Klimaveränderungen in vergangenheit und zukunft

1. Naturliche Klimaveranderungen Um eine anthropogene Klimaveranderung als solche erkennen und in Relation setzen zu konnen, ist es notwendig, zuerst die naturlichen Klimaschwankungen zu erlautern und sich somit ein Bild der Klimageschichte auf der Erde zu machen.

1.1 Die drei Arten von naturlichen Klimaschwankungen

Bei naturlichen Klimaveranderungen differenziert man grundsatzlich zwischen drei verschiedenen Schwankungen, die sich nur in ihrer Dauer und ihrem Ausma? unterscheiden: Das sind die Eiszeitalter bzw. Warmklimate, die Kalt- bzw. Warmzeiten und die Stadiale bzw. Interstadiale.

1.1.1 Eiszeitalter und Warmklimate

Die Eiszeitalter und Warmklimate sind die langsamsten Vorgange der Klimageschichte. Sie sind Teil der allmahlichen Abkuhlung der Erde, die aus der fortwahrenden Abgabe der Erdwarme resultiert. So kam es vor ca. 2,3 Milliarden Jahren erstmals in der Erdgeschichte zu einem Eiszeitalter, d.h. zu einer Situation in der Kaltzeiten (auch oft falschlicherweise Eiszeiten genannt) auftraten, nachdem bisher ein Warmklima ohne Eiszeiten vorherrschte. Nach diesem ersten, sogenannten „Archaischen Eiszeitalter“ gab es von vor ca. 1 Milliarde Jahren vor heute bis zur Gegenwart sechs weitere Eiszeitalter .

Die Grunde fur das Auftreten von Eiszeitaltern sind noch nicht vollkommen geklart, es scheint sich jedoch die Theorie der Kontinentaldrift als wichtigste Hypothese durchzusetzen. Diese beruht auf der Tatsache, da? die Lage der Kontinente auf der Erde uber die Jahrmillionen ihrer Geschichte keineswegs gleichgeblieben ist. Vielmehr verschieben sie sich mit der Zeit – ausgehend von einer Art „Urkontinent“ namens „Gondwana“, der in verschiedene Teile zerbrochen ist und somit die heutigen Kontinente gebildet hat. Die Theorie der Kontinentaldrift erklart die Eiszeitalter nun so, da? sich auf einem Kontinent, der wahrend seiner Verschiebung den Nord- oder Sudpol der Erde erreicht, Niederschlag in Form von Schnee und damit auch Eis ablagern kann. Dadurch vergro?ert sich die sogenannte Albedo, d.h. die Reflexionsfahigkeit der Erdoberflache fur das Sonnenlicht, da Eis aufgrund seiner Helligkeit viel Licht reflektiert. Die Erde wird nun also durch weniger Sonnenlicht erwarmt, wobei noch mehr Niederschlag in Form von Schnee fallt und die Albedo weiterhin vergro?ert. Dies hat nun also ein Eiszeitalter zur Folge, das erst wieder enden kann, wenn sich der auslosende Kontinent von dem Pol der Erde entfernt und dem Niederschlag somit keine Moglichkeit mehr gegeben ist, sich als Eis abzulagern.

1.1.2 Kalt- und Warmzeiten

Die Kalt- und Warmzeiten, die auch oft falschlicherweise als Glaziale oder Interglaziale bezeichnet werden, sind nun eine Art Unterordnung der Eiszeitalter und finden innerhalb dieser statt. Wahrend also ein Eiszeitalter das Klima relativ zum ursprunglichen Warmklima beschreibt, sind Kalt- und Warmzeiten Epochen unterschiedlichen Klimas wahrend einem Eiszeitalter. Auch zeitlich unterscheiden sie sich: Die Eiszeitalter dauern im Durchschnitt 100 bis 200 Millionen Jahre an; die Kalt- und Warmzeiten losen sich dagegen in einem Zeitraum von ungefahr 50000 bis 70000 Jahren ab. Obwohl in allen Eiszeitaltern Kalt- und Warmzeiten entstanden sein mussen, so ist dies doch nur im bisher letzten, dem Quartaren Eiszeitalter nachgewiesen, das vor ungefahr 2-3 Millionen Jahren vor heute begann. In den letzten 500000 Jahren, die besonders gut untersucht wurden, sind allein 5 Warm- und 4 Kaltzeiten zu finden. In der Gegenwart befinden wir uns also in der sogenannten Neo-Warmzeit innerhalb des Quartaren Eiszeitalters. (Zahlen nach Schonwiese, 1992, S.44/50/51)

Es gibt zwar viele verschiedene Theorien, die die Kalt- und Warmzeiten begrunden wollen, es hat sich jedoch die sogenannte „Orbitalhypothese“ oder auch „Milankovic-Hypothese“ (nach ihrem Entdecker Milutin Milankovic) durchgesetzt. Diese Theorie besagt, da? Kalt- und Warmzeiten auf Änderungen der Erdbahnparameter zuruckzufuhren sind. Diese Parameter sind die Exzentrizitat der Erdumlaufbahn, die Erdachsenneigung und die Lage der Erdachse im Raum, der sogenannten Prazession.

Die Umlaufbahn der Erde um die Sonne ist kein richtiger Kreis, sondern eine Ellipse, die eine bestimmte Exzentrizitat besitzt. Diese schwankt nun in einem langfristigen Zyklus von ungefahr 96000 Jahren und stellt somit den ersten Orbitalparameter dar. Hinzu kommen die beiden Milankovic-Zyklen: Die Erdachsenneigung gegenuber der Ekliptik, also der imaginaren Ebene in der die Erde um die Sonne kreist, schwankt in einem Zyklus von ca. 40000 Jahren zwischen einem Winkel von 21,8° und 24,4° (Schonwiese, 1992, S. 54). Der zweite Milankovic-Zyklus hei?t auch Prazession: Er beschreibt die Veranderung der Lage der Erdachse im Raum. Diese fuhrt in einem Zeitraum von ungefahr 25800 Jahren eine Art „Kreiselbewegung“ aus.

Diese drei Parameter, die zusammen auch als „Orbitalparameter-Variationen“ bezeichnet werden, verursachen also eine Änderung der Sonneneinstrahlung auf die Erde, die wahrend einem Eiszeitalter zu Warm- und Kaltzeiten fuhrt.

1.1.3 Stadiale und Interstadiale

Die Stadiale und Interstadiale kann man als zweite „Unterart“ in der weltweiten Klimageschichte beschreiben. So bezeichnet man Klimaschwankungen, die wahrend einer Kaltzeit stattfinden und damit eine weitere Differenzierung ermoglichen. Die Grunde fur die Stadiale (relativ kalte Epochen) und Interstadiale (relativ warme Epochen) sind noch kaum untersucht. Ihnen wird jedoch auch keine gro?e Bedeutung zugemessen, da sie als ziemlich geringe Temperaturveranderungen durch die gesamte Klimageschichte hindurch zu finden sind. Sie sollen deshalb hier auch nicht weiter behandelt werden.

1.2 Die Folgen der naturlichen Klimaveranderungen

Bei den Folgen der naturlichen Klimaveranderungen mu? man differenzieren. Es gibt nur sehr wenige Daten uber weit zuruckliegende Klimaschwankungen, weshalb hier nur sehr allgemeine Aussagen gemacht werden konnen: Die naturlichen Klimaschwankungen mit relativ gro?em Ausma? erstreckten sich uber so lange Zeitraume, da? die Biosphare sich an die veranderten Lebensumstande gut anpassen konnte und so keine wirklich negativen Folgen auftraten.

