Nice Fic, isn't it Watson?

Einige Worte vorab

1. Das ist eine wissenschaftliche Arbeit. Sie ohne korrekte Zitatangaben anderweitig zu benutzen, verletzt das Urheberrecht. (s.h. Aktueller Anlass: Unser lieber Ex-Minister)
2. Ich habe mich dazu entschlossen, die ursprünglichen Fußnoten ans jeweilige Kapitelende zusetzen – ich hoffe, man kann damit übersichtstechnisch leben.
Bewertet wurde diese Hausarbeit mit der Note 1,3.
3. Ich musste gigantisch kürzen. Es tut mir für all die Autoren leid, die ich wegen eines Zitates angeschrieben habe, die ich letztendlich jedoch tatsächlich gar nicht direkt zitiert habe. Sorry.
4. Der Ansaz über RPS ist komplett der Kürzung zum Opfer gefallen. Ich hasse mich selbst dafür. Sorry, dass ihr die RPS-Fragen in den Interviews über euch ergehen lassen musstet.
5. Der Vollständigkeit geschuldet: Alle hier direkt zitierten FF-Autoren haben ihre Erlaubnis gegeben – mit Ausnahme von Inkubus bzw. der OV Autorin. Damit breche ich einen eigenen Kodex. Aber ehrlich gesagt wollte ich meine Hausarbeit nicht ohne Zitate aus dieser Geschichte schreiben. Die Rechte verbleiben auch hier beim Autor. Mehr als Lobhudelei ist dieser FF in der Hausarbeit eh nicht geschehen;)
6. Irgendwann hatte ich in den FN keine Lust mehr, die Formatierungen zu übertragen. Verzeiht mir, aber für sowas ist ff.de wirklich nicht ausgelegt.

—————————————————————————————————————————————————————————————————————

Nice Fic, isn’t it Watson? – Das Phänomen der Fan Fiktion am Beispiel von Sherlock Holmes

1. Einleitung

Autor: Joanne Delany
Rating: P12 (die zitierten Geschichten entsprechen teilweise P16-Slash)
Disclaimer: Die Figuren und Schauplätze von Sherlock Holmes entstammen nicht meiner Feder, sondern der von Sir Arthur Conan Doyle. Die Rechte der zitierten Wissenschaftler verbleiben bei ihren Urhebern. Zudem wurden die Autoren der Fan Fiktions von meinem Vorhaben unterrichtet und gaben ihr Einverständnis dafür, zitiert zu werden
Genre: Hausarbeit Medienanalyse
Beta: Yeoyou und CheshireCat (Animexx)
Warnings: Romantik, Drama, Alternativ Universe, P16-Slash und vieles mehr
Kurzfassung:Im Jahr 1887 erwähnte Sir Arthur Conan Doyle zum ersten Mal die Romanfigur, die ihn unsterblich machen sollte: Sherlock Holmes. Noch heute im 21. Jahrhundert beschäftigen sich Fans aus aller Welt auf vielfältigste Weise mit den Abenteuern des Meisterdetektivs. Zahlreiche Serien und Verfilmungen sorgten in den letzten Jahren dafür, dass sich auch ein jüngeres Publikum mit Sherlock Holmes auseinanderzusetzen begann. Eine schwer überschaubare Masse an Fan Videos, (online) Magazinen und Fan Fiktions1 wurden veröffentlicht. In dieser Hausarbeit soll es vor allem darum gehen, die Besonderheiten der schriftlichen Fan-Adaptionen (Fan Fiktion)(1) zu analysieren und mit dem Original zu vergleichen.
Coverart: http://s3.amazonaws.com/data.tumblr.com/tumblr_lkfqb9e2541qcoiiqo1_1280.jpg?AWSAccessKeyId=AKIAJ6IHWSU3BX3X7X3Q=1309016365=Qy8vb%2FnBt5Ld%2Fy8KCKrwgUX0A80%3D

Auf solche oder ähnliche Weise würde diese wissenschaftliche Arbeit beginnen, wenn sie eine Fan Fiktion(2) zum Thema Sherlock Holmes wäre . Also eine Geschichte, deren Figuren, Plotstrukturen und Inhalte sich mehr oder weniger stark an Sir Arthur Conan Doyles Kurzgeschichten und Romanen orientieren. Mit den Angaben im sogenannten ‚Header‘ zu Rating(3), Genre und der Kurzfassung könnten sich interessierte Leser(4) einen Überblick verschaffen, ob die vorgestellte ‚Geschichte‘ generell für sie interessant wäre(5). Gegebenenfalls würde ein Klick genügen, um sich gegen eine Rezeption zu entscheiden. Anschließend könnte der Leser in den Weiten des Internets schnell eine andere Geschichte finden, die ihm eventuell mehr zusagt: zum Beispiel etwas über Harry Potter , über Akte X – oder vielleicht doch eher über RDJude (6)?
„Die ganze Welt ist nur einen Klick entfernt“, lautet die Ansage des Netzes an die Nutzer vor den Bildschirmen. Im speziellen Fall der FF könnte man polemisch überspitzen „Alles, was du dir jemals über die Welt von Sherlock Holmes vorgestellt hast – oder dir nicht zu träumen wagtest – ist nur einen Klick entfernt“. Von den wildesten Kriminalgeschichten über absurde Parodien bis hin zu leidenschaftlichen Romanzen, all das und noch viel mehr findet man im Internet. In der Flut der scheinbar unerschöpflichen Masse an Texten ist es ein Leichtes, sich das herauszusuchen, was einen am meisten interessiert – oder auch, sich in Geschichten zu verlieren, die man garantiert niemals lesen wollte. The Democratic Genre betitelt Sheenagh Pugh (7) ihre umfassende Arbeit über das Phänomen der FF. Während die Fangeschichten in ihrer Anfangszeit noch ein verhältnismäßig kleines Publikum mit Hilfe von privat vertriebenen Magazinen erreichten, sind die FFs heute prinzipiell für jeden leicht zugänglich. Zudem ist potentiell jeder in der Lage, seine eigenen Geschichten auf dafür vorgesehenen Plattformen zu veröffentlichen: Kein Lektor, kein Editor und kein Verlag hindert ihn daran. Diese ‚demokratische Form‘ des Schreibens produziert eine kaum überschaubare Menge an Texten. Die Anzahl der FFs verändert sich ständig, Gewichtungen von Fandom verschieben sich und neue entstehen. Eine wissenschaftliche Arbeit, die sich genauer mit FFs auseinandersetzt, kann niemals umfassenden Charakter anstreben, sondern stets nur eine Momentaufnahme sein. Dennoch soll in dieser Hausarbeit versucht werden, einen Teilausschnitt der FF Szene rund um
Sherlock Holmes detaillierter zu untersuchen.
Das Phänomen der FF stößt bei Wissenschaftlern und professionellen Autoren größtenteils auf Unverständnis. Es sei „unmoralisch“ und „verwerflich“, da sich die FF „alle wichtigen Elemente von anderen Schriftstellern stehle“ und „Die Eigenleistung des Autoren gleich null“ tendiere.(8) Aber ist das wirklich der Fall? Natürlich liegt es in der Natur der FF, sich an den Werken anderer zu orientieren, Figuren zu übernehmen und Handlungsideen anzueignen. Aber kann man in diesen Fällen wirklich von keiner Eigenleistung sprechen? Dies soll am Beispiel von FFs zu Sherlock Holmes untersucht werden. Inwiefern bearbeiten, erweitern und verändern Fans die Werke von Arthur Conan Doyle? Welche Unterschiede gibt es zwischen dem ‚Klassiker‘ und den Fan-Adaptionen? Die Autoren von FFs wandern stets auf einem schmalen Grad zwischen Originaltext und eigener Idee. Wie viel dürfen sie überhaupt verändern, damit ihre Geschichte noch Leser findet?
Um dieser Frage nachgehen zu können, wurde die Auswahl der zu untersuchenden FF Texte
auf die deutsche Internetplattform www.fanfiktion.de beschränkt(9). Unter den rund 25 Autoren, die dort in der Sektion Sherlock Holmes schreiben, wurde eine Umfrage ins Leben gerufen. Anhand dieser Umfrage ließ sich herausfinden, welche Grundmerkmale des Originals (Doyle) in einer Fan-Adaption enthalten sein müssen, damit die Autoren und Leser diese überhaupt als FF anerkennen. Eine große Mehrheit von 80 Prozent räumt in diesem Sinne den Figuren den höchsten Stellenwert ein, gefolgt vom Stil (12 Prozent) und dem Setting (8 Prozent) (10). Auch Doria Primenova kommt in ihrem Essay zu einem ähnlichen Ergebnis: Neben den Figuren spielen vor allem die Handlung, das Genre und der Stil eine wichtige Rolle.(11)
Auf Grundlage dieser Ergebnisse kann man davon ausgehen, dass das Genre der Stil und dieCharaktere auf dem Weg vom Grundtext zur FF die entscheidenden Punkte markieren. Aber was genau verändert sich in den Fan-Bearbeitungen im Vergleich zu Doyles Grundtexten?
Das ist die Kernfrage dieser Arbeit. Um sie beantworten zu können, folgt auf eine kurze Geschichte und Definition der FF eine Untersuchung der verschiedenen Schwerpunkte Genre, Stil und Figuren. Am Ende steht ein Fazit, das die verschiedenen Merkmale der FF im Vergleich zum Original noch einmal aufzeigt und abschließend zusammenfasst.

—————————————————————————————————————————————————————————————————————
(1)Auch im Fandom Sherlock Holmes gibt es neben Fan Fiktions besonders im Bereich der Fan Videos einige interessante Beispiele. Eine Auswahl von Videos zur weiterführenden Beschäftigung mit dem Material findet sich im Anhang dieser Hausarbeit.
(2)Sowohl in der Fachliteratur als auch innerhalb der Fan Szene kursieren einige unterschiedliche Schreibweisen des Begriffs. Es taucht sowohl Fanfiktion, FanFiktion, Fan Fiktion, Fan Fiction, FF oder FanFic auf. Im Folgenden wird Fan Fiktion der Einfachheit halber mit FF abgekürzt.
(3) Altersempfehlung
(4) Der Einfachheit halber wird in dieser Hausarbeit die männliche Form von Leser/Autor gewählt, wenn nicht explizit definiert wird, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelt.
(5) Vgl. dazu auch Leppänen, Sirpa: Playing With and Policing Language Use and Textuality in Fan Fiction. In: Internet Fictions, hrsg. von Ingrid Hotz-Davies, Anton Kirchhofer und Sirpa Leppänen. Newcastle: Cambridge Scholar Publishing 2009, S.76.
(6) Geschichten, in denen die Beziehung der beiden Schauspieler Jude Law und Robert Downey jr. thematisiert wird, die Watson und Holmes in der Verfilmung aus dem Jahre 2009 verkörpern. Der Begriff RDJude setzt sich zusammen aus R(obert)D(owney)J(unior) und Jude (Law). Leider würde ein Exkurs zum Thema Real Person Slash den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen. Dabei handelt es sich bei diesem Phänomen um einen der interessantesten, neusten Aspekte der FF Szene. Besonders Sheenagh Pugh hat sich bereits in Ansätzen mit dem Thema auseinander gesetzt. Beim Real Person Slash werden die Grenzen von Fandom (Sherlock Holmes), medialer Fiktion (Fernsehinterviews der Schauspieler) und eigener Lebenswirklichkeit (Frage: Wie sind die Schauspieler wirklich?) überschritten. Für einen ersten Eindruck bezüglich Real Person Slash sei an dieser Stelle auf die FFs von Pinky without Brain verwiesen: Only Human http://fanfiktion.de/s/4bec7fdb0000681206d01389 und Feelin Easy http://fanfiktion.de/s/4c70174f0000681206d01389.
(7)Vgl. Pugh, Sheenagh: The Democratic Genre. Fan Fiction in a Literary Context. Glasgow: Seren 2005.
(8)Freie Übersetzung von Diana Gabaldons Blog Eintrag http://kate-nepveu.livejournal.com/483239.html. Die Autorin der Bestseller-Reihe Highland Saga spricht sich öffentlich gegen FFs aus und verbietet sie sogar.
(9)Selbstverständlich handelt es sich bei Sherlock Holmes um einen Kanon ursprünglich britischer Texte. Die bewusste Entscheidung gegen eine Untersuchung des englischsprachigen Pendants zu fanfiktion.de – www.fanfiction.net hat zunächst rein formale Gründe. Die Autorin nahm sich vor, ein beispielhaftes Bild einer FF Community zu zeichnen. Auf fanfiction.net sind allerdings über 2.500 Geschichten allein zum Thema Sherlock Holmes online zu sichten. Auf fanfiktion.de hingegen ’nur‘ rund 250. Es wäre interessant, in einer umfassenderen Arbeit auch auf die englischsprachigen FFs einzugehen. Zudem ist die Autorin selbst auf der deutschen Plattform aktiv und die Mitglieder waren eher dazu bereit, an Umfragen und Interviews teilzunehmen, da sie die Autorin als ‚eine von ihnen‘ begriffen und nicht als eine außenstehende Person. FF Autoren sind grundsätzlich Fremden gegenüber misstrauisch geworden, da ihr Hobby außerhalb der Szene häufig negativ beurteilt wird. Aus diesem Grund hat sich die Autorin auch bewusst dafür entschieden, die Autoren auf fanfiktion.de um eine Zitiererlaubnis für die hier verzeichneten Geschichten zu bitten. An dieser Stelle sei auch all den kooperativen Autoren auf der Internetplattform gedankt.
(10)Die komplette Umfrage findet sich im Anhang dieser Arbeit.
(11)Vgl. Primenova, Doria: Fan Fiction: Between Text, Conversation, and Game. In: Internet Fictions, hrsg. von Ingrid Hotz-Davies, Anton Kirchhofer und Sirpa Leppänen. Newcastle: Cambridge Scholar Publishing 2009, S.48.

