Inhalt: georg büchner (1813-1837)

Buchner verzichtet auf eine ausgedehnte Exposition, vergegenwartigt die Vorgeschichte aber an zentralen Stellen des Stucks fragmentarisch als qualende Erinnerungen Dantons: dieser hat zusammen mit Robespierre, der jetzt an der Spitze des mit umfassenden Vollmachten ausgestatteten Wohlfahrtsausschusses steht, die Revolution entscheidend vorangetrieben und als Justizminister im Jahre 1792 die „Septembermorde“ an klerikalen und royalistischen Abgeordneten und Haftlingen gebilligt, sich dann aber dem gema?igten Flugel angeschlossen, der fur eine rasche Beendigung des Blutvergie?ens eintritt. Danton wird besturmt, das politische Konzept seiner Anhanger vor dem Nationalkonvent durchzusetzen, zogert aber und lehnt desillusioniert ab.

Auf der Stra?e beschimpft sich ein Ehepaar aus der untersten Gesellschaftsschicht aufs wusteste, da ihre Tochter den Lebensunterhalt der Familie durch Prostitution bestreiten mu?. Bald mischen sich andere Burger in den Streit ein, und die Stimmung schlagt in Ha? gegenuber den Adeligen und den jetzigen Wohlhabenden um. Robespierre tritt hinzu und nutzt die Unruhe im Volk geschickt aus, indem er die Masse gegen Danton aufwiegelt und sie auffordert, zu den Jakobinern uberzutreten.

Im Jakobinerklub verlangt ein Burger aus Lyon die Unterstutzung der Jakobiner, da die Royalisten Lyons Widerstand zu leisten beginnen. Er fordert sie auf, wieder harter durchzugreifen. Legendre, ein Anhanger Dantons, ruft zur Ma?igung auf. Doch Robespierre rei?t das Wort an sich. Er verurteilt die gema?igte Linie der Dantonisten ebenso wie der Terror der Hébertisten. Dennoch tritt er offen fur eine Schreckensherrschaft ein. Im weiteren Verlauf seiner Rede verurteilt er das Laster, das fur ihn nicht nur ein moralisches, sondern auch ein politisches Verbrechen darstellt, womit er indirekt auf Danton hinweist.

Legendre und Lacroix verlassen den Jakobinerklub, um Danton Bericht zu erstatten. Robespierre ist bereit, fur die Freiheit alles zu opfern, sogar seine Freunde und sich selbst. Danton ahnt, da? dies zu seinem Untergang fuhren wird, da er ein Gema?igter ist, den das Volk als Feigling ansieht, au?erdem genie?t er im Gegensatz zum tugendhaften Robespierre das Leben in vollen Zugen. Dennoch glaubt Danton nicht, da? sie es wagen werden, gegen ihn vorzugehen.

Am nachsten Tag kommt es zum letzten Treffen zwischen Robespierre und Danton, bei dem Danton einen kleinen Sieg erringen kann. Doch Dantons Schicksal ist besiegelt. Robespierre wei?, da? er nur durch die Beseitigung Dantons seine Macht halten kann. Gemeinsam mit St. Just beschlie?t er die Verhaftung Dantons und seiner bedeutendsten Anhanger. Sie mussen aber vorher den Sicherheits- und den Wohlfahrtsausschu? einberufen, weil es sonst zu Aufstanden im Volk kame. Robespierre erkennt seine zunehmende Vereinsamung, da er nun sogar seine ehemaligen Freunde hinrichten la?t. Aber er sieht keine andere Moglichkeit.

Lacroix, Philippeau und Desmoulins versuchen Danton zu uberreden, endlich den Kampf gegen die Jakobiner zu beginnen. Danton lehnt zunachst ab. Er hat den Wohlstand erreicht, den er erlangen wollte. Aber ihm fehlt irgend etwas, von dem er nicht wei?, was es ist. Es wird ihm bewu?t: „Wir haben nicht die Revolution gemacht, sondern die Revolution hat uns gemacht.“ Robespierre ist das Dogma dieser Revolution.

Danton ist des Kampfens und des Lebens mude. Au?erdem glaubt er immer noch, da? die Jakobiner seine Beseitigung nicht riskieren werden. Danton erfahrt, da? der Wohlfahrtsausschu? seine Verhaftung beschlossen hat. Er wird rechtzeitig gewarnt, doch lehnt er die Moglichkeit der Flucht ab.

In der Nacht wird Danton von Schlaflosigkeit gequalt. Immer mehr wird ihm sein unmittelbarer Untergang bewu?t. Er sieht jedoch die Schuld nicht bei sich, sondern macht das Schicksal dafur verantwortlich. Eine Gruppe von Burgern kommt, um Danton zu verhaften. Am nachsten Tag verlangt Legendre im Konvent, da? Danton vor Gericht gehort werden mu?. Es gelingt ihm, mehrere Abgeordnete dafur zu gewinnen, doch bald kommt es zu Unstimmigkeiten. Robespierre nutzt die Unruhe und ergreift das Wort. Gemeinsam mit St. Just setzt er durch, da? der Antrag Legendres abgewiesen wird.

