Internet – Die moderne Form der Kommunikation

Disclaimer: Bei diesem Essay handelt es sich um die verbesserte Version meiner Klausur (Kursstufe 2) vom Oktober 2013, in der ich einen Essay zum Thema Internetkommunikation verfassen musste.
Alle Gedanken sind meine, die Rechte liegen bei mir.
Das zitierte Werk „Alone Together“ wurde von der Kulturwissenschaftlerin Sherry Turkle geschrieben; alle Informationen in meinem Essay über dieses Buch entstammen einem Interview von „Der Zeit“, welches mit Mrs. Turkle geführt wurde.

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!

Internet – Die moderne Form der Kommunikation

Ein Essay zum Thema Internetkommunikation

Kaum eingeloggt in einem sozialen Netzwerk meiner Wahl, beispielsweise Facebook, leuchtet schon das Chatfenster auf. Ein Mitschüler, mit dem ich kaum etwas zu tun habe und der mich auf dem Schulflur meist geflissentlich übersieht, möchte von mir wissen, ob wir Hausaufgaben in Geschichte haben.
Keine Begrüßung, nur die in üblicher Chatsprache verfasste und jegliche Groß- und Kleinschreibung ignorierende Nachricht: „hatten wir eig in geschichte was auf? Und wenn ja, ist das vllt die Gruppenarbeit gewesen?“
Es ist später Abend und die Abkürzungen „eig“ und „vllt“, welche für „eigentlich“ und „vielleicht“ stehen, sowie ein ebenso fehlendes Danke oder wenigstens einen Gruß, lassen meine Laune in den Keller sinken. Nichts desto weniger antworte ich; man möchte es sich ja nicht mit dem Mitschüler verscherzen und ein Unmensch ist man ja schließlich auch nicht.

Das Internet mit seinen zahllosen Möglichkeiten, sich über die ganze Welt zu vernetzen, hat in der heutigen Zeit einen immensen Stellenwert in unserer Gesellschaft. Es ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken, manch einer ist nahezu „dauer-online“, was gewiss keine Seltenheit mehr ist.
Im Gegenteil: Wenn man mal eben eine Mail schreibt, erwartet man schon fast eine rasche Antwort. Lässt diese einen Tag auf sich warten, wird man ungeduldig. Folgt die Antwort mit einer Entschuldigung des Adressaten „Ich war gestern gar nicht an meinem Computer“, so sind ein ungläubiger Blick, ein genervtes Nicken oder zumindest ein herablassendes Augenverdrehen schon fast zu erwarten. Mittlerweile wird fast erwartet, dass man regelmäßig online ist.
So auch in der Schule: Für viele Schüler sind E-Mail-Verteiler für über die Hälfe der Fächer reinste Routine. Das zu bearbeitende Arbeitsblatt wird sonntags im Laufe des Tages gemailt, und wenn ich es dienstags in der Schule nicht dabei habe, so gilt dies als ungemachte Hausaufgabe – immerhin hatten wir ja genug Zeit die Mail zu lesen, das Blatt auszudrucken und es zu bearbeiten. Der Lehrer ist mal wieder genervt von den unzuverlässigen Schülern und wir Schüler sind mindestens genauso genervt, dass man uns dafür verurteilt, wenn man nicht tagtäglich sein Postfach überprüft.

Da stellt sich mir die Frage: Warum wird überall der übermäßige Medienkonsum und das süchtig machende Internet angeprangert, wenn mir oftmals die Möglichkeit genommen wird, auch mal „offline“ zu sein?
Nicht nur das; man kann mittlerweile gar nicht anders, als in bestimmten Abständen am Computer zu sitzen oder wahlweise das Smartphone zur Hand zu nehmen, einfach weil man schließlich „up to date“ sein möchte und irgendwie auch sein muss. Aus der Reihe tanzen und gegen den Strom schwimmen ist da gar nicht mehr drin. Oder doch?