2. Grundlagen

2.1. Eine kurze Geschichte der (Sherlock Holmes) Fan Fiktion

Die Frage nach dem Ursprung der FF wird in der Sekundärliteratur rege diskutiert. Der Konsens der Wissenschaft lautet, dass sich die Verbreitung der FF vom privaten Haushalt über sogenannte Fanzines(12) bis hin zum Internet ständig vergrößerte. War die FF zunächst nur für einen kleinen Kreis zugänglich(13), führte das Netz dazu, dass die Geschichten frei von jedem User eingesehen werden können.(14) Man kann davon ausgehen, dass die Entwicklung der FF Produktion vom Privaten hinaus in den öffentlichen Raum des Internets für die wachsende Popularität der Szene verantwortlich ist.(15)
Größere Uneinigkeit herrscht in der Wissenschaft darüber, zu welchem Zeitpunkt man vom tatsächlichen Beginn der FF Szene sprechen kann. Im Großen und Ganzen lassen sich zwei Ansätze unterscheiden. Verfechter der ersten These, zum Beispiel Primenova(16) oder Black(17), sehen allgemein bekanntes Mythengut und die orale Tradition des Weiter- und Neuerzählens von zum Beispiel Legenden wie Robin Hood oder der Arthur-Sage als Ursprung der FF. Anhänger der zweiten These, zum Beispiel Pugh(18) und Grandi(19), berufen sich auf die ältesten, auf Literatur basierenden FFs und setzten dort den Anfangspunkt. Namentlich sind demzufolge die ersten Canons Jane Austen Romane und Sherlock Holmes Gerade der Aspekt, dass Sherlock Holmes zu den ersten literarischen Fandoms überhaupt zählt, macht eine genauere Analyse der FFs zu diesem Thema interessant.

For most people, John F. Kennedy jr was a character in a play, a character in a story, just the way Sherlock Holmes was. When he’s lost, then people react very emotionally. Constantly rehearsing the details of somebody’s life and death shows that people are trying to continue the story. We always try to do that when the story ends bevore we’re prepared for the ending.(20)

Sherlock Holmes ist ein Phänomen. In weiten Teilen der Welt braucht man nur seinen Namen
zu nennen und jeder Anwesende hat zumindest eine grobe Vorstellung, wovon man spricht.
Dabei ist es zunächst gleichgültig, ob man nach den original Romanen und Kurzgeschichten von Sir Arthur Conan Doyle(21) fragt, oder nach den nicht minder bekannten multimedialen Ablegern derselben. Der britische Wissenschaftler Alan Barnes bezeichnet die Figur Sherlock Holmes sogar als
the first pop icon of the modern age. Instantly identifiable by his silhouette alone, even the slightest visual prompts lead to the Great Detective: deerstalker, Meerschaum pipe, violin, hansom cab, Watson, housekeeper, hound.(22)

Im Jahr 1893 beschloss Arthur Conan Doyle, seinen weltbekannten Meisterdetektiv umzubringen, da der Autor die Lust am Schreiben von Holmes‘ Abenteuern verlor.(23) In The Final Problem ässt er den Detektiv gemeinsam mit dessen Erzfeind Professor Moriarty die Reichenbachfälle in der Schweiz hinunterstürzen. Kurz vor der Veröffentlichung von The Final Problemschrieb Doyles langjähriger Freund James M. Barrie einen Brief an den Autoren. In diesem Brief ist vermutlich die erste Sherlock Holmes FF enthalten. Barrie zum geplanten Tod von Holmes:

Holmes grew less and less until nothing was left save a ring of smoke slowly circled to the ceiling. The last words of a great man are often noteworthy. These were the last words of Sherlock Holmes: „Fool, Fool! I have kept you in luxury for years. By my help, you have ridden extensively in cabs, where no author was ever seen before. Henceforth, you will ride in busses!(24)

In Folge der Veröffentlichung von The Final Problem kündigen rund 20 000 Leser des Strand Magazine ihr Abonnement und brachten die Zeitschrift in eine finanzielle Krise. Auf den Straßen trugen tausende von Fans Trauerkleidung. Conan Doyle selbst erhielt unzählige Hassbriefe, die ihn teilweise stark persönlich angriffen: „If I had killed a real man I could not have recieved more vindictive letters than those which poured in upon me.“(25) Die Enttäuschung der Anhänger kannte keine Grenzen. Da Doyle sich weiterhin weigerte, neue Abenteuer des Detektivs zu schreiben, begannen Fans, selbst Kurzgeschichten zu verfassen. Die ersten FFs waren also More From Geschichten, in denen der tote Detektiv wiederbelebt wurde. 1903 schließlich gab Conan Doyle der Entrüstung nach und brachte Holmes in The Adventure of the Empty House zurück. Bereits 1899 erwarb der amerikanische Schauspieler Jeremy Paul die Rechte an einem Sherlock Holmes Theaterstück, in dem er zahlreiche Änderungen am Original vornehmen wollte. Doyle selbst genehmige das Umschreiben (u.a. war Holmes in dem Stück verheiratet) mit: „You may marry him or murder him or do whatever you like with him.“(26)
Im Nachhinein betrachtet klingt diese Aussage beinahe wie ein Freibrief an die späteren Adaptionen von Guy Ritchie, Steven Moffat und den Fans in Magazinen und im Internet.(27) Denn obwohl der erste Roman bereits 1887 erschien(28), hält sich in Magazinen und im Internet eine eingeschworene Fangemeinde(29). Die vier Romane und 56 Kurzgeschichten haben nicht nur unter diesen treuen Anhängern längst den Status von Klassikern erreicht. Besonders in letzter Zeit erfreut sich Doyles Werk wieder wachsender Beliebtheit. Dies hat man vor allem der Guy Ritchie Verfilmung aus dem Jahre 2009(30) zu verdanken. Gerade die zwiespältige Rezeption der Adaption(31) führte zu einer angeregten Diskussion darüber, wie weit sich eine Umsetzung vom Original entfernen darf. Nichtsdestotrotz war der Film ein Erfolg an den Kinokassen(32) und wird im Winter 2011 fortgesetzt. In die gleiche Kerbe schlägt die neue BBC-Miniserie Sherlock(33). Auch hier wurden tiefgreifende Änderungen an der Vorlage von Doyle vorgenommen: Die Serie spielt nicht länger im viktorianischen London sondern in der Neuzeit. Trotz, oder gerade wegen dieser Verschiebungen, wurde die Serie von Fans und Kritikern gleichermaßen hoch gelobt.(34)
Tatsächlich stellt sich die Frage, weshalb es nur eine zulässige Form der Umsetzung geben sollte.(35) Gerade anhand der vielfältigen Interpretationen der Figuren Sherlock Holmes(36) und
Doktor Watson(37), der unterschiedlichen Stile (38) und der verschiedenen Settings (39) ergeben sich für die Fans vielfältige Ansatzpunkte. Neben der historischen Relevanz von Sherlock Holmes für die Entwicklung der Szene, ist es gerade diese Vielfältigkeit, die das Fandom für eine wissenschaftliche Arbeit über die Unterschiede von Original und FF prädestiniert.
Um im Folgenden eine genauere Analyse am Beispiel von Sherlock Holmes FFs durchführen zu können, muss zunächst der allgemeingültige FF Jargon erläutert werden.

