochkultivierten Gesellschaft.

Hilfe-Formen und Merkmale einer modernen Gesellschaft.

Armut, Soziale Sicherung und Almosenwesen im Mittelalter.

Armenfürsorge während Renaissance und Reformation.

Armenfürsorge im Absolutismus.

Soziale Frage und Armenfürsorge während der Industrialisierung

Elberfelder System und Straßburger System

Sozialreformen und Fürsorge im Kaiserreich

Volkswohlfahrt und Krise in der Weimar Republik

Soziale Arbeit in der Nachkriegszeit

Soziale Arbeit in den Siebziger Jahren

Zusammenfassung:Die Entwicklung der Sozialen Arbeit

Die politische/gesellschaftliche Situation:

Durch den vorhergehenden 30-jährigen Krieg kam es zu einer überaus großen Armut unter der Bevölkerung. Ungefähr 2/3 der städtischen Bevölkerung waren von großer Armut durch den langen Krieg betroffen. Das damalige Deutschland war in viele kleinere Fürstentümer „zersplittert“.

Die Gedanken der Aufklärung, in welchen der Mensch aus seiner eigens verschuldeten Unmündigkeit gegen die bestehende feudale Ordnung heraus geholt werden sollten, wurden immer populärer. Wirtschaftlich betrachtet bildeten sich die ersten großen Manufakturen zur vorindustriellen Produktion.

Armenfürsorge und Hilfe im Absolutismus

Grundsätzlich wurde hier die Entwicklung in der Armenfürsorge während der Renaissance weiter vorangetrieben: So war diese nun eindeutig eine Aufgabe der Städte und Kommunen unter staatlicher Herrschaft, es wurde insbesondere viel Arbeit in die Kontrollen der Bedarfsituationen durch beispielsweise Inspektoren investiert.

Die Arbeitshäuser

Es bildeten sich Arbeitshäuser, in welchen Arme und Arbeitslose zu sehr harter und einfacher Arbeit gezwungen wurden. In diesen wurden ebenfalls körperliche Bestrafungen eingesetzt, um mit dieser „Pädagogisierung“ die Menschen zu „korrigieren“.

Die teilweise überaus harten Bestrafungen hatten also nicht mehr (wie beispielsweise im Mittelalter) einen Selbstzweck, sondern wurden“erzieherisch“ eingesetzt, um die Betroffenen zur Arbeit zu erziehen und bei diesen eine „Verbesserung“ zu erreichen.

Die Arbeitshäuser hatten allerdings auch einen klaren wirtschaftlichen Aspekt: Aufgrund der vielen Manufakturen brauchte man viele billige Arbeitskräfte.

Die Zuchthäuser

Es gab ebenfalls Zuchthäuser, welche letztlich dazu dienten, den überaus großen armen Teil der Bevölkerung „loszuwerden“ und deren Arbeitskraft systematisch zu verwerten. In diesen war das zentrale Element ebenfalls das Arbeiten.

Kinder- und Jugendfürsorge im Absolutismus

Kinderheime und Waisenhäuser waren nun schon wesentlich häufiger vorhanden. Auch in diesen wurden Kinder und Jugendliche, ebenfalls unter sehr harten Strafen zur Arbeit hin „erzogen“.

Dort gab es ebenfalls eine minimale, religiöse Bildung und es wurden die ersten Arbeits- und Volksschulen gegründet. Die Ziele dieser „Bildung“ lagen allerdings fast ausschließlich darin, die Kinder zu einem „vernünftigen, arbeitendem Menschen“ zu erziehen – mit richtiger Wissensvermittlung hatte dies sehr wenig zu tuen.

Insbsondere zwei verschiedene Innovationen bzw. Modelle wurde in dieser Epoche bekannt:

1.Die Frankesche Stiftungen zu Halle / Die halleschen Anstalten

Im Jahre 1698 gründete August Hermann Francke zunächst ein Waisenhaus in der Nähe von Halle. In diesem stand ebenfalls zwar noch die Arbeit im Vordergrund, jedoch wurden die Kinder auch durch Bildung und Erziehung zu „Alltagstauglichkeit“ erzogen.

Mit der Zeit wurden immer mehr Gebäude wie Schulen, Apotheken oder Wohnhäuser für die Kinder errichtet, sodass insgesamt über 2000 Personen dort Platz hatten. Dieser Gebäudekomplex wird als die „halleschen Anstalten“ bezeichnet.

2. Die hamburger Armenreform / Das hamburger Modell

Im Jahre 1788 gründete Caspar Voght zusammen mit zwei anderen Männern die bekannte „Allgemeine Armenanstalt“ in Hamburg und reformierte mit seinem für diese Zeit neuem Konzept einer solchen die Armenfürsorge.

So wurde die Stadt in Bezirke eingeteilt, in welchen ehrenamtliche Helfer sich um die Armen kümmerten.

In der von Voght gegründeten Armenanstalt stand zwar auch die Erziehung zur Arbeit sowie diese selbst im Vordergrund, jedoch wurden die Insassen medizinisch versorgt und sogar weitergebildet.

Durch die Qualifizierung sollte es Ihnen möglich sein, der Armut zu entkommen und eine eigene Arbeitsstelle zu finden. So wurden ebenfalls die Kinder von armen Familien neben der Arbeit unterrichtet.

Dieses „Hamburger Modell“ war im Vergleich zu den damaligen Zuchthäusern, in welchen es alleinig um die Ausbeutung der billigen Arbeitskräfte ging, überaus fortschrittlich und effizient.