Meine Mutter arbeitet als Verkäuferin im Einzelhandel und hatte bisher nie die Notwendigkeit oder gar das Bedürfnis, sich näher mit Computer und Internet zu beschäftigen. Kein Interesse an Technik, ist ja auch völlig in Ordnung.
Dann, vor etwa zwei Jahren die Revolution: Der Betrieb entwarf ein neues System für Lernkurse und Weiterbildungen. Brand- und Infektionsschutz und noch einiges mehr sind nun nicht mehr als Kurs zu absolvieren mit einem Abschlusstest; nein, es wurde ein „E-Learning“-Programm eingerichtet, mit Zugangsschlüsseln für jeden Mitarbeiter. Bis zu bestimmten Fristen sind diese „Kurse“ nun zu erledigen, was bedeutet, dass man sich zuhause an seinen Computer setzt und sich 80 Minuten durch die Infos klickt. Es folgt ein Abschlusstest mit dem ein Zertifikat das Gelernte bestätigt. Fertig, das war’s.
Hochkomplex und schlichtweg zu viel für meine Mutter, die vom Internet keine Ahnung hat. Das Ende vom Lied? Ich erledige für sie das Klicken und Ausfüllen, damit für sie aus 80 Minuten nicht 160 werden.

Das ist nicht nur ein Problem der digitalisierten Welt – Chatrooms und Foren zu jedem erdenklichen Thema eröffnen uns neue Möglichkeiten, keine Frage! Aber was ist mit den Gefahren, die dort lauern? Die Anonymität mag schön und gut sein, jedoch kann eben diese auch noch mehr Ärger heraufbeschwören:
Stellen wir uns vor, ein junges Mädchen meldet sich in einem Forum zum Austausch über selbstgeschriebene Geschichten und Ähnlichem an. Sie erhält die Möglichkeit, Rückmeldungen zu erhalten, die ihr helfen sollen, sich beim Schreiben zu verbessern. Doch nicht immer wird der Begriff „konstruktiv“ auch als solcher verstanden.
Schnell werden Nutzer persönlich und kritisieren Geschichte und Autorin in Grund und Boden. Das ist nicht konstruktiv und kann verletzen – aber die sogenannten Kritiker verstecken sich hinter einem ominösen Nickname. Diese Distanz kann schnell belastend werden, weiß man doch nie, wer tatsächlich an einem anderen PC weit entfernt sitzt und hier kritisiert. Ist „dragongirly22xo“ tatsächlich schon 24 Jahre alt und studiert Literatur, wie dem Profil zu entnehmen ist? Man weiß es nicht.

„Sei vorsichtig, wem du deine Daten anvertraust und was du über dich verrätst!“, heißt es immer wieder. Eltern prägen dies ihren Kindern ein, Seiten in Foren warnen vor der Anmeldung eindrücklich, das Profil nicht mit Wohnort und Vor- und Nachname auszuschmücken, auch Lehrer und Beauftragte für Jugendschutz versuchen dies ihren Schützlingen klar zu machen. Was aber die Kinder damit anstellen, ist ein anderes Blatt – immerhin kann niemand zu seiner Sicherheit gezwungen werden.

Doch wie es negative und kritische Meinungen und Ansichten zum Internet gibt, so sind manche Aspekte schon längst in den Hintergrund getreten oder schlicht und einfach schon zur Selbstverständlichkeit geworden. Oder wie sonst erklärt man sich den Umstand, dass es vollkommen normal ist, über die ganze Welt vernetzt zu sein und täglich das Leben der Verwandten am anderen Ende der Welt mitzuverfolgen?

Vor über zwei Jahren, im Juni 2011, war eine amerikanische Reisegruppe, bestehend aus wohlhabenden Schülerinnen und Schülerin, bei uns an der Schule zu Besuch. Sie befanden sich auf einer Reise durch Europa und wurden von Familie hier in der Stadt als Gast für drei Tage aufgenommen – eine Tradition, die die Stadt seit Jahren pflegt. So befand sich auch bei mir eine Schülerin in meinem Alter zum „home stay“.
Megan und ich wurden innerhalb der kurzen Zeit sehr gute Freundinnen, beim Abschied flossen die Tränen. Es folgte intensiver Mailkontakt, innerhalb eines Jahres mehr als 500 Nachrichten. Das Internet ermöglichte uns trotz einer Distanz von mehreren tausend Kilometern, den Kontakt aufrecht zu erhalten. Ein Jahr später besuchte sie mit ihrer ganzen Familie Deutschland – und mich.
Seither ist der Kontakt nicht abgebrochen, und auch wenn es nur mal kurz einige Zeilen auf Facebook sind. Ohne Frage haben wir die Tatsache, dass wir im Laufe der Zeit nur noch enger zusammengewachsen sind, dem Internet zu verdanken. Wir tauschen Nachrichten, Bilder und sogar Videos aus. Das Internet verbindet, kein Zweifel.