—————————————————————————————————————————————————————————————————————

(12)Fan Magazine, in denen u.a. auch FFs abgedruckt werden.
(13)Die Magazine waren einerseits relativ teuer, andererseits wurden sie oftmals nur auf eigens organisierten Fan Treffen ausgelegt.
(14)gl. Reichert, Ramon: Amateure im Netz. Selbstmanagement und Wissenstechnik im Web 2.0. Bielefeld: Transcript 2008, S.195. Aktuelle Zahlen von fanfiktion.de zählen über 71 000 registrierte User und eine unbekannte Zahl unregistrierter Teilnehmer. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Zahlen von fanfiction.net ungleich höher ausfallen (Die letzten Zahlen hier wurden Ende 2010 veröffentlicht und lagen bei ca. 2.2 Millionen registrierten Nutzern. Sowohl die Angaben von fanfiktion.de als auch von fanfiction.net wurden von den jeweiligen Seitenbetreibern per Mail abgefragt).
(15) Viele der in dieser Arbeit zitierten Wissenschaftler haben sich in ihren Publikationen ausführlich mit der Herkunft der FF beschäftigt, vor allem mit dem Star Trek Fandom. Es gilt als das erste mediale Fandom und kann exemplarisch für viele Aspekte der FF Kultur herangezogen werden. An dieser Stelle der Arbeit würde es allerdings das Thema verfehlen, genauer auf Star Trekund die Ursprünge des Fandoms einzugehen. Wichtig ist nur am Rande zu erwähnen, dass viele der heutigen FF Genres wie Slash und die Adult Story ihren Ursprung in diesem Fandom haben. Genaueres über die Genres befindet sich weiter unten im entsprechenden Kapitel.
(16)Vgl. Primenova, Doria: Fan Fiction: Between Text, Conversation, and Game, S.45
(17) Vgl. Black, Rebecca W.: Adolescents and Online Fan Fiction, S.10.
(18) Vgl. Pugh, Sheenagh: The Democratic Genre, S.18f.
(19)Vgl. Grandi, Roberta: Web Side Stories: Janeites, Fan Fictions, and Never Ending Romances, S.24.
(20)Pugh, Sheenagh: The Democratic Genre, S.14. Sie zitiert hier Postman, Neil: Christian Science Monitor, 23.7.1999.
(21) Doyle, Arthur Conan: Sherlock Holmes. The Complete Novels and Stories. New York: Bantam Classics 1986.
(22)Barnes, Alan: Sherlock Holmes on Screen. The Complete Film and TV History. London: Reynolds&Hearn, 2002, S.7. Der Status der Ikone wird gleichgesetzt mit einer internationalen Bekanntheit, sofortiger Wiedererkennbarkeit und einem gewissen Grad an Stilisierung (Bei der Figur Sherlock Holmes eben durch Pfeife, Violine etc. Wobei der hier genannte „deerstalker“ erst durch die filmischen Bearbeitungen zu den sofortigen Erkennungsmerkmalen von Holmes als Figur hinzugekommen ist.)
(23)Vgl. Pugh, Sheenagh: The Democratic Genre, S.17f.
(24) Both, Martin: The Doctor, The Detective & Arthur Conan Doyle. London: Hadder & Stoyhton 1997, S.243.
(25) Ebd., S.180.
(26) Ebd., S.242.
(27) Dazu: „In view of such basic differences the question arises to what extent we may still speak of the same character here. It is frequently the case that characters are distributed via numerous texts, media and cultures over time. But is the character the same in all of these cases? Is the hero of Ritchie’s action movie identical withDoyle’s Holmes? Or did Doyle himself perhaps create differenet Holmes characters in his various stories?“ Eder, Jens; Jannidis, Fotis und Schneider, Ralf: Characters in a Fictional World. In: Characters in Fictional Worlds. Understanding Imaginary Beings in Literature, Film and Other Media, hrsg. von Jens Eder, Fotis Jannidis und Ralf Schneider. Berlin/Ny: De Gruyter 2010 (Revisionen,. Grundbegriffe der Literaturtheorie 3), S. 19.
(28)A Study in Scarlet. Der erste Auftritt der Figur Sherlock Holmes erfolgte ebenfalls 1887 in Beeton’s Christmas Annual. A Study in Scarlet und The Sign of Four wurden zunächst in Lippincotts’s Monthly Magazine veröffentlicht, bevor ab 1891 The Strand Magazine die Publikation übernahm. Vgl. Estleman, Loren D: On the Significance of Boswells. In: Sherlock Holmes. The Complete Novels and Stories. New York: Bantam Classics 1986.
(29) Manchmal auch liebevoll-neckend Sherlockians genannt.
(30) Warner Bros.: Sherlock Holmes. Regie: Guy Ritchie. USA 2009. Betrachtet man die Veröffentlichungsdaten der FFs auf fanfiktion.de lässt sich erkennen, dass von 217 (Stand Ende Februar 2011) Geschichten nur 14 vor dem Erscheinungsdatum des Films 2009 geschrieben wurden. Einige Fans fanden nach eigenen Angaben (s.h. Umfrage) den Film schrecklich und wollten mit ihren FFs ‚dagegen schreiben‘, wieder andere mochten die Adaption und beziehen sich in ihren Geschichten direkt darauf.
(31)Vgl http://www.chicagoreader.com/chicago/sherlock-holmes/Film?oid=977994 „The very idea of handing him (Anm. d. Verf. Sherlock Holmes) over to professional lad Guy Ritchie to be played as a punch-throwing quipster by Robert Downey Jr., is so profoundly stupid one can only step back in dismay.“ Und http://www.avclub.com/articles/sherlock-holmes,36617/ „This is very much a Sherlock Holmes movie for the blockbuster era.“
(32) Vgl http://www.imdb.com/title/tt0988045/business Danach hat der Film mehr als ein Dreifaches seines Budgets wieder eingespielt.
(33) Hartswood Films: Sherlock. Regie Mark Gatiss, Steven Moffat. GB 2010.
(34) Vgl. z.b. http://www.imdb.com/title/tt1475582/ Eventuell liegt die größere Akzeptanz der Serie darin begründet, dass man zwar das Setting geändert hat, die Grundzüge der Figuren jedoch die gleichen bleiben. Im 09ner Film wird zwar das Setting beibehalten, aber besonders die Figur Holmes wird im Vergleich zu den Romanen anders (körperbetonter, weniger erhaben) dargestellt. Ein weiterer interessanter Ansatzpunkt ist, dass in der 2009 Version Holmes als außerordentlich schrullig dargestellt wird, sodass Watson teilweise gar überlegen erscheint. In der neuen BBC Adaption ähnelt das Verhältnis zwischen Watson und Holmes wieder einer Symbiose.
(35) Als solche wird oftmals die ‚alte‘ Granada BBC-Serie mit Jeremy Brett und David Burke/Edward Hardwicke gesehen, die sich außerordentlich nahe an den Werken von Doyle bewegt.
Granada Television: Sherlock Holmes. GB 1984-1994.
(36)U.a. durch die Schauspieler Basil Rathbone -klassisch elegant-, Jeremy Brett -Gentleman, elegant- , Robert Downey jr -körperbetont, kauzig- und Benedict Cumberbatch -soziophobisch, dynamisch.
(37) U.a. durch die Schauspieler Nigel Bruce -tollpatschig-, David Burke/Edward Hardwicke -bewundernd, mit beiden Beinen auf dem Boden- , Jude Law -ruhig, Frauenheld- und Martin Freeman -unsicher, überfordert.
(38) U.a. Romane vs. Die action-orientierte Verfilmung aus dem Jahr 2009.
(39) U.a. Viktorianisches London vs. London der Neuzeit in der BBC Serie Sherlock.

2. Grundlagen

2.1. Allgemeine Definitonen

Fan Fictions are fan-created texts that are based on forms of popular culture such as books, movies, television, music, sports and video games. Though such texts are derivative in the sense that they depict available images of popular culture, I argue that the fans producing these fictions are far from being mindless consumers and reproducers of existing media, as they actively engage with, rework and appropriate the ideological messages and materials of the original text.(40)

Fan Fiktion setzt sich zusammen aus den Termini Fan (abgeleitet vom lateinischen fanaticus: „persons inspired by orgiastic rites and enthusiastic frenzy“(41)) und Fiktion (vom lateinischen fictio: „Gestaltung“. Der Begriff bezieht sich auf erdachte Welten, denen keine reine Wiedergabe von bloßen Fakten zu Grunde liegt, sondern deren Handlungen u.a. auf fiktiven, ‚ausgedachten‘ Elementen basieren.)(42). Wortwörtlich übersetzt, handelt es sich bei der FF demzufolge um eine aus einer Besessenheit heraus entstandene, ausgedachte Geschichte.
Doch von was sind Autoren von FF ‚besessen‘, was will sie nicht mehr loslassen?
Die Antwort ist einfach: Fans im engeren Sinne begeistern sich für Produkte der Massenmedien, zum Beispiel für eine bestimmte Fernsehserie, für einen Film oder auch für einen Roman. Diesen Auslöser ihrer Faszination bezeichnet man als Source Text . Dieser Grundtext ist bei einer Fangeschichte nicht allein die eigene Imagination, sondern Figuren, Handlungen und/oder Orte eines bereits existierenden Produkts (einer Serie, eines Films, eines Romans). Das Groß eines bestimmten Source Textes und des daraus entstehenden Diskurses bezeichnet man als Fandom (Das Fandom Sherlock Holmes beinhaltet alles, was mit den Romanen, den Kurzgeschichten, den Filmen, den Fans und sämtlichen anderen Ablegern zu tun hat). Fans ‚leihen‘ sich Aspekte ihres persönlichen Lieblingsfandoms und entwickeln neue, andere Geschichten rund um die Figuren oder Welten des Source Textes. Die auf diese Weise entstandenen Fantexte bezeichnet man als Fan Fiktion, also eine nicht kommerzielle , von einem Fan (begeisterter, ‚besessener‘ Leser, Zuschauer etc.) geschriebene, literarische Form (Kurzgeschichte, Roman, Gedicht, Liedtext u.ä.), die sich an den Elementen eines Source Textes bedient. Im Fall von Sherlock Holmes wäre eine FF zum Beispiel eine Geschichte, in der die Figuren Holmes und Watson vorkommen und/oder der Handlungsort die Baker Street ist etc. – denn wie genau sich Fans am Source Text orientieren, bleibt letztendlich ihnen überlassen.
Alle Elemente, die im Source Text als unabänderlich betrachtet werden, erschaffen das spezielle Universum oder den Canon eines Fandoms. Zu diesem Universum gehören zum Beispiel alle Figuren, Schauplätze, Beziehungen und Ereignisse aus dem Source Text (Bei Sherlock Holmes gehören zum Canon u.a. Holmes‘ Kokainsucht, Watsons Kriegserfahrung aber auch jeder Dialog, den die Figuren miteinander führen)(43).
Der Canon ist ein durch den Source Text definierter Rahmen, in dem sich die FFs bewegen. Bei multimedial adaptierten Werken wie Sherlock Holmes ergibt sich das Problem, dass es genau genommen mehrere Canons gibt: Zum einen den Roman-Canon ( Romanverse von Roman-Universe) und den Film-Canon (Movieverse). Es kommt ganz auf den individuellen Fan an, ob er Einzelheiten der Verfilmungen als Teil des unabänderlichen Rahmens betrachtet oder nicht.(44) Ebenso verhält es sich mit sogenannten Profics , publizierten Romanen oder Kurzgeschichten, die sich an Sherlock Holmes anlehnen, aber nicht von Arthur Conan Doyle geschrieben sind(45). Es liegt im Ermessen des einzelnen Fans zu entscheiden, welche Teile welches Canons für seine Geschichte die Grundlagen bilden sollen.
Der Source Text erfährt durch die Fans eine ständige Neuinterpretation und Diskussion(46). Dabei gibt es äußerst unterschiedliche Herangehensweisen an das Arbeiten mit oder auch gegen den Canon. Fans können Grundstrukturen als Nonplusultra begreifen oder aber auch als Grenzen, die man überschreiten darf – oder sogar muss. Pugh schlägt dahingehend zunächst zwei unterschiedliche Kategorien der FF vor: More From und More Of FFs. (47)
Autoren von More From FFs können sich nicht damit abfinden, dass Arthur Conan Doyle keine Abenteuer für Holmes mehr schreiben wird. Sie wollen neue Fälle, neue Kurzgeschichten, neue Episoden, neues Material. Diese Fans verfassen mit großer Leidenschaft u..a. Sequels, Prequels oder Missing Scenes . Sie lassen Holmes und Watson in ein Abenteuer nach dem anderen stolpern oder beschreiben zum Beispiel die Zeit zwischen dem Verschwinden des Detektivs in The Final Problem und seiner Wiederkehr in The Adventure of the Empty House.
Autoren von More Of FFs hingegen arbeiten mit bereits existierenden Fällen. Sie wollen zum Beispiel Szenen aus anderen Perspektiven betrachten oder jede Gefühlsregung der Protagonisten erfassen. Sie bauen Szenen aus und füllen Leerstellen (‚gaps‘) im Text.(48) More Of Autoren werden getrieben vom „desire to deepen the insight into the characters‘ feelings and thoughts“.(49) Sie beschreiben z.B. Watsons Gefühle während The Final Problem.
Anhand der Zweiteilung in More Of und More From FFs lässt sich ein besseres Verständnis für die Gründe der Fan Textproduktion gewinnen. Warum verfassen Fans FF?
Autoren, die More From FFs schreiben, wollen nicht, dass die Geschichten ihres Fandoms enden: „Most of us can recall feeling vaguely bereaved by the end of a book, wishing it could go on and continuing the action in our heads maybe even on paper.“(50) Sie verfassen neue Abenteuer und Episoden, spinnen Plotstränge weiter und entwickeln andere Handlungsstrukturen. More From FFs hingegen werden eher aus dem Gefühl der emotionalen Frustration heraus verfasst.(51) Gedanken wie ‚Diese Szene hätte aber noch um einiges psychologischer ausgefeilt werden können‘, ‚Man hat ja gar nicht erfahren, was Charakter XY darüber denkt‘ etc. sind starke Triebfedern für diese Art von FF. Fans schreiben FFs eben nicht nur, weil sie den Source Text auf eine gewisse Art und Weise ‚vergöttern‘, sondern auch, weil sie mit Teilen nicht einverstanden sind und dieser Frustration entgegenwirken wollen:

The fans‘ response typically involves not simply fascination or adoraion but also frustration and antagonism, and it is the combination of the two responses which motivates their active engagement with the media. Because popular narratives often fail to satisfy, fans must struggle with them, to try to articulate to themselves and others unrealized possibilities within the original work(52)

Im speziellen Fall von Sherlock Holmes lässt sich feststellen, dass Arthur Conan Doyle den Fokus seiner Texte auf das Lösen von Kriminalfällen legte, weniger auf die Gefühle und Beziehungen der Figuren zueinander. Doyles Plots sind hauptsächlich handlungs-, nicht emotionsgetrieben. Gerade weibliche Fans scheinen jedoch wissen zu wollen, wie es in den Figuren aussieht, was genau sie empfinden und wie sie zu einander stehen. Diese ‚Character Junkies‘ legen mehr Wert auf die emotionale Glaubwürdigkeit einer Figur als auf die durch Handlung motivierte Spannung.(53)
Auf welche Weise können Fans diesem Bedürfnis nachkommen? Jenkins entwirft in Textual Poachers zehn Grundtypen der FF:
1. Missing scenes: Szenen werden in die Leerstellen des Source Texts ‚hineingeschrieben‘, um fehlende Details hinzuzufügen (z.B. Was genau passiert beim Kampf an den Reichenbachfällen?(54))
2. Expending the series timeline: Hintergrundinformationen zu den Figuren werden geschrieben (z.B.. In welchen Verhältnissen ist Holmes aufgewachsen?(55))
3. Refocalisation: Der Point of View wird verändert (z.B.. Die Geschichte wird nicht mehr aus Watsons Sicht erzählt, sondern aus der von Gladstone, dem Hund(56))
4. Moral Realigment: Die Antagonisten werden zu Protagonisten (z.B. Professor Moriarty steht im Vordergrund des Geschehens(57))
5. Genre shifting: „Shifting the balance between plot action and characterization“(58) (z.B. es steht kein Kriminalfall im Mittelpunkt des Geschehens, sondern die Beziehung zwischen Holmes und Watson(59))
6. Cross-Over: Zwei Fandoms werden miteinander verwoben (z.B. Sherlock Holmes trifft auf Peter Pan(60))
7. Character Dislocation: Auch: Alternative Universe. Charaktere werden in eine andere Handlung versetzt, an einen anderen Ort, etc. (z.B. Sherlock Holmes ist plötzlich ein König im Mittelalter(61))
8. Personalization: „Filling the gap between real life and fiction“(62). Verbindungen zwischen dem Fandom und dem eigenen Leben werden aufgebaut. Besonders auffällig bei sogenannten Mary Sues(63) oder Self-Inserts(64) (z.B. Autorin XY gelangt durch einen Zufall in das viktorianische London und verliebt sich in Sherlock Holmes oder Watson(65))
9. Emotional Intensification: „Emphasize the moments of narrativ crisis“(66), „Fans relish episodes where relationships are examined“(67). Die emotionale Seite der Charaktere wird beleuchtet (z.B Holmes wird bei einem Kampf verletzt und die Gedanken von ihm und Watson werden darüber in inneren Monologen oder Dialogen ausgebreitet(68))
10. Eroticitation: Fans wollen die sexuellen Dimensionen eines Source Textes auskosten, die im Original nicht beschrieben werden (z.B. expliziter Slash zwischen Holmes und Watson(69))(70)

Im speziellen Fall des Fandoms Sherlock Holmes kommen einige Punkte von Jenkins bloß minimal zum Tragen und können im weiteren Verlauf der Hausarbeit vernachlässigt werden (Moral Realigment, Cross-Over). Einige andere Aspekte spielen zwar eine Rolle, brauchen jedoch nur am Rande erwähnt zu werden, da sie nicht zu den Besonderheiten des Fandoms zählen (Missing scenes, Expending the series timeline, Character Dislocation, Personalization). Die interessantesten Punkte bezüglich Sherlock Holmes FF finden sich eher in den Aspekten Refocalization, Genre Shifting, Emotional Intensification und Eroticitation . Gerade diese Vorgänge in Fan-Texten stehen im starken Kontrast zum eigentlichen Canon von Doyle und lassen sich auf die Unterpunkte Genre (Genre Shifting), Stil (Refocalization) und Figuren/Beziehungen (Emotional Intensification, Eoritcitation)
aufspalten.(71)
Um eine Grundlage für das Verständnis von FF zu finden, ist es von Bedeutung, eine kurze Einführung über die Geschichte des Phänomens zu geben, besonders in Bezug auf das Fandom Sherlock Holmes.

—————————————————————————————————————————————————————————————————————

(40) Black, Rebecca: Adolescents and Online Fan Fiction. New York: Peter Lang 200, S.Xiii.
(41) enkins, Henry: Textual Poachers. Television Fans & Participatory Culture. New York: Routledge 1992, S.12.
(42) Vgl. Ebd. Zum Begriff des ‚Fans‘ lohnt es sich, einen genaueren Blick auf Jenkins‘ Analysen zu werfen. Er definiert Fans als „Poachers“, die ungeachtet des Urheberrechts von Material zu Material ziehen und sich das zusammensuchen, was sie für interessant halten. „Undaunted by traditional conceptions of literary and intellectual property fans raid mass culture, claiming its materials for their own use, reworking them as the basis for their own cultural creations and social interactons. Fans seemingly blur the boundaries between fact and fiction speaking of characters as if they had an existence apart from their textual manifestations, entering into the realm of the fiction as if it were a tangible place they can inhabit and explore.“ Ebd., S.18. Die Darstellung der genaueren Definitionen und Praktiken des Fans, die Jenkins aufzählt und untersucht, spielt im weiteren Verlauf der Hausarbeit keine Rolle. Hier liegt der Fokus eher auf den speziellen Ausprägungen der FF und weniger auf den Handlungen des Fans an sich.
(43) Wobei der Canon nicht zwangsläufig frei von Widersprüchen sein muss. In Doyles Romanen heißt es z.B. einerseits, Watsons Kriegswunde befände sich an dessen Schulter, ein anderes Mal an seinem Bein.
Zum besseren Verständnis des Begriffs Canon lässt sich Pugh heranziehen „The source material accepted as authentic and within the fandom known by all readers in the same way that myth and folk-tale were once commonly known.“ Pugh, Sheenagh: The Democratic Genre, S.25.
(44) Interessant ist dies z.B. in Hinsicht auf die Frage, wie sich Fans die Protagonisten Holmes und Watson beim Schreiben und Lesen vorstellen: Eher wie im Buch oder eher wie einen der Schauspieler? Anhand der Umfrage lässt sich feststellen, dass sich viele der Autoren eher an Schauspielern orientieren als an den Beschreibungen von Conan Doyle. Nur vier Prozent stellen sich Holmes wie vom Autor beschrieben vor, für immerhin rund 24 Prozent trägt er das Gesicht des Schauspielers Jeremy Brett. Ähnlich verhält es sich auch mit der Figur Watson, wobei sich hier die meisten der Fans an Jude Law orientieren.
(45) Z.B. die Kinderbuchreihe Sherlock Holmes & die Baker-Street-Bande von Tracy Mack und Michael Critin. In der Umfrage antworteten rund 72 Prozent auf die Frage, ob Profics zum Canon gehören mit „nein“. Für sie sind Profics ’nur‘ veröffentlichte FFs.
(46) Vgl. dazu auch Primenova, Doria: Fan Fiction: Between Text, Conversation, and Game, S.54.
(47) Vgl. Pugh, Sheenagh: The Democratic Genre, S.19.
(48) Vgl. hierzu Ebd., S.35.
(49) Grandi, Roberta: Web Side Stories: Janeites, Fan Fictions, and Never Ending Romances. In: Internet Fictions, hrsg. von Ingrid Hotz-Davies, Anton Kirchhofer und Sirpa Leppänen. Newcastle: Cambridge Scholar Publishing 2009, S.27.
(50) Pugh, Sheenagh: The Democratic Genre, S.16.
(51) gl. dazu Grandi, Roberta: Web Side Stories: Janeites, Fan Fictions, and Never Ending Romances, S.30. „The lack of emotional or physical fulfilment appears to be a mainspring for fanfiction productions of every genre and canon.“
(52) Jenkins, Henry: Textual Poachers, S.23.
(53) Jenkins geht davon aus, dass männliche Fans durchaus mehr Wert auf die Action legen, während Frauen sich mehr für die Charaktere interessieren. Vgl. Ebd., S.114. Natürlich lässt sich diese Annahme nicht verallgemeinern. Es ist jedoch Fakt, dass die meisten Autoren von FFs weiblich sind (auf fanfiktion.de schreibt nur ein Mann in der Sektion Sherlock Holmes ) und auch eher Romanzen als Krimis verfassen (s.h. Analysepunkt Genre).
(54) Vgl. z.B. Gileth: What you deserve is what you get http://www.fanfiktion.de/s/4cc879d3000137e606701388 .
(55) Vgl. z.B. Shirin-de-valure: Tempus omnia vulnera curat http://www.fanfiktion.de/s/4b9c2565000049b306701388 .
(56) Vgl. z.B. Mave: Wie Hund und Katz http://www.fanfiktion.de/s/4d3848b600017f6106701388 .
(57) Vgl. z.B. Mortale: Moriarty -Man Of Manners- http://www.fanfiktion.de/s/4d42f05d0000852506701388 .
(58) Jenkins, Henry: Textual Poachers, S.169.
(59) Vgl. z.B. sehr, sehr viele Geschichten auf fanfiktion.de (s.h. Kapitel Genre). Stellvertretend soll hier genannt werden Mave: Tränen Toter Augen http://www.fanfiktion.de/s/4ce2a20100017f6106701388.
(60) Vgl. z.B. Kore: Sherlock Holmes und die verlorenen Kinder http://www.fanfiktion.de/s/4de18f6800000c9506b003e8.
(61) Vgl. z.B. Blackrider: Die Geschichte vom König und dem Spielmann. http://www.fanfiktion.de/s/4cfbcec700013f8506701388.
(62) Jenkins, Henry: Textual Poachers, S.171.
(63) Der Begriff bezeichnet meist weibliche Charaktere, die perfekt sind, alles können und oftmals eine romantische Beziehung zu einem der Protagonisten aufbauen.
(64) Das Hineinschreiben der eigenen Person in eine FF
(65) Vgl. z.B. Sailor Sunrise: Sailor Sunrise And Gileth Meet Baker Street. http://www.fanfiktion.de/s/4c8819c3000172e706701388 .
(66) Jenkins, Henry: Textual Poachers, S.174.
(67) Ebd.
(68) Vgl. z.B. Giuseppe: Selbstständige Existenz http://www.fanfiktion.de/s/4d6143710001734a06701388.
(69) Vgl. z.B. Pinky without Brain:Das Eine oder Andere http://www.fanfiktion.de/s/4be5bd790000681206701388.
(70) Alle Punkte vgl. Jenkins, Henry: Textual Poachers, S.162ff.
(71) Dies hat natürlich nur idealtypischen Charakter. Die einzelnen Unterpunkte treten stets im Zusammenhang auf und beeinflussen sich gegenseitig.

