Maria sibylla merian

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Maria Sibylla Merian wurde als Tochter des Kupferstechers Matthaus Merian und dessen zweiter Frau Johanna Sybilla Heim am 2. April 1647 in Frankfurt am Main geboren. Ihr 53jahriger Vater war beruhmt und zu Wohlstand und Ansehen gekommen, war er doch der Herausgeber des „Theatrum Europaeum“ und der „Topographien“, in denen er die Stadte von ganz Europa in Kupfer gestochen hatte. Doch bereits drei Jahre spater starb er wahrend eines Kuraufenthaltes in Bad Schwalbach. Maria Sibyllas Mutter heiratete ein Jahr darauf den aus der niederlandischen Malerkolonie Frankenthal stammenden Blumenmaler Jakob Marell.

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Fur Maria Sibylla Merian war diese neue Verbindung eine gute Fugung. Was ihr leiblicher Vater nun nicht mehr zu vermitteln vermochte, holte der Stiefvater nach. Im Kreise seiner Schuler lernte Maria Sibylla Merian malen, zeichnen und in Kupfer zu stechen. Er vermittelte ihr den Naturalismus der hollandischen Blumenmalerei sowie die gro?artige Tradition der Zeichenkunst eines Albrecht Durer. Bereits mit dreizehn Jahren interessierte sie sich fur die heimische Insekten- und Pflanzenwelt. Heimlich begann sie Tierchen einzufangen, zu beobachten und schuf erste Zeichnungen und Aquarelle von Insekten und Pflanzen. Mit achtzehn Jahren heiratete sie den Architekturmaler Johann Andreas Graff. Zwei Jahre spater, nach der Geburt ihrer ersten Tochter Johanna Helena, ubersiedelte die junge Familie in die vaterliche Geburtsstadt Nurnberg. Dort wandelte sich Maria Sibylla Merian allmahlich von der Kunstlerin zur Naturforscherin. Sie holte sich Hunderte verschiedener Insekten zu sich nach Haus, vor allem Raupen und Schmetterlinge aus den Wiesen und Waldern vor den Toren der Stadt. Ihr Arbeitszimmer war vollgestellt mit Schachteln und Glasern, in denen sie die Tiere sammelte. Mit unendlicher Geduld und dem notigen Spursinn erforschte sie die komplizierten Lebenslaufe ihrer Insekten.

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Zu jener Zeit war das Interesse an den Insekten besonders ungewohnlich, da in der Mitte des 17. Jahrhunderts noch die auf Aristoteles zuruckgehende Auffassung vorherrschte, da? es sich bei dem Kleingetier der Maden, Kafer, Wurmer, Larven und Raupen um „Teufelsgetier“ handele, das aus einer Urzeugung aus faulendem Schlamm entstehe und sich von Unrat ernahre. Doch von der herrschenden Meinung lie? sich Maria Sibylla Merian nicht beirren, sie forschte weiter und beobachtete, wie sich ihre Raupen verpuppten und wie aus den Puppen schlie?lich die schonsten Falter und Schmetterlinge schlupften. Von dieser Metamorphose, die im ubrigen in der damaligen Zeit nur wenige Zeitgenossen kannten, war sie so begeistert, da? sie die Verwandlung in all ihren Stadien minutios in ihrem Skizzenbuch festhielt. Dabei entdeckte sie, da? jede Schmetterlingsart ihre eigene Futterpflanze hat, ohne die die Tiere nicht leben konnen. Die Falter legen auf dieser Pflanze ihre Eier ab, die Raupen ernahren sich von den Blattern dieser Pflanze und verpuppen sich auch dort.

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1675 brachte sie als 28jahrige ihr erstes Buch „Neues Blumenbuch“ heraus. Einzelne Blumen bzw. Blumengebinde wurden in diesem Buch au?erst kunstvoll von ihr illustriert. Zwei Jahre spater folgten der zweite und dritte Teil des Blumenbuchs. 1679, ein Jahr nach der Geburt ihrer zweiten Tochter Dorothea Maria, erschien ihr zweites epochales Werk mit dem Titel „Der Raupen wunderbare Verwandlung und sonderbare Blumennahrung“. In diesem Buch stellte sie samtliche Entwicklungsstadien einer Schmetterlingsart mit der dazugehorigen Futterpflanze dar. Mit diesem Buch begrundete sie eine neue Wissenschaft, die Insektenkunde. Dabei hat die von ihr gemachte Einteilung der Schmetterlinge in Tag- und Nachtfalter noch heute ihre Gultigkeit.