Andererseits beschaftigen sich heute Klimahistoriker sehr wohl mit geringen Veranderungen des Klimas, die in den letzten Jahrhunderten stattgefunden haben. So kann das Klima zum Beispiel ein Faktor dafur sein, da? wahrend einer relativ warmen Periode der heutigen Neo-Warmzeit um 6500 v.Chr. die Menschen se?haft wurden und die ersten Hochkulturen in Nordafrika entstanden. Auch bei den Volkerwanderungen in Europa um 500 n.Chr kann eine klimatische Abkuhlung, die um diese Zeit stattfand, eine Rolle gespielt haben.

Grundsatzlich kann man also sagen, da? naturliche Klimaveranderungen zwar einerseits die Biosphare und vor allem auch die Menschheit beeinflusst haben, da? sie sich aber andererseits auch in einem relativ konstanten Rahmen bewegen, der nicht uberschritten wird. Somit wird man hier – ganz im Gegensatz zu den anthropogenen Klimaveranderungen – nicht von einer „Klimakatastrophe“ sprechen.

2. Anthropogene Klimaveranderungen am Beispiel der globalen Erwarmung durch den Treibhauseffekt

Die naturlichen Klimaveranderungen sind aber nun nicht die einzigen Schwankungen, denen unser Klima unterworfen ist: Auch der Mensch beeinflu?t das Klima durch den sogenannten Treibhauseffekt. Nun sollen zuerst dessen Grunde erortert werden, sodann die Auswirkungen einer solchen globalen Erwarmung erlautert und schlie?lich Ma?nahmen zur deren Vermeidung beschrieben werden.

2.1 Die Ursachen der globalen Erwarmung

2.1.1 Wirkungsweise des Treibhauseffekts in der Atmosphare

Der Begriff Treibhauseffekt beschreibt die Vorgange in der Atmosphare, die zu einer globalen Erwarmung fuhren, recht anschaulich: Das auf die Erde treffende Sonnenlicht und die mit ihm gefuhrte Energie lassen die Erdoberflache Infrarotstrahlung aussenden, die wie in einem Treibhaus in der Atmosphare durch bestimmte Gase, den sogenannten Treibhausgasen, davon abgehalten wird, in den Weltraum zu entweichen. Dies fuhrt zu einer Erwarmung der umliegenden Luftschichten und damit der gesamten Atmosphare.

2.1.2 Der naturliche Treibhauseffekt

Wenn hier oder in anderen Publikationen von Treibhauseffekt gesprochen wird, so ist fast immer eine anthropogene Klimaveranderung wahrend der letzten hundert Jahre gemeint. Dies ist jedoch nicht der eigentliche Treibhauseffekt, sondern nur eine Verstarkung: Es ist bekannt, da? schon bald nach Entstehung der Erde vor ungefahr 3,5 Milliarden Jahren ein naturlicher Treibhauseffekt als Folge einer bestimmten Spurengaskonzentration in der Atmosphare eingesetzt hat, der zu einer „Nettoerwarmung der Erde von etwa 33° C“ (Borsch/Wiedemann, 1992, S.32) gefuhrt hat und der somit eine wichtige Rolle fur samtliches Leben auf der Erde spielt. Denn das Ausbleiben dieses Effektes wurde in einer lebensfeindlichen globalen Durchschnittstemperatur von ungefahr -18° C anstelle der heutigen 15° C resultieren. Die Hauptursache fur diesen sehr willkommenen „Nebeneffekt“ ist der atmospharische Wasserdampf, der mit 62 % am naturlichen Treibhauseffekt beteiligt ist. Au?erdem spielen hierbei Kohlendioxid mit 22 %, bodennahes Ozon mit 7 % und weitere Spurengase mit 9 % eine Rolle (Schonwiese, 1992, S.136). Einige dieser Gase sind auch die Ursache des anthropogenen Treibhauseffektes und werden somit als Treibhausgase bezeichnet. Sie sollen nun naher behandelt werden.

2.1.3 Der anthropogene Treibhauseffekt

Gefahrlicher als der naturliche ist der anthropogene (oder auch zusatzliche) Treibhaus-effekt. Er entsteht durch eine vom Menschen verursachte Erhohung der Spurengaskonzentration in der Atmosphare. Die uber die Jahrmilliarden immer relativ konstante Strahlungsbilanz des Systems Erdoberflache-Atmosphare wird durch diese Erhohung gestort, da noch weniger von der Erde ausgesandte Infrarotstrahlung die Atmosphare verlassen kann und sich diese somit erwarmt. Somit spielt die Konzentration der Spurengase in der Atmosphare eine sehr wichtige Rolle fur das Klima und damit fur die gesamte Biosphare. Diese sogenannten Treibhausgase sollen nun im Folgenden genauer betrachtet und im einzelnen deren Quellen und Wirkungsweisen analysiert werden.

2.1.4 Die Quellen und Wirkungsweisen der einzelnen Treibhausgase

„Treibhausgase sind Gase, die bewirken, da? Infrarotstrahlung in der Atmosphare zuruckgehalten wird, so da? die Erdoberflache sowie der untere Bereich der Atmosphare sich erwarmen“ (Leggett u.a., 1991, S. 33). Zu dieser Gruppe von Gasen gehoren: Kohlendioxid (CO2), Fluorchlorkohlen(wasser)stoffe (FCK und FCKW), Methan (CH4), Ozon (O3), Distickstoffoxid (N2O) u.a..

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Abbildung 1: Anteile der einzelnen Treibhausgase am anthro pogenen Treibhauseffekt

Quelle: Schott u.a., 1990, S. 20

Wie in Abbildung 1 ersichtlich, ist Kohlendioxid mit 50% Beteiligung am anthropogenen Treibhauseffekt das gefahrlichste Treibhausgas; danach folgen die FCKW und das Methan mit jeweils 19%, Ozon mit 8% und schlie?lich das Distickstoffoxid mit 4% Anteil.

Das mit Abstand wichtigste Treibhausgas ist jedoch wie schon gesagt das Kohlendioxid (CO2). Es entsteht sowohl auf naturlichem, als auch auf unnaturlichem Wege, namlich dem Verbrennen von fossilen Energietragern, d.h. von Kohle, Erdol und Erdgas als auch durch Waldrodung. Der Ozean und die Biosphare sind die wichtigsten sogenannten „Senken“, d.h. Systeme, die das Kohlendioxid, welches zu ungefahr 96% naturlichen Ursprungs ist, aufnehmen. (Krause u.a., 1992, S.23). Die restlichen 4% entstammen den Emissionen des Menschen. Die heutige Zuwachsrate des CO2 betragt ca. 0,5% pro Jahr (Borsch/Wiedemann, 1992, S.35).

Die wichtigsten naturlichen Quellen des Kohlendioxids, das eine atmospharische Verweilzeit von ca. 6-10 Jahren in der Troposphare besitzt (Gerosa, 1987, S.156) sind die Atmung der Lebewesen, der Gasaustausch der Ozeane, und Vulkanausbruche. Die atmenden Lebewesen tragen somit ihren Teil zum CO2-Aussto? bei: Sie erzeugen mittels Glucose und Sauerstoff die zum Leben benotigte Energie, aber geben gleichzeitig Kohlendioxid als „Abfallprodukt“ ab. Auch das Wasser enthalt CO2, d.h. die Ozeane konnen gewaltige Mengen an Kohlendioxid aufnehmen. Jedoch betragt dieser absorbierte Anteil der weltweiten Kohlendioxid-Emissionen nur 50%; die andere Halfte verleibt in der Atmosphare (Gerosa, 1987, S.139). Au?erdem tragen auch Vulkanausbruche mit einem geringen Anteil zum naturlichen Kohlendioxid-Aussto? bei.

