Latein ist tot, es lebe Latein!!!!

Ich sollte anfangs noch bemerken, dass der Anlass dieser Rede folgender war: Latein sollte als dritte Fremdsprache für alle in unserer Schule abgeschafft werden. Nur noch das Sprachliche Profil sollte die Möglichkeit bekommen, Latein zu lernen. Da konnte ich natürlich nicht passiv bleiben, sondern musste aktiv für meine Lieblingssprache eintreten!!!!
Über Meinungen freue ich mich!!! ^0^

Latein ist tot, es lebe Latein!!!

Liebe Mitschüler und Mitschülerinnen!
Wozu sollen wir heutzutage Latein lernen? Wäre es nicht sinnvoller, diese Sprache nur noch dem Sprachlichen Profil als dritte Fremdsprache anzubieten? Latein ist tot- requiescat in pace- lassen wir es in Frieden ruhen!
Aber können wir diese Sprache bereits zu Grabe tragen?
Schließlich sind ja die romanischen Sprachen, Portugiesisch, Spanisch, Französisch, Italienisch und Rumänisch, im Prinzip das real existierende Latein vor unserer Türschwelle. Selbst im Deutschen finden wir in gängigen Fremdwörtern Rückschlüsse wie Abitur (abire) oder im alltäglichen Sprachgebrauch bei Keller (cella). Sogar Günther Jauch hat neulich bekannt, dass eine gute Lateinkenntnis die beste Voraussetzung sei, um in seiner Sendung Millionär (von lat. mille) zu werden. Sapienti sat – dem Schlauen genügt der Hinweis!
Aber reicht das aus, um Latein auf dem Schulmarkt zu etablieren?
Deutsche Mediziner haben vor vierzig Jahren ihren Studenten den obligaten Latinumkurs durch einen Terminologiekurs ersetzt. Ein Medizin interessierter Schüler könnte demnach beruhigt das Naturwissenschaftliche Profil wählen und auf seine „Amtssprache“ verzichten? Es scheint so, doch wird er um ein wenig Vokabular nicht herum kommen, wenn er zerebrale Beschwerden im Hirn (cerebrum) von abdominalen im Unterleib (abdomen) unterscheiden will. Daran soll es nicht scheitern, Vokabeln sind schnell gelernt – alii dicunt, sagen die einen. Ist das ewige Pauken des Ablativus absolutus oder gar das Unterscheiden von Gerundium und Gerundivum nicht überflüssiger Zeitvertreib? Von wegen! Denn das durch eben solche grammatikalischen Kniffe sowohl das logische Denkvermögen als auch analytische Vorgehensweisen geschult werden, ist längst kein Geheimnis mehr. Latein lehrt uns, Sprache als komplexes aber in sich logisches System zu begreifen.
Deshalb fördert Lateinunterricht ebenso durch seine Übersetzungsübungen die muttersprachliche Kompetenz – Deutschlehrer freuen sich stets, wenn Lateinschüler in ihren Kursen sitzen, weil sie mit den spezifischen Satzgliedfunktionen, Stilmitteln und der Wirkung der Verbformen eng vertraut sind.
Überall finden wir in Freiberg lateinische Inschriften: in Kirchen, in Friedhöfen, auf öffentlichen Gebäuden. Ohne Lateinkenntnisse sind dies Botschaften, die niemanden erreichen, sondern ungehört verhallen.
Es gibt wunderschöne lateinische Choräle, die berühmte Chöre vortragen. Oder selbst die populäre Band „In Extremo“ bedient sich lateinischer Texte. Wie unberührt bleibt man, wenn man sie nicht versteht! Und was wäre ein Mittelalterfest ohne echte Mittelaltermusik mit echten lateinischen Texten?
Auch das Vorurteil gegenüber Latein als „typisches Durchfallfach“ hält keiner objektiven Prüfung stand. Natürlich ist es unumgänglich sich gerade im ersten Lernjahr kontinuierlich mit Wortschatz und Grammatik zu beschäftigen. Doch das ist in allen anderen Sprachen – wie im Französischen – genauso.
Außerdem sollte man die historischen Einblicke im Lateinunterricht, besonders in die Antike, nicht vergessen. Diese bieten eine vorteilhafte Grundlage für die Ethik in der Sekundarstufe II, da die wichtigsten Philosophen der griechischen Antike besser verstanden werden können und zwar nicht durch bereits vorgefertigte Übersetzungen, nein, durch das eigene Ergründen und Hinterfragen der lateinischen Schriften. Decies repetita placebit – es wird auch noch gefallen, wenn es zehnmal wiederholt wurde! Und es sind längst nicht alle Schriften übersetzt! Augustin verfasste ein riesiges lateinisches Werk, von dem bisher nur wenige Teile entschlüsselt sind. Ebenso ergeht es den großen Denkern Thomas von Aquin, Boccaccio und Erasmus! Sollen ihre Worte in einer Schublade des Lehrerzimmers versinken?
Eins steht fest: Wer an unserer Schule kein Latein neben dem Sprachlichen Profil angeboten bekommt, wird sich eine suchen, die diese Möglichkeit bietet, was natürlich vehemente (lat. vehement) Unannehmlichkeiten nach sich ziehen wird, z.B. den Verlust von Freunden sowie der Verzicht auf Angebote, die nur unser Gymnasium in der Umgebung vorzeigen kann, das Künstlerische Profil oder den Wahlgrundkurs Musical beispielsweise.
Latein soll an unserer Schule leben, damit wir auch noch nächstes Jahr nach einem erfolgreichen Abitur sagen können: Veni, vidi, vici!