3. Handlung/Genre – Vom Detektivroman zur Thriller-Romanze?

Sucht man als interessierter Leser in der Sherlock Holmes Kategorie auf fanfiktion.de nach Geschichten, fällt einem sehr bald ein gewisser Hang zu bestimmten Genres auf. Den Autoren ist es auf der Internetseite möglich, ihre FFs unterschiedlichen Kategorien zuzuordnen. Von 217 veröffentlichten Geschichten(72) sind nur 16 als Krimi markiert, 28 stehen in der Kategorie Allgemein – wobei von diesen immerhin 21 als Slash markiert sind, also eine homoerotische Liebesbeziehung enthalten. 26 (davon sind 23 Slash) fallen in das Genre Drama, 24 unter Humor (16 Slash), 11 unter Songfiction, 7 unter Sonstiges (Parodie, Poesie, Mystery, Thriller) und immerhin 59 (!) unter Romanzen.
Bereits anhand dieser Beobachtung lässt sich folgende These aufstellen:
These Genre Shifting : Bezüglich Setting/Genre/Handlung kommt es zu einer Verschiebung vom Detektivroman (Rätselspannung, Deduktion) hin zur Romanze (Heterosexuell oder Homosexuell) und zum Thriller (Zukunftsspannung, psychologisierte Figuren, direkte Gefährdung des Helden).

In seinen Ausführungen über das Kriminalgenre nutzt Peter Nusser Sherlock Holmes häufig als idealtypisches Beispiel für den Detektivroman.
Laut Nusser steht das begangene Verbrechen insofern im Mittelpunkt des Detektivromans, als dass es Anlass für eine detaillierte Darstellung der deduktiven Fähigkeiten des Detektivs bietet. Dies lässt sich ohne Einschränkungen auf Conan Doyles Werke übertragen. Ein Verbrechen wird begangen (Im Fall von Sherlock Holmes nicht zwangsläufig ein Mord); Holmes und Watson versuchen es aufzuklären, analysieren vorhandene Fakten, führen Gespräche etc. Am Ende der Geschichte steht meist ein langer Monolog von Sherlock Holmes, der mit Hilfe seiner überragenden logischen Fähigkeiten die gesammelten Fakten interpretiert und einen Täter überführt(73). In diesem Vorgang fällt der Frage nach dem Tathergang (how?) die größte Bedeutung zu. Der Detektiv entwickelt durch seine Intelligenz Arbeitshypothesen, die nach und nach bestätigt oder widerlegt werden(74). Weniger detailliert wird das eigentliche Motiv des Verbrechens (why?) und somit die psychologische Dimension des Falls verhandelt. (75)
Ebenfalls wichtig ist, dass die präsentierte Handlung im Detektivroman nicht chronologisch abgearbeitet wird, sondern die richtige Reihenfolge der Geschehnisse erst am Ende durch den Detektiv selbst in seiner rückwärts gerichteten Auflösung gegeben wird. Dadurch entsteht die von Nusser hervorgehobene Rätselspannung (Wie wird etwas gelöst?).(76) In Folge dessen werden Action-Elemente stark zurückgedrängt und der Fokus liegt auf den Aspekten der analytische Erzählung. (77) Eventuell vorhandene Action-Sequenzen werden nicht durch spannende Beschreibungen übermittelt, sondern innerhalb des Auflösungsprozesses von der Figur selbst kommuniziert. Im Detektivroman kommt es also eher zu einem Sezieren des Kriminalfalles als zu einem wirklich direkten ‚Mitfiebern‘ ausgelöst durch eine direkte Bedrohung der Figuren. Die Deduktion stellt sich schlussendlich als „eine Überhöhung der Naturwissenschaften auf Kosten der Emotionalität“ dar.(78)
Diese Aspekte fungieren im Gegensatz zum Thriller, den Nusser folgender Maßen definiert:
Steht beim Detektivroman die Intelligenz des Ermittlers im Vordergrund, verschiebt sich der Fokus beim Thriller auf die spannungsgeladenen Handlungselemente. Actionreiche Passagen mit Verfolgungsjagden, Schusswechseln und Entführungen spielen die wichtigsten Rollen in dieser Unterart des Kriminalgenres. Daraus ergibt sich eine direkte Bedrohung für ermittelnden Figuren, sie schweben stets in unmittelbarer Gefahr. Im Gegensatz zur Rätselspannung des Detektivromans wird eine zielorientierte Zukunftsspannung (Wie geht es aus?) aufgebaut.(79) Das Verbrechen an sich stellt sich weniger als ein Rätsel dar, sondern eher als ein Ereignis, dass weitere Ereignisse nach sich zieht. Demzufolge wird der Rekonstruktion des Tathergangs beim Thriller weniger Beachtung geschenkt als der psychologisierten Täterfigur . Der Gegner erscheint dem Ermittler ebenbürtig, oftmals sogar überlegen und es kommt zu spannenden, direkten Konfrontationen. Die Handlung wird größtenteils chronologisch vermittelt, um die Zukunftsspannung zu erhöhen. Laut Nusser geht es beim Thriller weniger um das Rätsel, als um das Schicksal des Identifikationsobjekts .(80)

Wie bereits weiter oben festgestellt, gibt es auf fanfiktion.de wenig Texte, die allein der Kategorie Krimi zugeordnet sind. Innerhalb der vorherrschenden Romanzen kommt es jedoch hin und wieder zum Einflechten eines Falls. Dieser erfüllt meist allein die Aufgabe, das Leben einer der Figuren direkt zu bedrohen und im Zuge dessen die Angst des anderen Protagonisten um den Partner darzustellen.(81) Durch die Angst wird die Bindung zwischen den Charakteren gestärkt und es kommt nicht selten zu einer erotisch aufgeladenen Spannungslösung.
Auffällig ist, dass bereits die Verfilmung aus dem Jahr 2009 eine Verschiebung zum Thriller darstellt. Zwar gibt es auch Passagen, in denen Holmes durch seine Deduktionsgabe Rätsel löst, diese werden jedoch von stark körperbetonten Szenen unterbrochen. Gerade auch Momente der direkten Bedrohung für eine der Figuren(82) stehen Szenen gegenüber, die sich an die klassischen Elemente des Detektivromans anlehnen(83).
Autoren von FFs scheinen in ihren Geschichten unbewusst oder bewusst etwas Ähnliches zu tun wie die Guy Ritchie Adaption: Sie mischen die bekannten Strukturen des Originals (Detektivroman) mit Elementen des Thrillers, besonders mit Kampfeinlagen, Actionszenen, chronologischem Erzählen, Zukunftsspannung und der direkten Bedrohung für eine der Figuren. Es wäre jedoch falsch von einer kompletten Verschiebung zum Thriller zu sprechen, da unter anderem in den meisten FFs die scheinbar übermenschliche Intelligenz der Detektivfigur weiterhin gegeben ist.
Dennoch lässt sich nicht abstreiten, dass in der FF Szene ein völlig ‚vorlagenfremdes‘ Genre
eine übergeordnete Rolle spielt: Die Romanze. Dabei lassen sich grundlegend zwei Arten von FFs unterscheiden: Einerseits die slash-Romanze (Homosexuelle Liebesgeschichten)(84), andererseits die het-Romanze (Heterosexuelle Liebesgeschichten). Es ist zu beobachten, dass im Fandom Sherlock Holmes heterosexuelle Romanzen meist entweder mit einem Schreiben im Movieverse 2009 einhergehen(85) oder aber eine canonfremde weibliche Figur(86) einführen.
Der Grund hierfür ist, dass in Doyles Romanen keine der Frauenfiguren besonders detailliert gezeichnet wird und der Fokus vor allem auf den beiden männlichen Protagonisten liegt. Es scheint auf den ersten Blick dahingehend wenig verwunderlich, dass sich Fans beim Schreiben von Romanzen vor allem auf den Figurencanon beschränken, der ihnen zur Verfügung steht – und damit zwangsläufig bei der Etablierung einer homoerotischen Beziehung landen.
Doch weshalb schreiben Fan-Autoren in erster Linie Romanzen, selbst wenn diese im eigentlichen Canon nicht angedacht waren?
Black beantwortet diese Frage mit dem Bedürfnis der Fans, ihre eigenen Erfahrungen und Wünsche in den Source Text hineinzuschreiben. Für Black ist FF in erster Linie ein Hybrid aus massenmedialen Elementen und „issues that are meaningful in a young adult life“.(87) Der Fan öffnet den Source Text demzufolge für Dinge, die ihm in seinem eigenen Leben wichtig erscheinen. Dieses Ausfüllen der Leerstellen mit eigenen Wünschen und Bedürfnissen steht durchaus auch in Kontakt mit der Selbstwahrnehmung der Autoren auf fanfiktion.de:

Ich finde es viel einfacher Romanzen zu schreiben, als Krimis. Romanzen lassen sich schneller konzipieren, sind emotionaler und lassen sich besser ausschmücken. Sie zeigen einem sein eigenes Leben, wie man es gerne hätte. Das, was man sich wünscht, drückt man durch solche Romanzen aus (…). Außerdem hat es etwas sehr faszinierendes zu versuchen, aus dem emotionslosen Sherlock Holmes einen verliebten Idioten zu machen. Aber ich vermute, dass es bei den meisten emotionslosen Charakteren (…) ein gewisser Reiz ist, ihnen gefühle anzudichten, die sie in Wirklichkeit gar nicht haben.(88)

Die Autorin Gileth spricht noch einen weiteren Punkt an, der die Dominanz des Genres Romanze erklären könnte. Sie meint, es sei eventuell für die Hobbyautoren einfacher, den Plot einer Liebesgeschichte zu konstruieren als die verworrenen Strukturen eines Krimis. Mave, der einzig männliche Schreiber in der Kategorie Sherlock Holmes , widerspricht dahingehend, dass auch eine gute Romanze nicht leichter zu schreiben sei als ein Krimi.

(…) nur denke ich das bei Krimis noch mehr Kreativität für eigene‘ Fälle gebraucht wird. Oftmals sind die Autoren ja auch noch recht jung (zumindestens auf FF.de) und ich weiß nicht so recht ob Krimis deren bevorzugte Romangattung ist, eine Romanze ist da leichter nach zu empfinden. (Ja, ja, in der Pupertät dreht sich alles nur um das eine…Ne, Quark xD) Außerdem ist die Slash-Gemeinde wohl daran schuld. Slash ist in den letzten Jahren in beinahe allen Fandoms ganz schön populär geworden und im Bereich SH verdrängt die Slashwelle leider die Kriminalgeschichten etwas. Ich könnte mir vorstellen, dass es daran liegt, dass die reinen Krimigeschichten oft nicht so viele Reviews bekommen und auf die ist ja jeder Autor scharf *lach*. (89)

Eine Motivation für das Verfassen von Romanzen im Gegensatz zu Kriminalgeschichten, könnte also an der größeren Aufmerksamkeit liegen, die Romanzen im Fandom bekommen. Obwohl FF-Autoren nicht kommerziell auf die ‚Klick-Zahlen‘ ihrer Geschichten angewiesen sind, arbeiten auch sie nicht im luftleeren Raum und möchten Kritik und Hinweise ihrer Leser. Natürlich möchten die Fan Autoren so viel Aufmerksamkeit wie eben möglich mit ihren Geschichten erregen – man schreibt das, was die Leser wollen. Dies ist im Fandom Sherlock Holmes nicht etwa ein gut durchdachter Krimi, sondern eben eher eine spannende Romanze.

Doyle scheinen Sexualität und Gefühl ein nahezu verbotenes Thema zu sein und ich glaube, genau dieses Verbotene reizt viele Autoren. Irgendwie macht Holmes´ Abneigung gegen Gefühle und Frauen ihn geheimnisvoll; er ist exzentrisch und nicht wie die anderen, deshalb ist er spannend und nicht langweilig. Außerdem besteht zwischen den original Geschichten und den heutigen Stories ja auch ein immenser Zeitraum, das heißt, dass vollkommen unterschiedliches Gedankengut aufeinander trifft. In den Geschichten setzen wir uns auch ein Stück mit der Vergangenheit und der Auffassung früherer Generationen auseinander, unsere Antwort auf Verklemmtheit und Gefühlskälte sind Liebesstories und Gefühlsausbrüche.(90)

Dieses Bedürfnis, den ‚Eisberg‘ Holmes zum Schmelzen zu bringen ist einer der herausragenden Gründe für die Produktion von Romanzen. Es kommt zu einer Emotionalisierung und teilweise auch zu einer gesteigerten Brutalität , um die Figuren an ihre Gefühle heranzuführen.
Aber hat diese Beobachtung auch Einfluss auf den Stil, in dem die FFs verfasst sind oder versuchen einige Autoren sogar, die ’neuen‘ Genreaspekte mit Doyles ‚alter‘ Sprache zu formulieren? Diesen Fragen soll im nächsten Abschnitt nachgegangen werden.