Wichtiger in Bezug auf den anthropogenen Treibhauseffekt sind jedoch die vom Menschen verursachten Kohlendioxid-Quellen, d.h. die Verbrennung fossiler Energietrager sowie die Waldrodung. Denn diese verursachen – im Gegensatz zu den naturlichen CO2-Quellen, die sich in einem relativ konstanten Rahmen bewegen – eine Erhohung der globalen Kohlendioxid-Emissionen und damit einen Anstieg dieses Treibhausgases in der Atmosphare. Das durch Verfeuerung fossiler Brennstoffe wie Ol, Kohle und Erdgas auftretende Kohlendioxid entsteht vor allem durch Kraftwerke (35%), aber auch durch Kleinverbraucher (24%), Verkehr (17%), Industrie (14%) und Raffinerien bzw. Hochofen (10%) (Gaber/Natsch, 1989, S.62).

Potentielles CO2 ist aber auch in Form von Kohlenstoff gespeichert, denn da jedes Lebewesen auf Kohlenstoffbasis aufgebaut ist, kommt es nach dessen Tod zu einer Verbindung des Kohlenstoffs mit dem Sauerstoff der umgebenden Luft zu Kohlendioxid. Dies gilt besonders fur die gewaltige Biomasse der tropischen Regenwalder und deren somit riesigem CO2-Potential. Die Rodung dieser Walder, wie sie ja in den Entwicklungslandern in gro?em Ma?e betrieben wird, stellt hiermit eine weitere wichtige anthropogene Quelle des Kohlendioxids dar.

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Abbildung 2: Atmospharische Kohlendioxidkonzentration

Quelle: C.D. Schonwiese, 1992, S. 138

In Abbildung 2 erkennt man deutlich die Zunahme des CO2 in der Atmosphare wahrend der letzten Jahrhunderte. Seit Ende des 18. Jahrhunderts, also seit Beginn der Industrialisierung und dem damit erhohtem Energieverbrauch in Mitteleuropa ist die atmospharische Kohlendioxid-Konzentration laufend gestiegen. Ungefahr seit 1960 jedoch, also seit Aufnahme der Messungen auf dem Mauna Loa auf Hawaii, ist ein extrem starker Anstieg zu verzeichnen, der wohl aus einem weiter erhohten Verbrauch fossiler Energietrager, sowie dem Beginn industrieller Rodung der tropischen Regenwalder resultiert. In der Messung seit 1960 ist auch eine jahreszeitliche Schwankung des atmospharischen Kohlendioxidgehalts festzustellen. Diese ist ein Folge der jahreszeitlichen Anpassung der Vegetation, da die Pflanzen im Fruhjahr zum Wachsen mehr Kohlendioxid benotigen, wahrend sie dieses im Herbst wieder abgeben.

Ein weiteres wirksames Treibhausgas sind die Fluorchlor(kohlen)-wasserstoffe (FCKW F-11 und F- 12). Obwohl sie meist nur mit der Zerstorung der Ozonschicht in Zusammenhang gebracht werden, sind diese auch mit ungefahr 19 % (Blanck u.a., 1990, S.20) am anthropogenen Treibhauseffekt beteiligt. Diese Gase entstehen nicht auf naturlichem Wege, d.h. sie werden ausschlie?lich vom Menschen erzeugt. Sie werden seit ihrer Einfuhrung 1935 vor allem im Bereich der Industrie als Reinigungs- und Losungsmittel und zur Aufschaumung von Kunststoffen benotigt. Mit ca. 64000 t FCKW in Deutschland ubersteigt dieser industrielle Sektor weit den privaten Gebrauch in Klimaanlagen sowie Spraydosen mit zusammen nur 11700 t (Zahlen nach Gaber/Natsch, 1989, S.99). Die gegenwartige Konzentration von F-11 und F-12 in der Atmosphare betragt – im Gegensatz zu CO2 mit 346000 ppb – nur 0,2 bzw. 0,32 ppb und erscheint damit recht gering. Man sollte jedoch nicht vergessen da? die FCKW pro Molekul auch einen um 14000 bis 20000fach erhohten Wirkungsgrad im Verhaltnis zu Kohlendioxid erzielen (Krause u.a., 1992, S.27/30/32) und mit 65 bis 110 Jahren eine lange Verweilzeit in der Atmosphare besitzen. Au?erdem liegt die Zuwachsrate der FCKW mit 5% pro Jahr sehr hoch (Krause u.a., 1992, S.30). Obwohl die FCKW also einen gewissen Anteil am anthropogenen Treibhauseffekt haben, liegt ihre Hauptgefahr doch bei der Zerstorung der Ozonschicht. Das Ozonloch entsteht also auch durch eine Veranderung der Spurengase in der Atmosphare, die Folge ist jedoch das vermehrte Auftreffen von gefahrlichem UV-Licht auf die Erdoberflache. Demnach kann man dieses Problem im engeren Sinne nicht als eine „Klimaveranderung“ bezeichnen, weshalb hier nicht weiter darauf eingegangen werden soll.

Methan (CH4) ist ebenfalls ein sehr wirksames Treibhausgas: Obwohl es nur mit ca. 1,7 ppm (Rabe, 1990, S.54) in der Atmosphare vertreten ist, tragt es mit 19 % (Blanck u.a., 1990, S.20) zum anthropogenen Treibhauseffekt bei. Diese hohe Effektivitat resultiert aus der mit 7-10 Jahren relativ langen Verweildauer in der Atmosphare und dem 25-32fachen klimatischen Wirkungsgrad im Vergleich zu Kohlendioxid. Au?erdem besitzt Methan eine jahrliche Zuwachsrate von 1,5% (Schonwiese, 1987, S. 91). Allgemein entsteht Methan durch Garung und Faulnis, also „durch biologische Prozesse beim Abbau organischer Stoffe“ (Gerosa, 1987, S.149). Solange es nur naturliche Quellen des Methans, wie z.B. Sumpfgebiete und wenig durchluftete Meere gab, konnte die MethanKonzentration in der Atmosphare nicht ansteigen, da es einen naturlichen Abbaumechanismus gab. Allerdings sind mehr als die Halfte der Gesamtemissionen anthropogenen Ursprungs, denn Methan entsteht auch durch Reisfelder, durch Magen wiederkauender Tiere (vor allem Rinder), beim Verbrennen von Biomasse, auf Mulldeponien und schlie?lich entweicht es durch Erdgaslecks.

Trotz der relativ hohen klimatischen Wirkung eines O3-Molekuls vom 2000fachen im Verhaltnis zu Kohlendioxid leistet das Spurengas Ozon mit 8% (Rabe, 1990, S.59) einen relativ geringen Beitrag zum anthropogenen Treibhauseffekt. Dies liegt an der mit 0,02 bis 0,1 ppm (Krause u.a., 1992, S.30) relativ geringen Konzentration in der Troposphare und der mit einigen Stunden bis Tagen relativ kurzen Verweildauer in der unteren Atmosphare. Ozon selbst besitzt keine naturlichen Quellen. Es entsteht vielmehr in Abhangigkeit von Sonnenstrahlung und Stickoxiden sowie Kohlenwasserstoffen.