Der Prasident des Revolutionstribunals und der offentliche Anklager beschlie?en, die Geschworenen nicht zu losen, sondern im vorhinein zu bestimmen, um Danton keine Chance zu geben. Vor dem Tribunal wird Danton beschuldigt, mit auslandischen Feinden in Verbindung zu stehen. Danton kann diese Verleumdung zuruckweisen, und es gelingt ihm, den Beifall der Zuhorer zu erringen. Die Sitzung wird daher aufgehoben.

Im Wohlfahrtsausschu? herrscht gro?e Unruhe. St. Just berichtet, da? eine Verschworung der Dantonisten im Gange war, die soeben aufgedeckt wurde. Das Tribunal erhalt daher die Erlaubnis, jeden Ruhestorer aus dem Proze? auszuschlie?en, weil St. Just wei?, da? Danton nicht schweigen kann.

Im Gefangnis werden Danton Vorwurfe gemacht, warum er nicht fruher gekampft habe. Aber Danton mochte nur seine Ruhe haben. Er erkennt, da? sie lebend begraben sind und da? er nicht sterben kann, obwohl er mochte. So entschlie?t er sich zu seinem letzten Kampf.

In der Rede vor dem Tribunal sieht er die Diktatur voraus und klagt Robespierre und dessen Manner des Hochverrats an. Das Volk ist begeistert. Mit Gewalt werden Danton und die anderen Gefangenen abgefuhrt. Das Volk verlangt den Sturz des Wohlfahrtsausschusses. Doch die Tugendhaftigkeit Robespierres, der im Gegensatz zu Danton sparsam und bescheiden lebt, rettet die Jakobiner, da auch das Volk nichts besitzt.

Dantons Frau wei?, da? ihr Mann aus Furcht getotet wird und la?t ihm eine Nachricht zukommen, da? sie mit ihm in den Tod gehen wird. Im Gefangnis macht sich Desmoulins Sorgen um seine Frau Lucile. Danton versucht ihn zum Schlafen zu uberreden, um endlich Vergessen zu finden. Da erscheint Lucile vor dem Gefangnis. Sie hat den Verstand verloren und verhohnt ihren Mann. Desmoulins hort sie und versucht verzweifelt mit ihr zu reden, doch Lucile lauft davon.

Danton jedoch macht sich Sorgen um die Zukunft der Republik, da seiner Meinung nach keiner das Regieren beherrscht. Er wei?, da? sein Untergang auch der Untergang Robespierres ist.

Gegen Abend werden Danton und die anderen Gefangen zum Revolutionsplatz gebracht. Vom Volke verhohnt und verspottet, werden sie hingerichtet.

Lucile will nicht wahrhaben, da? ihr Mann tot ist und beginnt ihn zu suchen. Sie gelangt zum Revolutionsplatz, wo die Henker gerade mit dem Aufraumen fertig werden. Eine Patrouille tritt auf. Lucile wird gefragt, wer sie sei. Sie zogert mit der Antwort, dann nennt sie eine feindliche Parole. Sofort wird sie von der Wache umringt und abgefuhrt.

Aussage:

Buchner selbst war sehr unzufrieden, als sein Werk zum ersten Mal erschien, das durch die Zensur stark verstummelt und abgeschwacht wurde. Er selbst wollte keine Verherrlichung der Franzosischen Revolution, sondern ein moglichst kritisches und getreues Bild dieser Epoche darstellen, womit er auch die Unsittlichkeit in seinem Werk verteidigte. Das eigentliche Thema des Stuckes ist daher nicht das Schicksal einer Person, sondern die Darstellung der Franzosischen Revolution. Das Werk beruht deshalb auf der Stimmung des Augenblicks und nicht auf der Handlung. Die Tragodie des Revolutionsfuhrers Danton erscheint fast nur episodenhaft. Dazwischen wird das Elend und die Verbitterung der breiten Masse gezeigt, aber auch der Fanatismus Robespierres und St. Justs, sowie die Genu?sucht Dantons und der anderen Wohlhabenden. All diese einzelnen Szenen fuhren dann zu einem breiten Geschichtsbild der damaligen Zeit.

Der Mensch steht bei Buchner als Objekt im Kraftespiel von Sozialordnung und Milieu, oder wie Danton sagt: nicht wir haben die Geschichte, sondern die Geschichte hat uns gepragt. Der Mensch wird nicht als Held dargestellt, sondern als verunsichert und ausgeliefert. Dies zeigt sich deutlich in der Person Dantons. Die Masse braucht einen Gebildeten als Fuhrer, der ihr auf Grund seiner Bildung aber immer fremd bleiben wird. Dadurch gerat Danton, der von seiner Gesellschaftsschicht verachtet wird, weil er zur Ma?igung aufruft, in eine gro?e Vereinsamung. Fur Danton gibt es keine hohere Macht, so ist sein einziger Trost das Vergessen. Hier unterschiedet er sich von Robespierre, der wohl auch seine Einsamkeit erkennt, aber durch seine fixe Idee der Freiheit und Republik zu immer rastloserer Tatigkeit, d.h. der Vernichtung aller politischen Gegner veranla?t wird.

Einen wesentlichen Teil zur historischen Genauigkeit tragen auch die Reden Robespierres und Dantons bei, die Buchner zum Teil wortlich ubernommen hat. Er wird damit zum Vorlaufer des modernen Dokumentardramas. Durch all diese Änderungen des Milieus auf der Buhne und in der Form wird Buchner zu einem Wegbereiter des modernen Dramas und gelangte erst im 20. Jhdt. zu seiner vollen Bedeutung.