Maria Sibylla Merian trennte sich 1685 von ihrem Mann und zog mit ihren beiden Tochtern und ihrer alten Mutter zu ihrem Stiefbruder Caspar auf das Schlo? Waltha nach Holland. Ihr Bruder hatte sich dort der Glaubensgemeinschaft der Labadisten angeschlossen. Schlo? Waltha gehorte der Familie des Gouverneurs von Surinam, Cornelis van Sommelsdijk. Maria Sibylla Merian erfuhr hier von der Wunderwelt der tropischen Flora und Fauna Sudamerikas. Sie konnte nie gesehene exotische Schlangen, riesige metallisch schillernde Schmetterlinge, bizarre Kafer und Zikaden bestaunen, die von Reisenden aus Surinam mitgebracht wurden.

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Nachdem ihre Mutter und auch ihr Stiefbruder gestorben waren, zog sie 1686 mit ihren beiden Tochtern nach Amsterdam. Im weltaufgeschlossenen Amsterdam war die Autorin des Raupenbuchs langst keine Unbekannte mehr. Daher erhielt sie Zutritt zu den vielen privaten Raritatenkabinetten, Orangerien und Volieren der beguterten Burger, die dort tropische Pflanzen und Insekten hielten. Schnell reifte in ihr der Wunsch nach Surinam zu reisen, um dort die Tier- und Pflanzenwelt genauer zu erforschen. Als ihr Wunsch bekannt wird, raten ihr viele Freunde ab, da eine Reise uber den Ozean zu jener Zeit gefahrlich ist und heimtuckische Krankheiten in der fernen sudamerikanischen Kolonie sie bedrohen wurden. Doch ihr Entschlu? stand fest. Nach achtjahriger Vorbereitung und einem Reisestipendium der Stadt Amsterdam stach sie im Jahre 1699 endlich in See und reiste mit ihrer jungsten Tochter Dorothea auf einem Kauffahrteisegeler nach Surinam.

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Die hollandischen Kolonisten belachelten die beiden Frauen, als sie von derer Interesse erfahren. Sie konnten nicht verstehen, dass jemand eine so weite und beschwerliche Reise auf sich nimmt, um „Ungeziefer“ zu studieren und zu malen. Von der Hauptstadt aus unternahm Maria Sibylla Merian mit ihrer Tochter mehrmals weite Exkursionen bis tief ins Landesinnere. Was sie hier im Regenwald entdeckten, ging weit uber die Erfahrungen mit der Metamorphose der heimischen Schmetterlinge hinaus. Sie dokumentierte minutios die Metamorphose der tropischen Insekten Surinams im Regenwald und an der Kuste und schuf unzahlige Zeichnungen und Aquarelle. Im Fruhjahr 1701 erkrankte Maria Sibylla Merian so schwer an Malaria, dass sie ihre Arbeiten einstellen mu?te und viel fruher als geplant kehrten die beiden Frauen daraufhin mit reicher Ausbeute nach Holland zuruck.

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Ohne sich viel Ruhe zu gonnen, beginnt Maria Sibylla Merian mit der Auswertung ihrer Sammlung und den vielen Zeichnungen und Aquarellen. Sie dienen als Vorlagen nach denen sie die Kupferplatten fur ein gro?formatiges Prachtwerk uber die Fauna und Flora Surinams stechen will. Da die Arbeiten fur sie allein zu umfangreich sind, beauftragte sie die Amsterdamer Kupferstecher Jos. Mulder, Jan Pieter Sluyter und D. Stopendaal ihr zu helfen. Sobald ein Kupferstich gedruckt war, begann sie, ihn auszumalen. Nach drei Jahren unermudlicher Arbeit konnte sie ihr Hauptwerk „Metamorphosis insectorum Surinamensium“ 1705 in Amsterdam veroffentlichen. Dieses Buch wurde zu ihrem beruhmtesten Werk, es enthalt viele Abbildungen von tropischen Pflanzen und Tieren, vornehmlich von Faltern, aber auch Schlangen, Spinnen, Leguane und Kafer wurden von ihr dokumentiert. Viele der Tiere waren zu jener Zeit in Europa noch vollig unbekannt. Zu dieser Ausgabe hat sie ein Vorwort geschrieben, welches ihr Engagement und ihre gro?en Anstrengungen bis zur Fertigstellung des Werks verdeutlicht.

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1717 starb Maria Sibylla Merian im Alter von 70 Jahren in Amsterdam. Sie war die erste Naturwissenschaftlerin, die erkannte, da? Insekten Entwicklungsstufen durchlaufen, wahrend viele ihrer Zeitgenossen noch glaubten, da? Mucken und Raupen aus Schlamm gezeugte „Teufelsbrut“ sei. Durch ihre einzigartigen, reich bebilderten Veroffentlichungen erwarb sie sich auch einen gro?en Namen als Forscherin und Kunstlerin und gilt heute als die beste Blumen- und Insektenzeichnerin ihrer Zeit.

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Ihre Werke werden heute weltweit von Liebhabern gesammelt. Bei Antiquariaten, die sich auf Maria Sibylla Merians Werk spezialisiert haben, kann man ihre kolorierten Kupferstiche erwerben.