Als letztes Treibhausgas soll hier das Distickstoffoxid (N2O), das auch Lachgas genannt wird, besprochen werden. Mit 4% Anteil am zusatzlichen Treibhauseffekt und ca. 0,31 ppm Konzentration in der Atmosphare ist es das harmloseste der besprochenen Treibhausgase. Allerdings besitzt es eine klimatische Wirkung von 150-250 im Verhaltnis zu CO2 und eine relativ hohe atmospharische Verweildauer von ca. 170 Jahren. Distickstoffoxid entsteht allgemein durch Verbrennungsprozesse sowie Bakterien im Boden. Die Kozentrationserhohung von 0,2 bis 0,3 % pro Jahr (Zahlen nach Krause u.a., 1992, S.27/29) resultiert aus einer ansteigenden Verwendung von kunstlichen Dungemitteln in der Landwirtschaft. Hier wandelt sich der stickstoffhaltige Dunger durch verschiedene chemische Prozesse in Distickstoffoxid um.

2.1.5 Die Rolle des Bevolkerungswachstums

Abschlie?end kann man sagen, da? der Anstieg aller dieser Treibhausgase auch durch das Bevolkerungswachstum bedingt ist. Die regelrechte „Bevolkerungsexplosion“ in den Entwicklungslandern und deren teilweise Industrialisierung zu Schwellenlandern hat ihren Beitrag dazu geleistet, da? die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphare sich erhoht. Vermehrter Energiebedarf la?t den Kohlendioxidgehalt ansteigen. Die Ausweitung der Landwirtschaft, um die wachsende Bevolkerung zu ernahren wird weiter erhohte Methan- und Distickstoffoxid-Emissionen zur Folge haben. Ohne die Schuld der westlichen Industrienationen am anthropogenen Treibhauseffekt mindern zu wollen, mu? man also sagen, da? die zukunftige Gefahr auch in einem weiteren, okologisch unbedachten, industriellen Ausbau der Entwicklungslander liegen kann. Naturlich mussen die Industrielander vor allem ihre eigenen Gewohnheiten andern, aber langfristig gesehen sollte die Entwicklungshilfe der Industrielander auch im Bereich des Technologie-Transfers ansetzen, um eine Verstarkung der Treibhausgas-Emissionen in den Entwicklungslandern noch rechtzeitig eindammen zu konnen.

2.2 Die Auswirkungen und Folgen einer globalen Erwarmung

Nachdem die Grunde und Ursachen des Treibhauseffekts erlautert worden sind, sollen nun die Auswirkungen und Folgen einer solchen globalen Erwarmung analysiert werden. Hierbei ist eine Differenzierung in drei Aspekte nutzlich: Man unterscheidet einerseits die „primaren Folgen“, also unmittelbar das Klima und die Oberflachentemperatur der Erde betreffende Auswirkungen, andererseits die „sekundaren Folgen“, d.h. Konsequenzen fur Hydrosphare, Kryosphare, Biosphare und Atmosphare und schlie?lich noch die „tertiaren Folgen“, also Auswirkungen auf den Menschen.

2.2.1 Auswirkungen auf Klima und Oberflachentemperatur (Primare Folgen)

Wie schon gesagt hindern die Treibhausgase, die mit immer hoherer Konzentration in der Atmosphare vorhanden sind, die von der Erdoberflache ausgesandte Infrarotstrahlung daran, in den Weltraum zu entweichen. Hieraus folgt naturlich eine Aufheizung der Troposphare, vor allem der bodennahen Luftschichten und letztendlich auch der Erdoberflache. Die Berechnung des Ausma?es dieser Erwarmung gestaltet sich aufgrund der Komplexitat des globalen Klimageschehens als sehr schwierig und reicht daher in den verschiedenen Klimasimulationen von „sehr gering“ bis „extrem“. Die am meisten verbreitete und wohl auch anerkannteste Berechnung ist die des 1988 gegrundeten „Intergovernmental Panel on Climate Change“ (IPCC), der einen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur zwischen 1,5° und 4,5° C (IPCC, 1990) bei Verdopplung der Kohlendioxidkonzentration im Vergleich zu den vorindustriellen Werten prognostiziert (siehe auch Abbildung 3). Ohne die Einleitung entsprechender Ma?nahmen ware diese Verdopplung im schlimmsten Fall bereits um 2030 erreicht (Leggett u.a.,1990, S.140). Unter Berucksichtigung diverser noch zu besprechender „positiver Ruckkopplungen“ kann sogar ein Betrag der globalen Erwarmung von 6,3° bis 8° C (Krause u.a., 1992, S.42) als realistisch angesehen werden. Bei der Betrachtung dieser Werte ist es jedoch unerla?lich, sie als „globale Mittelwerte“ zu deklarieren. Die tatsachliche regionale Erwarmung wird extrem unterschiedlich ausfallen, wie man in Abbildung 3 an der globalen Verteilung sehen kann. Abgesehen davon, da? die Erwarmung ihr hochstes Ausma? im Winter erreicht, wird sie vom Äquator zu den Polen hin zunehmen. In den tropischen Gebieten wird sich die Erwarmung somit auf 2° bis 4° C beschranken, wahrend sie in hoheren polaren Breiten durchaus bis zu 10° C betragen kann (Blanck u.a., 1990, S.30). Betrachtet man nach dem IPCC-Report 3° C bis 2100 als realistischen Wert einer globalen Erwarmung, so ergibt sich eine Änderungsrate von etwa 0,3° C pro Jahrzehnt – ein durch naturliche Klimaveranderungen noch nie erreichter Wert. Doch seit der industriellen Revolution hat die globale Durchschnittstemperatur bereits um 0,7° C zugenommen, was fur Klaus Hasselmann vom Max-Planck-Insitut fur Meteorologie in Hamburg ein eindeutiger Beweis fur eine anthropogene Klimaveranderung ist: Mit 95% schatzt er „die Wahrscheinlichkeit, da? die Erwarmung auf externe Einflusse zuruckzufuhren ist“ (Christian Schutze, SZ-Dokumentation, 24. Marz 1995, S.12).

2.2.2 Auswirkungen einer globalen Erwarmung auf Hydrosphare, Kryosphare, Biosphare und Atmosphare (Sekundare Folgen)

Neben diesen primaren Folgen einer globalen Erwarmung durch den Treibhauseffekt gibt es jedoch auch die sekundaren Folgen: Sie beziehen sich vor allem auf die Atmosphare, die Hydrosphare, also auf die Wasserhulle der Erde, auf die Kryosphare, d.h. die Eiskappen, Gletscher sowie Permafrostboden und schlie?lich noch auf die Biosphare, also den „Bereich auf und nahe der Oberflache der Erde, in dem alles Leben – die Gesamtheit aller lebenden Organe – existiert“ (Leggett u.a., 1991, S.552).