—————————————————————————————————————————————————————————————————————

(72) Stand Ende Februar 2011. Auch bei der Umfrage zeigte sich ein ähnliches Ergebnis (s.h. Anlage)
(73) Diese Struktur entspricht der von Nusser aufgestellten Formel 1. Rätselhaftes Verbrechen, 2. Fahndung nach dem Verbrecher, 3. Rekonstruktion des Tathergangs, 4. Lösung des Falls, 5. Überführung des Täters. Wobei in einigen Fällen von Doyle Punkt 4 und 5 eher vertauscht werden müssten, da der Täter meist überführt wird und Holmes im Anschluss daran die Lösung des Falls Watson und dem Leser präsentiert. Vgl. Ebd., S.26.
(74) „Kompetenzüberprüfung“ Vgl. Ebd. S.28.
(75) Vgl. Ebd., S.26.
(76) Vgl. Ebd., S.35.
(77) Vgl. Ebd., S.33.
(78) Ebd., S.47.
(79) Vgl. Ebd., S.54.
(80) Vgl. Ebd., S.60.
(81) z.B. Inkubus: Die Bekenntnisse des Meisters http://www.fanfiktion.de/s/448de5ba00002dc706701388. „Ich hörte den Schuss nicht einmal. Aber ich fühlte ihn trotzdem. Ich denke, dass ist es, was der Krieg mit einem Mann anstellt. Nach einer Weile kann er die Schüsse nicht mehr hören, und weiß trotzdem, wann sie losgehen. Ich fühlte das stechende Brennen der Kugel, die sich in meinen Rücken bohrte. Es war ein grausamer Schmerz, ich glaube sogar schlimmer als meine früheren Schusswunden. (…) Ich erinnere mich, dass ich – mit dem Kopf voraus – in den Fluss fiel. Als ich ins finstere Wasser eintauchte, war mein erster Gedanke, dass ich nun ertrinken würde, bevor die Kugel Zeit hatte, zu wirken. Aber ich ertrank nicht. Stattdessen packte mich jemand unter den Armen und zog mich zurück aus dem eisigen Wasser. Niemals war mir so kalt gewesen. Dicke Wassertropfen, die beinahe schon zu Eis gefroren waren, fielen von mir ab. Das Gefühl der Kälte ist das Letzte, woran ich mich erinnern kann, ehe alles dunkel wurde. Aber da war eine Stimme. Sie sagte: ‚Nein…nein, oh Gott, was habe ich getan? John…'“ Diese Verletzung ist einer der Auslöser für eine spätere Beziehung zwischen Holmes und Watson.
(82) http://www.youtube.com/watch?v=CQGKgkLAnds Gerade für solche Szenen wurde der Film von Fans teilweise stark kritisiert. Ebenso wie für die auffällig gehäuften Action-Elemente wie http://www.youtube.com/watch?v=J5XBtYwegx0
(83) Endmonolog von Holmes, in dem er rückwirkend alle Fakten in die richtige Reihenfolge bringt. Dieser Monolog wird teilweise durch Kommentare des Bösewichts Lord Blackwood ironisiert.
(84) Auf das Phänomen Slash wird unter dem Analysepunkt Figuren weiter eingegangen.
(85) Der Figur Irene Adler kommt in der Guy Ritchie Adaption eine Rolle zu, die als romantisches Interesse an Holmes gedeutet werden kann.
(86) Sogenannte OC – Original Character. Manchmal Mary Sues oder Self-Inserts.
(87) Black, Rebecca W.: Adolescents and Online Fan Fiction, S.Xiii.
(88) Die Zitate der Autoren aus dem Umfragen wurden wortwörtlich übernommen (Auch die Rechtschreibfehler). Zitat der Autorin Gileth.
(89) Zitat (Umfrage) von Mave.
(90) Zitat (Umfrage) von 13w16-17.

4. Stil – Von der viktorianischen Rationalität zur Metapher?

Der erste Sherlock Holmes Roman erschien bereits Ende des 19. Jahrhunderts. Es ist somit logisch, dass sich der Schreibstil seither verändert hat und Autoren, die sich in der heutigen Zeit kreativ mit dem Stoff auseinandersetzen, auf ein anderes Grundvokabular zurückgreifen. Dies zeigt sich auch auf fanfiktion.de. Die dort aufzufindende stilistische Bandbreite ist ebenso gigantisch wie die Unterschiedlichkeit der Inhalte. Von sehr kurzen Drabbles(91) bis hin zu mehreren hundert Seiten langen Romanen (92) entdeckt man die verschiedensten Abstufungen. Im Grunde lassen sich hinsichtlich des Stils zwei Typen von FFs unterscheiden: Geschichten von Autoren die versuchen, Doyles Schreibstil so gut wie möglich zu imitieren und solche, die eine ganz eigene Form präsentieren. Diese Kategorisierung ist zunächst völlig wertfrei zu betrachten. Außerhalb der Szene scheint die Meinung vorzuherrschen, dass die FF einer Art ’niederen Literatur‘ zuzuordnen wären, da sie nicht von professionell tätigen Autoren verfasst wird. (93) „90% of anything is dreck“ zitiert Pugh Alicia Ann Fox.(94) Selbstverständlich muss man bei der stilistischen Analyse von FFs stets im Hinterkopf behalten, dass es sich bei den Autoren im seltensten Fall um erfahrene, publizierte Schriftsteller handelt. Das Verfassen von Fangeschichten ist ein Hobby und wird von vielen als eine Möglichkeit gesehen, sich selbst zu erproben und weiterzuentwickeln.(95) Es bleibt jedoch festzustellen, dass auf dem Buchmarkt durchaus Werke kursieren, deren Qualitätsstandart unter dem einiger FF anzusiedeln ist.(96) Die korrekte Herangehensweise an eine Analyse des stilistischen Umgangs mit dem Source Text scheint in diesem Sinne eine wertfreie Auseinandersetzung mit den verschiedenen Ver- und Bearbeitungen von Doyles‘ Original zu sein. Doch wie sieht die Satzstruktur, die Erzählperspektive und die Wortwahl im Source Text überhaupt aus?
Die Publikationsgeschichte der einzelnen Canon Sherlock Holmes Abenteuer ähnelt der eines Fortsetzungsromans, bei dem die einzelnen Glieder in sich abgeschlossen fungieren und sich bloß durch Figuren und wiederkehrende Muster auf einander beziehen. Diese Grundform wird in vielen der FFs beibehalten, da die Autoren ihre Geschichten kapitelweise auf die Online-Plattform stellen. Zwischen den einzelnen ‚Uploads‘ können in einigen Fällen Monate oder Jahre liegen. Im Gegensatz zum Original enden viele der Fankapitel aber mit einem Cliffhanger, der die Leser zum ‚Dranbleiben‘ animieren soll.(97)
Laut Thomas Ross steht Sherlock Holmes ganz im Zeichen des viktorianischen Rationalismus . In dieser Zeit herrschte das Idealbild eines Menschen vor, der sich seines eigenen Intellekts bedient und dabei der affektiven Kraft der Emotion nur eine geringe Bedeutung beimisst.(98) Demzufolge ist der Schreibstil von Doyle und auch das Genre (s.h. Detektivroman) weniger auf das Innenleben der Figuren, als auf das Sezieren von Gedankengängen ausgelegt. Der Leser gewinnt niemals eine Innensicht von Holmes‘ Gefühlen, da er ihn nur durch die Augen seines treuen Freundes Watson betrachtet.
In Doyles Original werden die Abenteuer aus einer klassischen homodiegetischen Erzählsituation heraus berichtet. Der Ich-Erzähler ist Doktor John Watson. Man erfährt seine Gedanken und Gefühle, jedoch niemals die des eigentlichen Detektivs. Watson betrachtet Holmes, wie dieser einen seiner Fälle betrachtet, analysiert ihn und kommentiert sein Handeln. Ross sieht in dieser Erzählsituation die Chance, dem Leser ein Identifikationsangebot zu machen und ihn fester in die Handlung zu integrieren. Holmes ist das sprunghafte, ego- und exzentrische Genie und somit eine interessante Figur, aber niemand, in den sich der Leser ‚einfühlen‘ könnte. Der Leser ist an der Figur des Detektivs interessiert, genauso wie auch Watson, empfindet Bewunderung und Zuneigung, beobachtet aber stets mit einer gewissen Distanz.(99) Watson stellt somit ‚das Auge‘ des Lesers dar, nimmt dessen Position des Beobachters und Voyeurs ein. „He is both the storyteller and the buffer between the cold, blinding light of Holmes’s intellect and the reader.“(100)
Doyles Stil selbst gestaltet sich auf dieser Grundlage eher ruhig, formell und weitestgehend ohne Metaphorik.(101) Gerade hinsichtlich der Wortwahl und der Erzählsituation lassen sich interessante Vergleiche zwischen dem Source Text und den Fanadaptionen ziehen.
These stilistische Abwandlungen: Bezüglich des Stils kommt es zu einer Aktualisierung (Vokabular) und einer ‚Metaphorisierung‘ (Innerer Monolog, Aufladung mit Bedeutung).
Dabei sind More Of FF sehr viel häufiger in einem Stil verfasst, der sich am Source Text orientiert. Die Autoren wollen ein Fortleben des Originals imitieren und bedienen sich Doyles Sprache, um diese Imitation so glaubwürdig wie möglich zu machen. Sie können sich dabei an Szenen anlehnen, die ähnlich bereits im Original vorkamen (Deduktion, Fälle etc.). More From Autoren hingegen wagen sich an Szenenbeschreibungen, die Doyle niemals ausformulierte: Die Spanne reicht hier von Innenschauen der Figur Sherlock Holmes bis hin zu explizit erotischen Szenen. Sie müssen für diese Ausschmückungen eine eigene Sprache entwickeln. Diese These zeigt sich auf fanfiktion.de bestätigt.(102) Gerade die vielfältigen Slash-Geschichten sind häufig individuell geschrieben, da sie sich mit ihren ausufernden Liebesszenen schwer bei Doyle direkt bedienen können.
Im Folgenden sollen einige interessante Beispiele von Stilabwandlungen und -adaptionen untersucht werden.
Im Rahmen der Umfrage wurden die Teilnehmer nach ihren favorisierten Autoren innerhalb der Sektion Sherlock Holmes gefragt . Eine der Teilnehmerinnen antwortete darauf mit der Nennung der Autorin KittyWinter, die „eine der besten Pastiche-Autorinnen“ sei, die sie kenne und den Stil von Doyle sehr gut treffe.(103) In der Tat scheinen gerade KittyWinters FFs sehr nahe an die Sprache des Originals zu kommen und sich trotzdem ironisch-augenzwinkernd damit auseinanderzusetzen:

Dem geneigten Leser und enthusiastischen Verfechter des größten Detektivs aller Zeiten dürfte es nicht entgangen sein, dass ich es mir unter dem Pseudonym Arthur Conan Doyles zur Aufgabe gemacht habe, eine Reihe der Abenteuer, die ich an seiner Seite miterleben durfte im wöchentlichen Turnus im Strand Magazin zu veröffentlichen. Ich war immer schon der Ansicht gewesen und bin es auch heute noch, dass die Welt ein Anrecht darauf habe, an dem nie dagewesenen Genie meines Freundes teilzuhaben. Die älteren dieser kleinen Erzählungen oder romantischen Schmonzetten, wie sie Holmes bisweilen zu nennen pflegte, waren bereits in verschiedenen Sammelbänden unter den Titeln „Die Abenteuer des Sherlock Holmes“ und „Die Memoiren des Sherlock Holmes“ erschienen. Auch werden Sie sich an das sinistre Problem um den Horrorhund von Baskerville oder die Begebenheiten um die Sholto-Brüder erinnern und nicht zu vergessen an jenen Fall, der uns beide vor über 20 Jahren zusammenführte. Nie hätte ich zu träumen gewagt, welchen Erfolg meine oft ungelenken und nicht selten ungenügenden Schilderungen nach sich zogen. Holmes machten sie weit über die Grenzen des Königreichs zu einer Berühmtheit- gekrönte Häupter und andere Würdenträger baten den Detektiv bei den delikatesten Angelegenheiten um Beistand. Mich indes verwandelten sie zu einem wohlhabenden Mann, der nicht länger auf die Versehrtenkasse seiner Majestät angewiesen war und welcher an die Tische der erlesensten Soirees der englischen Literatenbohemé geladen wurde.
Als die Öffentlichkeit meinen Freund im Mai 1891 nach den furchtbaren Ereignissen an den Reichenbachfällen für tot glaubten, löste dies eine Woge der Kondolenz aus- wochenlang trugen die Menschen in London schwarze Bandagen an den Ärmeln als Zeichen ihrer Anteilnahme. Sicherlich erinnert sich der Leser an die schmerzhafte Lücke, welcher dieser Hiatus auch in den Seiten des Strand Magazins hinterließ. Jahrelang sah ich mich außer Stande auch nur eine einzige Zeile zu schreiben.(104)

Im Gegensatz dazu stehen beispielsweise die Geschichten der Autorin shirin-de-valure. In Gegen den Schmerz behält sie zwar Watson als Ich-Erzähler bei, entwickelt aber für die Beschreibung seiner Gefühle eine sehr eigene Sprache:

Wenn ich die Augen schließe an Tagen wie diesem, dann denke ich an den Tod in lebhaften Farben. Ich sehe das Schwarz der Erde unter meinen Füßen und blutrote Flüsse, die sie wie kranke Adern zerfressen und höre Schreie der Zerrissenheit, die meine Seele zerbrechen und verstümmeln. Und Schmerz, allgegenwärtiger Schmerz durch Leid und Tod und Verderben, wie ihn kein Mensch erfahren müssen sollte.
Er lauert mir in der Dunkelheit auf.
Er sitzt in meinem Schrank.
Er schläft in meinem Bett.
Er lacht über meine Versuche, mich frei zu strampeln von ihm.
Er wartet auf mich.
Und ich weiß, dass er letztendlich siegen wird. Ich weiß es nach jedem Alptraum, der mich schreiend aus dem Schlaf aufschrecken lässt, ich weiß es nach jedem Versagen meines verwundeten Beins bei Schlechtwetter, ich weiß es nach jedem Aufschrecken bei einem Gewitter, das mich verängstigt, weil es mich an Afghanistan erinnert. Ich weiß es nach jeder Gelegenheit, die mir bewusst macht oder vielmehr einfach nur wieder in Erinnerung ruft, was für ein Wrack ich doch eigentlich bin. (105)

Im Vergleich zu KittyWinter, die ‚ihren‘ Watson mit dem Leser kommunizieren lässt, spricht der Ich-Erzähler bei shirin-de-valure nach Innen. Während die Leseransprache im ersten Beispiel mit der von Doyle kohärent ist, begibt sich shirin-de-valure in einen dramatisch-narrativen Modus, der die intellektuelle Distanz des Lesers zum Geschehen außer Acht lässt. Es kommt zu einer ‚Metaphorisierung‘ der Sprache. Sprachpartikel wie „blutrote Flüsse“ oder die Betonung von Watsons Schmerzen ist in dieser Form selbstverständlich nicht bei Doyle zu finden.(106)
Auch eine Aktualisierung des Vokabulars ist zu beobachten. Während KittyWinter versucht, mit Begriffen wie „sinister“, „Versehrtenkasse“ und „Literatenbohemé“ den ‚Geschmack‘ des Source Texts aufzugreifen, bezieht shirin-de-valure durch Wörter wie „strampeln“, „ein Wrack sein“ etc. ihr eigenes Vokabular stärker mit in die Konstruktion des Stils ein.
Weitere Beispiele hierfür finden sich in der Verschiebung des Point of View (POV, nach Jenkins: Refocalisation). Gerade mit dem Wechsel der Erzählperspektive öffnen sich neue Wege der Bearbeitung und Erweiterung des ursprünglichen Stils. An dieser Stelle lässt sich zwischen der Wahl eines auktorialen Erzählers, eines personalen Erzählers und eines anderen Ich-Erzählers (Holmes, eine andere Figur aus dem Canon oder ein Original Character) unterscheiden. Im Folgenden soll auf die beiden interessantesten Aspekte (Original Character
und Holmes als Ich-Erzähler) eingegangen werden.(107)
Das Einfügen eines Original Characters geht immer mit dem Ausweiten des Source Text Universums einher. Eine neue Figur wird vorgestellt, interagiert mit bereits Bekanntem und ändert die Blickrichtung auf das Original. Gerade wenn die Geschichte aus der Sicht des OCs geschrieben wird, findet eine starke Abwandlung des eigentlich Stils statt. Der OC beschreibt die Situation in einer eigenen Sprache, meist bringt die Autorin der Geschichte ihre persönlichen Ansichten mit in den Text hinein. Eine Extremform dieses Phänomens ist der Self-Insert. Hierbei schreibt sich ein Fan Autor explizit selbst in den Text hinein. Auf fanfiktion.de finden sich zahlreiche solcher Geschichten.

„Komm schon!“ grinste Viskan „Er hat dir gefallen!“ Ich sah sie an „Er ist nicht schlecht. Aber ein Holmes Film ist nun mal kein Actionfilm!“ Wir gingen nach draußen. Auf dem großen Kinoplakat stand in großen Buchstaben „Sherlock Holmes 2“ Vis sah mich lachend an „Ich kann mich nun mal nicht mit Jude Law und Robert Downey jr. anfreunden!“ Viskan stieß mich in die Rippen „Jaaaaa“ sagte sie lang gezogen „Du bist und bleibst ein Brett-Fan!“ lachend wollten wir weitergehen, als sich ein junges Mädchen vor uns stellte und mit glänzenden Augen ansah „Bitte entschuldigen Sie“ sagte sie schüchtern „Aber sind Sie Viskan und Sailor Sunrise?“ Wir sahen uns grinsend an und nickten „Oh mein Gott!“ rief sie „Ich liebe ihre Geschichten! Darf ich…?“ Sie holte nervös ein Buch hervor. Schnell sprach es sich rum, dass wir Autogramme gaben und so konnten wir erst nach einer Stunde Autogramme geben und Fotos machen endlich nach Hause.(108)

In solchen Geschichten findet nicht nur eine Verschiebung des POV hin zu einem OC (hier die Figur Sun, die an die eigentliche Autorin Sailor Sunrise angelehnt ist) und eine Aktualisierung der Sprache statt, sondern auch eine metafiktionale Auseinandersetzung mit dem Canon und der Lebenswirklichkeit. Die Grenzen zwischen FF und Erlebnisbericht verschwimmen und öffnen neue Ansatzpunkte für das Spielen mit dem Stil, der Multimedialität des Fandoms und der eigenen Tätigkeit als Autor.
Während ein Großteil der veröffentlichten FFs Watson als Ich-Erzähler beibehält, wagen sich einige Autoren auch daran aus der Perspektive von Holmes zu schreiben. Wie bereits weiter oben erwähnt, ist der Detektiv die sehr viel schwierigere und komplexere Figur. Tatsächlich ist zu beobachten, dass die meisten Geschichten, die aus Holmes‘ Sicht erzählt werden, qualitativ eher schwach zu beurteilen sind. Dennoch lässt sich eine interessante Herangehensweise an die Figur des Detektivs feststellen, die im weiteren Verlauf der Analyse an Bedeutung gewinnt.

Eigentlich ist es purer Masochismus, dass ich ihn jedes Jahr aufs Neue hierher begleite, sehe, wie sehr er sie noch immer liebt, wie sehr er sie vermisst. Vernehme, wie er mit ihr spricht, vollkommen entgegen jeder logischen, nüchternen Erklärung und über alle Grenzen von Leben und Tod hinaus. Erkenne, dass er niemals mehr sein wird für mich, als er es schon ist und wie ich es mir manchmal, oft erträume. Ich will nicht darüber nachdenken. Ich will zufrieden sein mit dem, was ich habe, mit dem, was er ist für mich, mit meinem Leben, so wie es ist. Ich will über allem stehen, wie die Sonne, die uns erleuchtet und erwärmt und doch so ungerührt ist von unseren Schicksalen.
Ich erleuchte, aber ich bin nicht ungerührt.
Und mit einem letzten Blick zum Himmel drehe ich mich um und gehe zurück zu ihm, dessen Liebe mir niemals gehören wird. Der marmorne Engel schweigt, wie er es immer schon tat, wie er es immer tun wird, und ich tue es ihm nach.
Es gibt nichts zu sagen im Wonnemonat Mai. (109)

Obwohl – oder gerade weil – die FF aus der Sicht von Holmes geschrieben ist, werden die Beschreibungen metaphorisch aufgeladen. Man mag kaum glauben, dass dies die Gedanken des rationalen, stets beherrschten Detektivs sind. Es erscheint dem Leser Out Of Character , dass Sherlock Holmes so etwas wie Liebe für seinen Gefährten entwickeln könnte. „You really are an automaton – a calculating machine (…). There is something positively inhuman in you at times.“(110) lässt Doyle Watson in The Sign of Four feststellen. Dagegen wehrt sich shirin-de-valures Sherlock Holmes „Weil ich, trotz allem, was mein Gefährte über mich schreiben und denken mag, menschlich bin, nur allzu menschlich. Ich lache, ich trauere, bin zornig und erfreut. Ich habe gute und schlechte Seiten, Fehler und Tugenden. Ich hasse. Und ich liebe.“(111)
An diesem Punkt kommt es nicht nur zu einer ‚Metaphorisierung‘ und Aktualisierung des Stils durch Verschiebung des POVs und der Entwicklung eines eigenen Vokabulars, sondern auch zu einer Veränderung in der Figurencharakterisierung. Laut Pugh liegt diese Verschiebung vor allem daran, dass die Fans sich nach einer genaueren Ausdifferenzierung der Figuren sehnen, die ihnen im Original nicht gegeben wird. Sie möchten Szenen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten und in die Emotionen ‚ihrer‘ Figuren eintauchen.(112)