Doch ist es gleichzeitig nicht dafür verantwortlich, dass andere, lang bewährte und traditionelle Formen der Kommunikation aussterben?
Die Zahl der versendeten Briefe pro Jahr sinkt immer weiter; warum auch aufwendig mit der Hand einen Brief verfassen, wenn es am Computer viel schneller getippt und noch schneller per Mausklick versendet ist?
Vielleicht, weil es schön ist, ganz traditionell einen Brief zu schreiben. Es ist doch viel persönlicher, etwas aus dem Briefkasten zu fischen und die vertraute Handschrift darauf zu sehen, als die langweilige und immer gleichlautende Benachrichtigung am Bildschirm zu lesen: „Eine ungelesene Nachricht von Megan.“ Warum als geben so viele Menschen dem Internet den Vorzug?
Bequemlichkeit, Zeiteinsparung, Modernität, Anpassungsfähigkeit, … Die Liste scheint endlos.

Schon klar, dass es in der heutigen Zeit deutlich leichter ist, mit dem Smartphone in der Hand durch die Fußgängerzone zu laufen und nebenbei dies und jedes per Internet zu erledigen. Man sieht nichts außer dem kleinen Bildschirm in der Hand und man wird nicht gesehen – sind die anderen doch mindestens genauso von dem kleinem Wunderteil in der eigenen Hand beschäftigt.
Ist auch nicht weiter schlimm, wahrscheinlich hätte man sowieso niemand getroffen, mit dem es sich lohnt, ein Gespräch zu beginnen. Von daher: Vielen Dank, Internetsucht, dass du mich von meinem sozialen Umfeld abhältst.
Nicht immer ist ein solches Verhalten risikofrei, nein, um genau zu sein, wird die Unfall- und Verletzungsgefahr sogar beträchtlich erhöht.
Wieso? Ganz einfach, wir stellen uns vor, ich bin in der Innenstadt unterwegs. Mein Smartphone mit der praktischen Internet-Flat in der Hand, muss ich gerade superwichtige Nachrichten an meine Freunde schicken. Das kann nicht warten. Den Weg kenne ich inzwischen fast blind – was auch gut so ist, mit den Augen auf dem Bildschirm übersieht man leicht den ein oder anderen Laternenpfosten.
Womit ich aber nicht rechne ist, dass ich noch immer in Gedanken versunken einfach den Zebrastreifen überquere, ohne nach links oder rechts zu schauen. Ich bin schließlich immer noch am Nachrichten tippen und da die Zebrastreifen den Fußgängern ja quasi die Vorfahrt schenken, laufe ich einfach weiter.
Mit quietschenden Reifen kommt das Auto gerade noch zum Stehen, der Fahrer schimpft wild. Die Gefahr hatte ich gar nicht bemerkt, das zu schnell Auto war im Nachrichtenrausch einfach untergegangen.
Natürlich könnte so etwas noch viel schlimmer enden. Ein Unfall, weil der Autofahrer nicht schnell genug reagiert hat und weil ich selbstverschuldet einfach auf die Fahrbahn spaziert bin.
Dieses Szenario ist nicht so überspitzt dargestellt, wie man vielleicht annehmen möchte. Googeln Sie doch mal nach solchen Unfällen, ich bin sicher, Sie werden fündig!

Womit wir auch schon beim nächsten Punkt wären: Google. Die Suchmaschine schlechthin. Wie auch ich eben den Eigennamen als Verb genutzt habe, passiert dies tagtäglich, ohne dass es weiter auffällt.
Gesucht, gefunden – Onkel Google ist der Retter in der Not und scheint auf alles eine Antwort zu kennen. Und das in Bruchteilen einer Sekunde.
Die Suchmaschine gehört zum Internet und somit auch irgendwie zur Internetkommunikation. Über Google wird man erst auf soziale Netzwerke, Foren, Chatrooms oder Blogs aufmerksam. Google trägt zur Vernetzung bei, ob bewusst oder unbewusst.
„Ich google das mal eben“, ist ein Satz, den sich sicher schon das ein oder andere Mal gehört hat. Im Internet ist alles „nur mal kurz“ – der Aufenthalt auf diversen Seiten ist jedoch alles andere als kurz.