Die in den Medien wohl am haufigsten diskutierte Gefahr, die eine Erwarmung mit sich bringen wurde, ist die eines globalen Anstiegs des Meeresspiegels. Wichtig ist hierbei, da? dies weniger die Folge des Abschmelzens von Landeis (vor allem der Antarktis, Gronlands und von Gletschern), als vielmehr die Auswirkung einer thermischen Ausdehnung des Meerwassers ist. Wie alle Materie dehnt sich auch Wasser bei Erwarmung aus und verursacht so einen „Anstieg des Meeresspiegels um 0,5 bis 1,5 m wahrend der nachsten Jahrzehnte und langfristig sogar um mehrere Meter“ (Krause u.a., 1992, S.44). Das Abschmelzen des Landeises der Antarktis und Gronlands ist zwar theoretisch bei hohen Erwarmungswerten auch moglich, jedoch wurde solch ein Vorgang mehrere Tausend Jahre beanspruchen. Das Eis alpiner Gletscher wurde zwar schneller schmelzen, es ist jedoch zu vernachlassigen, weil es im Vergleich zu den Ozeanen nur eine relativ geringe Menge Wasser enthalt. Die Gefahr eines Meeresspiegelanstiegs liegt nun darin, da? tiefgelegene Regionen und ganze Lander von Überschwemmungen heimgesucht werden, wodurch sich viele negative Folgen fur Siedlungen, Hafen und Tourismus, aber auch fur kustennahe Su?wasserreservoirs und Landwirtschaft ergeben.. Dies betrifft weniger Industrielander wie zum Beispiel die Niederlande, da diese sich durch entsprechende Deichbauten schutzen konnen, sondern vielmehr arme Entwicklungslander wie Bangladesch oder auch Inselstaaten wie die Malediven, Tuvalu und Kiribati, also Staaten, die am allerwenigsten zum anthropogenen Treibhauseffekt beigetragen haben.

Ein Problem, welches nicht unbedingt mit einem Meeresspiegelanstieg zu tun hat, aber dennoch die Hydrosphare betrifft, ist die Verschiebung von Meeresstromungen. Durch die globale Erwarmung konnte sich beispielsweise der Golfstrom in seiner Lage andern oder sogar vollkommen zum Erliegen kommen. Dies hatte extreme Konsequenzen fur das europaische Klima, da der Golfstrom der „Warmelieferant“ Europas ist. Allerdings ist die Vorhersage solcher Ereignisse aufgrund der Komplexitat des globalen Klimageschehens ziemlich unsicher und nur durch Hypothesen gestutzt.

Eine weitere Folge einer globalen Erwarmung ist die Verschiebung von Vegetationszonen. Dies hatte dramatische Auswirkungen fur die Flora der Erde, besonders aber fur sehr spezialisierte Pflanzen, die nicht die Moglichkeit haben, schnell in Gebiete hoherer Breiten „zu ziehen“, die fur sie in einem warmeren Klima gunstiger waren. Daraus wurde ein Verlust an Artenvielfalt resultieren, weil Pflanzenarten, die sich leicht an veranderte Umgebungsbedingungen anpassen konnen, sich global ausbreiten und andere Arten verdrangen. Besonders Baumbestande werden von einer globalen Erwarmung betroffen sein, da sie – durch Schadstoffe bereits geschwacht – aufgrund ihrer langen Lebensdauer eine sehr geringe „Ausbreitungsgeschwindigkeit“ besitzen, d.h. sie konnen sich noch schlechter an die veranderten Umweltbedingungen anpassen als andere Pflanzen. Die Taiga, d.h. der boreale Nadelwaldgurtel ist somit sehr gefahrdet. Auch wenn diese die Moglichkeit hatte, den klimatischen Bedingungen entsprechend nach Norden zu „ziehen“, konnte sie auf dem nun aufgetauten Permafrostboden der ehemaligen Tundra nicht mehr wachsen, da hier ausgedehnte Sumpfgebiete entstehen werden (nach Gra?l/Klingholz, 1990, S.178/180).

Durch die globale Erwarmung wird es auch zu einer Veranderung der Niederschlagsmuster auf der Erde kommen. Prinzipiell entsteht zwar durch die erhohte Verdunstung mehr Niederschlag, dieser wird sich jedoch regional sehr unterschiedlich verteilen: Wahrend in den tropischen Regenwaldgebieten der Niederschlag weiter zunehmen wird, ist beispielsweise fur die Sahel-Zone in Afrika nach Klimamodellen eine weitere Niederschlagsverringerung und -variabilitat anzunehmen, welche zu einer vermehrten Bodenerosion und damit zu Desertifikation in diesen schon jetzt von der Verwustung bedrohten Gebieten der Erde fuhren wird. Wie sich die Niederschlagsverbreitung in der mittleren Breiten entwickeln wird, kann noch nicht genau vorhergesagt werden. Mit ziemlicher Sicherheit wei? man jedoch, da? die „Kornkammern“ der Erde, d.h. der Mittlere Westen der USA und das Agrardreieck in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion von einem starken Niederschlagsruckgang betroffen sein werden (Krause/Back/Koomey, 1992, S.46). Eine Verschiebung der Anbauflachen nach Norden ist aus Grunden der Bodenqualitat (Versumpfung heutiger Dauerfrostboden) nur bedingt moglich. Auch die fur die Photosynthese von Pflanzen auf den ersten Blick positiven Auswirkungen des Treibhauseffekts, namlich erhohte CO2-Konzentration und hohere Temperatur werden diese Ertragseinbu?en in der Landwirtschaft wohl kaum ausgleichen konnen.

Eine weitere Folge des Treibhauseffekts und einer damit verbundenen globalen Erwarmung wird das vermehrte Auftreten tropischer Wirbelsturme sein. Durch die Erwarmung wachst der Bereich der Ozeane, in dem die Wassertemperatur die zur Bildung von Hurrikans und Taifunen notigen 27° C ubersteigt. Damit vergro?ert sich nicht nur das Gebiet in denen diese Wirbelsturme entstehen, sondern auch ihre Intensitat und Haufigkeit nimmt durch die verstarkte „Energiezufuhr“ zu. Dies konnte dramatische Konsequenzen vor allem fur die Karibischen Inseln, die Sudkuste der USA, aber auch fur Ostasien haben.

2.2.3 Auswirkungen auf die Menschheit (Tertiare Folgen)

Als dritte Unterteilung der Folgen einer globalen Erwarmung sollen nun schlie?lich noch die tertiaren Auswirkungen betrachtet werden, d.h. Konsequenzen, die sich fur die Menschheit ergeben. Es bietet sich an, hierbei zwischen gesundheitlichen Folgen fur jeden Einzelnen und soziologischen Folgen, die die gesamte menschliche Gesellschaft betreffen, zu differenzieren. Die gesundheitlichen Auswirkungen, die direkt auf den Menschen wirken sind relativ klar erkennbar: Ein warmeres Klima bringt vor allem im Sommer eine Zunahme der Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Durchblutungsstorungen und Atemwegserkrankungen wie Asthma mit sich (Leggett u.a., 1990, S. 212). Au?erdem kann das menschliche Warmeregulationssystem bei extrem hohen Temperaturen uberlastet werden und damit zu Hitzschlag und einer Zunahme der sommerlichen Todesfalle fuhren. Allerdings wird sich eine globale Erwarmung uberwiegend im Winter auswirken, weshalb diese Folgen eine eher untergeordnete Rolle spielen. Wesentlich wichtiger sind hierbei die indirekten Konsequenzen einer globalen Erwarmung fur den Menschen: Durch die Veranderung der globalen Niederschlagsverteilung kann es zu einem – zumindest vorubergehenden – Sinken der weltweiten Nahrungsmittelproduktion kommen, da die gro?en Anbaugebiete der USA und Asiens mit einer Niederschlagsverringerung rechnen mussen. In Verbindung mit einem starken Bevolkerungswachstum vor allem in den Entwicklungslandern kann es hierbei zu Problemen kommen, die als gesellschaftlichen Folgen spater erlautert werden sollen. Ebenfalls eine indirekte Gefahr fur die Gesundheit des Menschen kann man in der durch die veranderte Niederschlagsverteilung verursachten, ungleichma?igen oder sogar problematischen Wasserversorgung sehen. In schon heute von Wassermangel bedrohten Gebieten der Erde, zum Beispiel der Sahel-Zone in Afrika wird es zu vermehrten Schwierigkeiten bei der Wasserversorgung kommen. Eine weitere indirekte Gefahr fur die Gesundheit des Menschen besteht in einer Ausbreitung der Übertrager von Tropenkrankheiten. Durch die Erwarmung und die damit verbundene Expansion tropischer und subtropischer Gebiete konnen sich Krankheitsubertrager wie die Tse-Tse-Fliege weiter ausbreiten und gro?e Gebiete durch Krankheiten wie Malaria in Gefahr bringen. Die wohl wichtigste indirekte Konsequenz einer globalen Erwarmung fur die Gesundheit des Menschen ist die Gefahr von Überschwemmungen durch den Meeresspiegelanstieg. Diese bringen zwar auf den ersten Blick mehr wirtschaftliche als gesundheitliche Probleme, zum Beispiel Verlust an Ernte oder Zerstorung der Wohnstatte, aber durch Flucht aus den betroffenen Gebieten ergeben sich schwerwiegende Konsequenzen: Hungersnote und das Ausbreiten von Seuchen sind nur zwei Folgen einer Unterbringung der Fluchtlinge in Sammellagern oder ahnlichen Einrichtungen, die mit Platzmangel zu kampfen haben. Hier sto?en wir schon an die Grenzen der gesundheitlichen Folgen, denn Fluchtlinge bringen weitere Probleme mit sich, die im Folgenden als gesellschaftliche Auswirkungen einer globalen Erwarmung behandelt werden sollen.

Wie schon gesagt, werden zukunftige Klimaextreme wie Überflutung und Durre viele „Umweltfluchtlinge“ vor allem aus den Entwicklungslandern zur Folge haben. Deren Ziel werden naturlich die Industrielander sein, da diese von Natur aus nicht so stark von einer globalen Erwarmung betroffen sein werden und au?erdem mehr finanzielle Mittel zu ihrem Schutz besitzen. Europa und Nordamerika werden sich dann einer gro?en Zahl von Fluchtlingen gegenubersehen; folglich wird es hier vermehrt zu sozialen Spannungen und innerstaatlichen Konflikten kommen. Aber auch im globalen Rahmen wird sich das Risiko bewaffneter Konflikte erhohen: Die aufgrund der weltweiten Klimaerwarmung verschlechterten Lebensbedingungen in den Entwicklungslandern werden den durch die wirtschaftliche Vormachtstellung der Industrienationen ohnehin extremen Gegensatz dieser „zwei Welten“, den sogenannten Nord-Sud-Konflikt, weiter verstarken. Daraus folgt eine gro?ere Gefahr fur bewaffnete Konflikte.

2.2.4 Positive und negative Ruckkopplungseffekte

Zu den Folgen einer globalen Erwarmung gehort auch eine Betrachtung moglicher positiver oder negativer Ruckkopplungseffekte. Das sind Prozesse zwischen Atmosphare und Biosphare, die eine Erwarmung entweder verstarken (positiv) oder abschwachen (negativ). Da es aufgrund der Komplexitat des Klimasystems eine gro?e Anzahl von Ruckkopplungen gibt, sollen hier nur die wichtigsten und bekanntesten behandelt werden. Man unterscheidet zwischen geophysikalischen und bio-geochemischen Ruckkopplungen. Zur ersten Gruppe gehort beispielsweise eine abnehmende Albedo der Erdoberflache aufgrund der schrumpfenden Schnee- und Eisdecke, woraus eine erhohte Absorption des Sonnenlichts und damit eine weitere Erwarmung resultiert. Ebenfalls Teil der geophysikalischen Ruckkopplungen ist eine verstarkte Wolkenbildung aufgrund von erhohter Verdunstung. Deren Folge ist nicht unbedingt eine Abschattung und damit Abkuhlung der Erdoberflache, sondern eine Erwarmung, da „Wolken in gro?eren Hohen […] weniger Strahlung abgeben […]“ (Leggett u.a., 1991, S.57). Zu den bio-geochemischen Ruckkopplungen zahlt beispielsweise das Auftauen der Permafrostboden in hoheren Breiten und der damit verbundenen Freisetzung des Treibhausgases Methan. Die bisher einzige bekannte negative Ruckkopplung ist die Eutrophierung, d.h. die Stagnation des Wassers aufgrund von uberma?igem Algenwachstum. Die dadurch enstandene Biomasse kann CO2 aufnehmen und so die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphare senken.

Abschlie?end la?t sich sagen, da? die Computermodelle, mit denen die Folgen einer globalen Erwarmung simuliert werden, keinesfalls fehlerfrei sind, da gerade Ruckkopplungseffekte aufgrund der hohen Komplexitat des Klimageschehens noch nicht berucksichtigt werden konnen. Doch sie sind bisher unsere einzige Moglichkeit, die potentiellen Gefahren einer Klimaerwarmung abzuschatzen.

2.3 Mogliche Ma?nahmen und Gegenstrategien

Nachdem jetzt die Ursachen und Folgen einer globalen Klimaerwarmung genannt worden sind, sollen nun geeignete Ma?nahmen beschrieben werden, mit denen man der Bedrohung durch den Treibhauseffekt begegnen kann. Dabei wird grundsatzlich zwischen zwei verschiedenen moglichen Wegen unterschieden: Der eine Weg bedeutet die Einschrankung der Emissionen der Treibhausgase auch zu Lasten des Lebensstandards der Menschen. Der andere Weg – und das ist der, den die Menschheit wohl gehen mu?, wenn nicht unverzuglich andere Ma?nahmen eingeleitet werden – bedeutet eine Anpassung an die veranderten Lebensbedingungen und damit eine Art „Ingenieurslosung“, also eine im Vertrauen auf die menschliche Intelligenz und Anpassungsfahigkeit beruhende Strategie. Doch dieser zweite Weg ist gefahrlich, denn die Menschheit hat noch nie versucht, ein so komplexes System wie das Klima und damit die gesamte Erde zu kontrollieren.

2.3.1 Ma?nahmen in der Vergangenheit

Obwohl Fourier schon 1827 auf die Moglichkeit einer globalen Klimaerwarmung aufmerksam gemacht hat und der schwedische Naturforscher Arrhenius schon um 1900 erste Klimaberechnungen anstellte, wurden auch viele weitere Warnungen erst in den letzten beiden Jahrzehnten ernstgenommen. Und erst seit ungefahr 10 Jahren beschaftigen sich Politiker wirklich ernsthaft auf internationaler Ebene mit der Einleitung von Vorsorgema?nahmen. Es wurden zwar sehr viele Konferenzen vor allem des United Nations Environmental Program (UNEP) und der World Meteorological Organisation (WMO) abgehalten, jedoch beinhaltete kaum ein Abschlu?bericht eine Verpflichtung fur die Teilnehmerstaaten, Emissionen von Treibhausgasen einzuschranken. Einzig die 1994 in Kraft getretene Klimarahmenkonvention verpflichtet die Industrielander und die meisten Staaten Osteuropas dazu, ihre Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2000 auf das Niveau von 1990 zuruckzufuhren, wobei diese hochgesteckten Reduktionsziele schon nicht mehr zu erreichen sind und von den meisten Beteiligten nicht einmal Versuche dazu unternommen wurden. Die wohl wichtigsten Treffen waren die Konferenz von Montreal mit dem Montrealer Protokoll von 1987, die Konferenz von Toronto 1988, der Weltklimagipfel von Rio de Janeiro von 1990 und schlie?lich der Weltklimagipfel in Berlin im Marz 1995. Seit seiner ersten Konferenz im Jahre 1988 spielt auch der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) eine immer wichtigere Rolle, da er in regelma?igen Zeitabstanden Publikationen zu den neuesten Informationen und Entwicklungen im Bereich der Klimaforschung herausgibt. Doch wie schon gesagt, hatten die meisten dieser Bemuhungen nur einen beratenden Charakter fur die Regierungen der einzelnen Landern, ohne diese wirklich dazu zu verpflichten, Ma?nahmen gegen eine globale Erwarmung zu ergreifen.