Sucht ist etwas, was immer uns immer wieder im Alltag begegnet. In den Medien, beim Nachbarn oder auch bei sich selbst. Dabei muss es sich nicht unbedingt um Drogen handeln – nein, man kann auch süchtig nach dem Internet sein.
Der Mitteilungsdrang wird irgendwann immer größer und auch das Bedürfnis zu wissen, was bei den Freunden so passiert, was es Neues gibt und wer sich in irgendeiner Form blamiert hat, ist übergroß.
Statt sich mit Freunden zu treffen, mit ihnen von Angesicht zu Angesicht zu sprechen, bevorzugen es immer mehr Jugendliche und auch Erwachsene, alleine vor dem Computer zu sitzen und dann mit ihren Freunden zu chatten. „Gemeinsam einsam“ trifft es da ganz gut.
Die Kulturwissenschaftlerin Sherry Turkle griff diesen Umstand auch in ihrem Buch mit dem Titel „Alone Together“ auf – die Problematik der Internetkommunikation bestehe darin, dass die Menschen die Fähigkeit, alleine zu sein, verlören und somit der Drang nach Kontakt steige. Diese werde im Internet geknüpft und gepflegt, was aber in die Isolation führe.
Diese Isolation wiegt schwer: Zwischenmenschliches leidet und die wahren Gespräche werden immer weniger.

Sieht so unsere Zukunft aus? Kontakt über das Internet, weil das echte Leben, das, was man anfassen kann, nicht mehr genug bietet? Traurig.
Die Oma einer Freundin ist eine richtige „Action-Oma“, aufgedreht und für alles zu haben, gleichzeitig legt sie aber viel Wert auf höflichen und respektvollen Umgang miteinander. Über die sozialen Netzwerke konnte sie bisher nur den Kopf schütteln und pflegte zu sagen, dass es doch gar nicht schön sein kann, stundenlang Nachrichten zu schreiben und dabei seinem „Gegenüber“ nicht ins Gesicht blicken zu können und auch seine Stimme nicht zu hören.
Sie hat nicht Unrecht: Schade, wenn ich irgendwann nicht mehr weiß, wie die Stimme meiner Freundin in Hamburg klingt, weil wir nicht wenigstens telefonieren, sondern nur noch chatten.
Doch scheinbar gibt man irgendwann den Widerstand gegen die Verlockungen des Internets auf.
So auch die Oma meiner Freundin: Weil sie ihre Enkel, die nun weit weg studieren, nicht mehr so häufig sieht, hat sie sich einen Laptop gekauft, integrierte Webcam inklusive. Der Internetanschluss folge, und seit diesem Tag nutzt die Oma nun voller Begeisterung Skype. Per Videochat sieht sie sogar die Wohnung der Enkel – und hört und sieht beide, was das Wichtigste ist.

Internet muss also nicht immer schlecht sein, auch wenn Vieles gegen das süchtig machende, unsichere und Gefahren bergende Netz spricht. Warum sonst nutzen Abermillionen Menschen weltweit und das täglich das Internet? Sicher nicht, weil es so gefährlich und schlimm ist. Gefährlicher als ein Banküberfall kann es jedenfalls nicht sein.
Obwohl… Die Privatsphäre kann man ja spätestens, seit Edward Snowden die Arbeit der NSA enthüllt hat, sowieso vergessen, das sollte jedem von uns klar ist. Datenklau und gespeicherte Nutzerinformationen auf Facebook sind schon irgendwie für fast alle ein Thema, dem man schon begegnet ist. Aber etwas dagegen unternehmen? Das tun die wenigstens.
Deshalb auch immer wieder die eindringliche Botschaft: Lass das Internet nicht alles über dich wissen!

Für viele ist das Internet und die damit verbundene Möglichkeit zur Kommunikation eine Chance, sich neu zu entdecken, das eigentliche Ich vor dem Computer sitzen zu lassen und im virtuellen Raum ein neues Ich zu erfinden. Ein großartiges Versteck für Zwischendurch – solange es nicht zum dauerhaften Fluchtort wird.
Das Internet bietet viele Möglichkeiten, und diese zu nutzen ist jedermanns gutes Recht. Nur sollte man sich immer im Klaren darüber bleiben, dass das Internet mit seinen Gefahren und Fallen nicht der beste Ort ist, um sein Lebenslauf darzulegen.
Solange das Internet mit all seinen Nutzern mit Masken vor dem Gesicht nicht der Ersatz für das richtige Leben bildet und man eine Balance findet, ist es völlig legitim, den Verlockungen des „world-wid-web“ nachzugeben.

Aber immer daran denken: Das Internet kann niemals Gespräche und Nähe zwischen Familie und Freunden ersetzen.
Früher oder später stehe ich alleine da, wenn ich nicht bereit bin, mir etwas Zeit für andere zu nehmen. Zeit für andere, fernab von sozialen Netzwerken, die auch mal zu Cyber-Mobbing führen können.
Das Internet ist eben nicht immer die beste Wahl, der Welt mitzuteilen, dass man gerade in einen Hundehaufen getreten ist.