2.3.2 Reduktionsmoglichkeiten fur die einzelnen Treibhausgase

Hier sollen nun Moglichkeiten besprochen werden, um die Emissionen der einzelnen Treibhausgase und damit ihre Konzentration in der Atmosphare zu verringern. Wie schon gesagt entsteht das weitaus wichtigste Treibhausgas, das Kohlendioxid, vor allem durch das Verbrennen fossiler Energietrager. Und genau hier mussen die Ma?nahmen zur Verringerung der CO2-Konzentration ansetzen: Der Energieverbrauch der Menschen mu? verringert werden. Dies la?t sich vor allem durch eine rationelle Energienutzung und den Gebrauch von erneuerbaren Energietragern durchfuhren. Ohne ihren heutigen Lebensstandard zu verlieren, ist es fur die Bewohner der Industrielander moglich, die Kohlendioxid-Emissionen durch eine effektive Energienutzung um die Halfte zu reduzieren (Rabe, 1990, S.80). Kurzfristige Moglichkeiten zur Verringerung des Energieverbrauchs sind vor allem im Verkehrsbereich zu finden. In einer Verlagerung des Individualverkehrs mit dem Auto auf die offentlichen Verkehrsmittel und auch in der so heftig umstrittenen, spurbaren Erhohung des Benzinpreises durch steuerliche Ma?nahmen besteht auf jeden Fall eine kurzfristig einsetzbare Moglichkeit zur Verringerung des Energieverbrauchs. Wichtig ist hierbei, da? dies auf breiter Ebene geschieht und nicht nur in einigen Ballungszentren. Deshalb ist es unerla?lich, den Einzugsbereich offentlicher Verkehrsmittel auszuweiten und die Attraktivitat anderer Verkehrsmittel wie zum Beispiel dem Fahrrad zu erhohen. Kurzfristig bietet sich ebenfalls die Ma?nahme an, Filter in Industriebetrieben und Katalysatoren in Autos einzusetzen, allerdings konnen diese Moglichkeiten zumindest in Deutschland wohl gro?tenteils als ausgeschopft gelten. Mittelfristig sind wohl die effektivsten Ma?nahmen zur Verringerung des Energieverbrauchs moglich: Der wohl wichtigste Punkt ist hierbei die Warmedammung, da das Heizen mit 75 % (Borsch/Wiedemann, 1992, S.106) des Gesamtenergiebedarfs den gro?ten Teil der benotigten Energie in Privathaushalten darstellt. Au?er einer rationellen Energienutzung, d.h. einer moglichst effektiven Anwendung der vorhandenen Energietrager, ist es mittelfristig auch sinnvoll, von fossilen auf regenerative Energietrager umzusteigen. Dazu gehoren unter anderem die Wasserkraft, die Solarenergie, die Windenergie und Erdwarme. Das Potential zur Nutzung von Wasserkraft mu? unter okologischen Gesichtspunkten in Deutschland schon als ausgeschopft angesehen werden. Die Solarenergie, bei der man zwischen der Warmegewinnung durch Kollektoren und der direkten Stromerzeugung durch photovoltaische Zellen unterscheidet, bietet jedoch noch gro?e Einsatzmoglichkeiten. Die Windenergie ist in Deutschland nur auf ungefahr 10 % der Flache (Schonwiese/Diekmann, 1987, S.195) wirtschaftlich nutzbar. Im Gegensatz dazu la?t sich die Erdwarme in gro?erem Ma?stab nutzen und ist deshalb zur zukunftigen Anwendung sicher nicht uninteressant. Global betrachtet gibt es fur die einzelnen regenerativen Energietrager auf jeden Fall noch erweiterte Einsatzmoglichkeiten, zum Beispiel die Wuste zur Gewinnung von Solarenergie oder Gebiete mit bestandigem starken Wind (Passate) zur Nutzung von Windenergie. Die erneuerbaren Energietrager mussen auf jeden Fall immer starker eingesetzt werden und die fossilen Energietrager ablosen, wenn der besprochene „erste Weg“ gegangen werden soll.

Fur das zweite wichtige Treibhausgas, die Fluorchlorkohlenwasserstoffe gibt es – da diese ausschlie?lich vom Menschen erzeugt werden – nur eine Moglichkeit der Konzentrationsverringerung: Vermeidung der Herstellung der FCKW. Dies konnte ohne gro?e Schwierigkeiten im Bereich der Kuhlsysteme, der Aufschaumung und der Reinigung durchgefuhrt werden, da hier bereits adaquate Stoffe existieren. Das Problem besteht in der Industrie, die diesen gerade in Deutschland wichtigen Wirtschaftszweig nicht verlieren mochte. Doch Zogern kann hier sehr verhangnisvoll sein, da die FCKW – auch im Hinblick auf die Zerstorung der Ozonschicht – einige Jahrzehnte brauchen, um die obere Atmosphare zu erreichen und ungefahr 100 Jahre existieren. Das bedeutet, da? ein sofortiger Produktionsstopp erst in einigen Jahrzehnten erkennbar werden wurde.

Die atmospharische Konzentration des Treibhausgases Methan la?t sich auch – zumindest in samtlichen vom Menschen regulierten Bereichen – betrachtlich reduzieren. Zum Beispiel kann man Reissorten zuchten, die weniger Methan entstehen lassen und die gleichzeitig produktiver sind, sogenannte Hybrid-Reissorten. Eine weitere sehr effektive Moglichkeit zur Methan-Verringerung besteht in der Verkleinerung der Rinderherden, vor allem in den Entwicklungslandern, in denen zwar sehr viele Methan-produzierende Rinder existieren, die jedoch nur eine geringe Produktivitat besitzen. Hier kann man auch durch spezielle methanhemmende Futtermittel eine Verringerung erreichen. Doch da diese Quellen hauptsachlich in den Entwicklungslandern eine Rolle spielen, ist es sehr schwierig, hier effektive Ma?nahmen durchzufuhren. Bauern, die schon jetzt am Existenzminimum leben, haben kein Interesse daran, ihre Herde zugunsten der Atmosphare zu verkleinern. Allerdings wurde eine Verringerung des Fleischkonsums in den Industrielandern ebenfalls eine Verkleinerung der Rinderherden nach sich ziehen.

Auch das letzte wichtige Treibhausgas, das Distickstoffoxid, entsteht hauptsachlich im landwirtschaftlichen Bereich, so da? sich die Emissionen hier leicht verringern lassen. Die wichtigste Quelle besteht in der Verwendung von kunstlichen Dungemitteln. Diese konnten durch Ausweichen auf naturlichen Dunger vermieden werden. Im Bereich der Landwirtschaft wurde sich somit eine Umstellung auf eine okologisch vertragliche Betriebsform langfristig lohnen. Aber auch hier gilt, da? die Umstellung der Landwirtschaft in den Entwicklungslandern Probleme bereiten wird, da die Bauern keine Moglichkeit haben, ihre Bewirtschaftungsform so schnell umzustellen. Dagegen wird die Landwirtschaft in den Industrielandern dies aufgrund der Befurchtung von Ertragseinbu?en wohl auch nicht in gro?erem Rahmen durchfuhren werden.

2.3.3 Ma?nahmen auf langere Sicht

Neben diesen allgemeinen Moglichkeiten zur Verringerung der Emissionen der Treibhausgase gibt es auch Ma?nahmen, die nur in einem langfristigen Rahmen durchgefuhrt werden konnen. Dazu gehort eine verstarkte und effektivere Entwicklungshilfe von Seiten der Industrielander sowie eine Eindammung der Waldrodung mit zusatzlicher Wiederaufforstung der tropischen Regenwalder. Obwohl sich diese Ma?nahmen uberwiegend auf die Kohlendioxid-Emissionen auswirken, spielen sie auch fur die anderen Treibhausgase eine Rolle. Schlie?lich soll dann noch erortert werden, weshalb der Ausbau der Kernenergie nicht zu den geeigneten Ma?nahmen gehort.

Die auf lange Sicht wohl vielversprechendste Strategie, die Treibhausgas-Emissionen einzudammen, ist eine verbesserte Entwicklungshilfe fur die heutigen Entwicklungslander. Diese Hilfe sollte nicht oder kaum aus Nahrungsmittelhilfe bestehen, da hierdurch nur die Auswirkungen nicht aber die Ursachen der Probleme dieser Lander bekampft werden. Vielmehr sollte diese Entwicklungshilfe allgemein als „Hilfe zur Selbsthilfe“ betrachtet werden. Es sollten den Entwicklungslandern also Moglichkeiten gegeben werden, ohne auslandische Hilfe zu uberleben. Der Bezug auf die Eindammung der Treibhausgase mag zwar hier nicht sofort einleuchten, da die Entwicklungslander momentan sehr wenig zum anthropogenen Treibhauseffekt beitragen; es ist jedoch sehr wahrscheinlich, da? viele der heutigen Entwicklungslander in Zukunft den Weg zu wirtschaftlich erfolgreicheren Schwellenlandern beschreiten werden. Und genau hierbei wird die Umwelt am meisten geschadigt und eben auch Unmengen an Treibhausgasen emittiert, wie man am Beispiel der Ostblocklander oder China sehen kann: Hier wurde die Industrialisierung zum gro?ten Teil auf Basis der Schwerindustrie und der Kohle- und Olvorrate erreicht, was durch einen extrem schlechten Wirkungsgrad der verbrauchten fossilen Energietrager zu einem starken Aussto? von Treibhausgasen gefuhrt hat. Die Strategie einer verbesserten Entwicklungshilfe beruht nun darauf, durch Transfer modernster Technologie in die Entwicklungslander die umweltverschmutzende Phase der Industrialisierung hier zu „uberspringen“. Damit wird den Bewohnern dieser Lander also eine Moglichkeit gegeben, ihren Lebensstandard zu erhohen, ohne so stark Treibhausgase zu produzieren, wie es in den Industrielandern der Fall ist und somit von Anfang an eine umweltschonende Technik einzusetzen. Wenn dies erst einmal erreicht ist, bieten sich fur viele der heutigen Entwicklungslander auch weitere Moglichkeiten zur Verringerung der Treibhausgas-Konzentrationen: Beispielsweise kann in der Sahara durch Ausnutzung der Solarenergie der Verbrauch fossiler Energietrager weiter gesenkt und damit auch die Abhangigkeit vom Ausland verringert werden.

Eine weitere Ma?nahme zur Verringerung der Treibhausgaskonzentration in der Atmosphare besteht in der Eindammung der Waldrodung mit gleichzeitiger Wiederaufforstung der tropischen Regenwalder. Wie schon gesagt ist die Rodung der Walder aufgrund des in den Baumen enthaltenen Kohlenstoffs eine betrachtliche Quelle fur das wichtige Treibhausgas Kohlendioxid. Durch eine Beendigung der starken Waldrodung in Entwicklungslandern wie beispielsweise Brasilien, Zaire oder Indonesien kann somit auf ganz naturliche Weise die Kohlendioxid-Emission gesenkt werden. Doch in diesen Landern ist die Waldrodung fur viele Menschen die Lebensgrundlage. Somit kann dieser Situation nur durch die schon genannte verbesserte Entwicklungshilfe begegnet werden. Wenn die Walrodung dann eingedammt ist, besteht die weitere Moglichkeit, durch Aufforsten von Waldern, also durch das Erzeugen neuer, Kohlendioxid-absorbierender Biomasse – nicht nur in tropischen Regionen, sondern auch in mittleren Breiten – das in anderen Bereichen emittierte Kohlendioxid zumindest teilweise zu kompensieren, und damit das Ausma? und die Folgen einer globalen Erwarmung zu verringern. Diese Aufforstung stellt also eine Art „Überbruckungsma?nahme“ dar, mit der die Abhangigkeit von den fossilen Energietragern solange ausgeglichen werden kann, bis sie uberwunden ist und eine sinnvolle Nutzung der regenerativen Energietrager erreicht ist. Und dabei ist eine solche Ma?nahme durchaus realistisch: Nach N. Myers wurde schon eine Aufforstung auf einer Flache von einer Million Quadratkilometern ausreichen, um die Kohlendioxid-Emissionen fur mindestens 30 Jahre zu kompensieren (Leggett u.a., 1990, S.446). Die Gesamtkosten beliefen sich demnach bei einem angenommenen Durchschnittspreis von 400 Dollar pro Hektar auf ca. 40 Milliarden Dollar – ein im Hinblick auf den Nutzeffekt relativ niedriger Preis. Dabei mu?ten unbedingt die Industriestaaten den gro?ten Teil der Kosten tragen – allein schon weil sie die Hauptverursacher des Treibhauseffektes waren und immer noch sind.

Die vermehrte Nutzung der Kernenergie wird haufig als Methode genannt, auf den Gebrauch von fossilen Energietragern zu verzichten, aber trotzdem noch genugend Energie zur Verfugung zu haben. Denn der Vorteil der Kernenergie liegt in den auf den ersten Blick fehlenden Emissionen von Treibhausgasen. Doch zahlreiche Grunde sprechen gegen diese Strategie: Erstens ist hier naturlich die extrem hohe wirtschaftliche Belastung zu nennen, die ein Ausbau der Kernenergie zur Folge haben wurde. Denn unter der Annahme, da? der Energieverbrauch weiter so wachst wie bisher mu?te „von heute an bis zum Jahr 2025 im Durchschnitt alle zweieinhalb Tage ein neues Atomkraftwerk […] errichtet werden“ (Leggett u.a., 1990, S.390), um allein den heutigen Verbrauch von Kohle zu ersetzen. Dies ware gerade fur die Entwicklungslander eine wirtschaftlich absolut unrealisierbare Ma?nahme. Ein zweiter Grund der gegen diese „nukleare Strategie“ spricht ist das Problem der Entsorgung von Atommull. Angesichts dessen, da? schon heute gro?e Schwierigkeiten bestehen, das ausgebrannte Brennmaterial zu lagern, wird diese Strategie ohne eine verbesserte Entsorgung nicht moglich sein. Und drittens ist naturlich die Gefahr eines Unfalls in einem Atomkraftwerk mit seinen schwerwiegenden Konsequenzen immer gegeben.