—————————————————————————————————————————————————————————————————————

(91) Literarische Kurzform, deren Ausführungen jeweils genau 100 Wörter umfassen
(92) Die längste Geschichte auf fanfiktion.de in der Rubrik Sherlock Holmes ist die Übersetzung Die Bekenntnisse des Meisters mit 252 034 Wörtern, was über 900 Din A 5 Romanseiten entspricht.
(93) In der Tat ist es beinahe erschreckend, wie viele objektiv betrachtet schlechte FF in der Sekundärliteratur zitiert werden. Diese Textauswahl scheint das Klischee von der dilettantisch geschriebenen, fehlergespickten FF zu bestätigen. Betrachtet man die FF Zitate in der Sekundärliteratur, scheinen es sich viele Wissenschaftler zur Aufgabe gemacht zu haben, in den von Fox angesprochenen 90 Prozent Dreck zu wühlen. Nur wenige wie Pugh oder Jenkins gestehen ein, dass der stilistische Qualitätsunterschied zwischen FF und publizierter Literatur nicht zwangsläufig nur in die eine Richtung zu betrachten ist.
(94) Vgl. Pugh, Sheenagh: The Democratic Genre, S.119.
(95) Auf die Frage, ob man später ein professioneller Autor werden möchte, antwortete rund die Hälfte mit „Ja“. Interessant sind auch die weiteren Gründe, weshalb FFs geschrieben werden: Neben dem Spaß am Schreiben stehen auch rein kommunikative Gründe wie die Diskussion mit Gleichgesinnten weit oben auf der Antwortliste der Teilnehmer.
(96) Vgl. Ebd., S.11. Eine Verallgemeinerung der Qualität von FFs scheint in diesem Sinne nicht angebracht.
(97)z.B. Giuseppe: Die Vergangenheit des Sherlock Holmes http://fanfiktion.de/s/4cf0ceff0001734a06701388.
„Ehe Watson weiter sprechen konnte, hörte er ein seltsames Geräusch. Eine Art Klicken. Das Zusammenstoßen von Metall auf Metall klang in seinen Ohren wieder. Watson drehte seinen Kopf zu dem Kerl um. Auch Holmes sah mit seinen grauen Augen auf. Und beide so sahen sie in den Lauf eines silbernen Revolvers.
‚Was zum- ?‘ und zu mehr kam Watson auch nicht. ‚Ruhe! Sei still!‘, brüllte der Kerl in seinem Rausch. In den Händen den Revolver haltend, der hin und her zwischen Watson und Holmes schwankte. ‚Niemand bewegt sich! Ruhe!‘ ‚Bitte beruhigen-‚, wollte der Doktor noch sagen. Ein weiterer Versuch ihn zu besänftigen.
‚Ruhe, sag ich!!‘ Ein lauter Knall hallte durch die Gasse…“
(98)Vgl. Ross, Thomas W.: Good Old Index: The Sherlock Holmes Handbook. Columbia: Camden House 1997, S.2.
(99) Vgl. Ebd., S.1.
(100) Estleman, Loren D: On the Significance of Boswells, S.Viii.
(101) Ross beschreibt den Stil als „formal, graceful, polysyllabic, repetitiv, florid“. Ross, Thomas W.: Good Old Index, S.1. Es lässt sich feststellen, dass Doyle auf Grund des seriellen Charakters seiner Geschichten tatsächlich zu repetitivem Erzählen neigt. Besonders spezielle Eigenschaften der Figuren werden ständig wiederholt, um auch neue Leser davon in Kenntnis zu setzten. Dabei kommt es allerdings auch häufiger zu Fehlern wie die Frage, wo Watson im Krieg verwundet wurde, wie oft er im Laufe der Handlung verheiratet ist etc. „formal“ und „graceful“ sind zwei Seiten der Medaille des bereits weiter oben entwickelten Rationalismus, der sich auf Handlungen und genauste Deduktionen bezieht. „Polysyllabilic“ lässt sich nur begrenzt nachweisen, es ist jedoch Fakt, dass Doyle zu langen, komplizierteren Wortkonstruktionen neigt, wenn er Holmes‘ im Dialog seine Erkenntnisse erläutern lässt.
(102) Es ist interessant, dass trotzdem die meisten der FF zumindest die Erzählsituation von Doyle übernehmen. Ungefähr zwei Drittel der Geschichten behalten Watson als Ich-Erzähler bei. Nur sieben der auf fanfiktion.de veröffentlichten Geschichten wählen Holmes als Ich-Erzähler. Weitaus häufiger kommt es zu einer Refokalisierung auf einen allwissenden oder personalen Erzähler. Gerade in Liebesgeschichten geschieht es durchaus, dass der Autor die Erzählperspektive zwischen den Kapiteln wechseln lässt, um ein Sich-näher-kommen der Figuren aus beiden Richtungen zu beleuchten.
(103) Aussage der Befragten Buecherratte
(104) KittyWinter: Der Oculus Posteritatis http://fanfiktion.de/s/4d221f6c000157d806701388.
(105) Shirin-de-valure: Gegen den Schmerz http://fanfiktion.de/s/4c7ec032000049b306701388.
(106) Einen interessanten Ansatzpunkt hinsichtlich der verstärkten Nutzung von Metaphern ist auch, dass es den heutigen Fans möglich ist, mit Vorwegnahmen und Andeutungen zu arbeiten, was Doyle damals natürlich nur bedingt konnte. Als Autor wusste er stets mehr als seine Leser. Die heutigen Fans kennen jedoch sowohl den kompletten Source Text als auch Filme und andere Adaptionen. Es kommt in einigen Geschichten zur vermehrten Nutzung von Metaphern, die z.B. auf die Reichenbachfälle hinweisen. Autoren von FFs spielen stellenweise den Luxus aus, dass ihre Leser zumindest mit dem Grundtext ebenso vertraut sind wie sie selbst.
(107)Bereits weiter oben wurde mit Maves Wie Hund und Katz ein besonders bemerkenswertes Beispiel für einen Sichtwechsel zu einer anderen Canon Figur erwähnt: Der Hund Gladstone wird hier zum Ich-Erzähler. Als Beispiel für einen personalen Erzähler bietet sich LadyCharenas Der Sänger an, in dem eine Szene durch die Augen einer Nebenfigur gekonnt ausgeschmückt wird http://fanfiktion.de/s/4787d3db0000675006701388.
(108) Sailor Sunrise: Sun & Vis und das Geheimnis der Babys http://fanfiktion.de/s/4d46ecf9000172e706701388.
(109) Shirin-de-valure: Der Engel schwieg. http://fanfiktion.de/s/4be9a9cd000049b306701388. In der Geschichte begleitet Holmes Watson an das Grab von Mary, dessen erster Ehefrau.
(110) Doyle, Arthur Conan: Sherlock Holmes. The Complete Novels and Stories, S.135.
(111) Shirin-de-valure: Der Engel schwieg.
(112) Vgl. Pugh, Sheenagh: The Democratic Genre, S.20.

5. Figuren – Vom Eisberg zum Liebhaber?

Neben der Unterscheidung zwischen Detektivroman und Thriller beschäftigt sich Nusser in seinen Ausführungen ebenfalls mit der Figur des Detektivs. Auffällig sei, laut Nusser, dass der Ermittler häufig allein als die „Allegorie der analytischen Potenz“ gesehen wird. Dem Detektiv fehlt es durch diese Einschränkung an Emotionen und Charaktertiefe, da sich die Funktion der Figur im Lösen von Rätseln erschöpft .(113) Der Autor des Detektivromans wirkt dieser Erscheinung häufig dadurch entgegen, dass er seinem Protagonisten eine Reihe von exzentrischen Eigenheiten zugesteht, die ihn nahbarer erscheinen lassen.(114) Bei Sherlock Holmes stattet Doyle zu diesem Zweck den Meisterdetektiv sowohl mit seiner Kokainsucht, als auch mit seinem Hang zum nächtlichen Geigenspiel und dem Mangel an Allgemeinwissen aus.(115). Ebenfalls kennzeichnend für die klassische Detektivfigur ist nach Nusser eine gewisse gesellschaftliche Isolation, besonders das Junggesellendasein . Auch Holmes wird im Canon vorgeworfen, über eine geringe, emotionale Intelligenz zu verfügen und nicht mit Frauen umgehen zu können.(116) Holmes‘ Rationalismus steht in der Tradition des bereits erwähnten viktorianischen Verständnisses von Männlichkeit und dem Vorbild des intellektuellen, intelligenten Gentleman.(117) Cox geht sogar soweit, Holmes als „Eisbergcharakter“ zu definieren: Nur ein Achtel des eigentlichen Umfangs seiner Emotionen, Ideen und Besonderheiten sind auf den ersten Blick sichtbar, sieben Achtel lauern unter der Oberfläche.(118)
Man könnte in diesem Zusammenhang davon sprechen, dass sich die Autoren von FFs zur Aufgabe gemacht haben, genau diese verborgenen sieben Achtel zu erforschen. Denn genau die geheimnisvolle Charakterstruktur von Holmes ist es, welche die Leser geradezu auffordert, Gedanken über dessen Vergangenheit und Gefühlsleben anzustellen.
Doktor Watson(119) scheint weniger Objekt der Fanfantasie zu sein. Dies liegt vor allem daran,
dass der Leser sehr viel mehr über den Arzt erfährt, schon allein, weil die Abenteuer aus seiner Perspektive erzählt werden. Er ist ehemaliger Soldat, ein Meister auf dem medizinischen Gebiet und hat im Gegensatz zu Holmes einen Hang zu weltlichen Gütern wie Geld (Er leidet unter einer Spielsucht), Frauen (Er ist mehrmals verheiratet) und Essen („strongly built“).(120) Mit seiner eher gesitteten und gesetzten Ader scheint er dem Leben des Lesers sehr viel näher zu kommen als der Detektiv und bietet weniger Projektionsfläche für
Geheimnisse und psychologische Vorgänge.
„Was wir wissen, ist ein Tropfen; was wir nicht wissen, ein Ozean“(121) – und dieser Ozean war schon immer ein größerer Magnet für den menschlichen Forschungsdrang als der bereits bekannte Tropfen. Watson ist für die Autoren von FF oftmals nur so lange interessant, wie er als Katalysator für Holmes‘ Psyche funktioniert(122). In den FFs wird die Beziehung zwischen den beiden Männern häufig hauptsächlich auf dieser Ebene erforscht: Watson wird zum Grund für das zu Tage Treten der unterdrückten Aspekte von Holmes‘ Persönlichkeit. Die Beziehung der beiden Protagonisten ist in den Romanen und Kurzgeschichten durch eine starke Freundschaft gekennzeichnet.(123) In der Fanszene kommt es auf der Ebene der Figurenbeziehung zu einer Romantisierung und Erotisierung – gerade besonders zwischen den beiden Männern Holmes und Watson.
These Figuren: Im Fall der Charakterisierungen kommt es im Gegensatz zum Original (Ein Achtel Oberfläche) zu einer Übergewichtung der Psyche (Sieben Achtel unter der Oberfläche), besonders bezüglich der Figur Sherlock Holmes. Um diese verborgenen Aspekte ans Licht zu bringen, bedienen sich die Autoren der Emotional Intensification (hurt/comfort) und der Eroticitation (Slash).
Im Folgenden soll es nun zunächst um eine genauere Analyse der Methoden gehen, mit der Fans die verborgenen sieben Achtel ‚Eisberg‘ an die Oberfläche holen
Die durchweg beliebteste Methode, die harte Schale einer Figur zu brechen, ist das Genre
hurt/comfort . In dieser Form der FF wird einem der Charaktere psychisch oder physischer Schaden zugefügt. Dadurch werden dem Protagonisten die eigenen Grenzen aufgezeigt und der ‚weiche‘ Kern seiner Persönlichkeit kommt zum Vorschein. Meist wird dieser Entwicklungsprozess durch eine zweite Figur verdeutlicht, die den Part des Tröstenden einnimmt. Nicht selten entwickelt sich dabei aus der anfänglichen Freund- oder auch Feindschaft der beiden beteiligten Figuren eine Liebesbeziehung. Die ‚hurt Position‘ fällt dabei meist der vermeintlich stärkeren und starreren Figur zu und zwingt sie, Gefühle zu zeigen und auszusprechen, die sie ansonsten verdrängt oder verschlossen hätte. Im Fandom Sherlock Holmes befindet sich demzufolge Holmes meistens in der Position, die Leid erfahren muss, während Watson den tröstenden Part übernimmt(124). Durch die Schmerzen (körperlich oder geistig) kommen die verborgenen sieben Achtel von Holmes‘ Persönlichkeit zum Vorschein, was sich in der FF Szene nicht selten in Schreien, Weinen oder Gewalthandlungen seitens der Figur äußert. Jenkins und Pugh gehen beide davon aus, dass hurt/comfort dabei hilft, starke Figuren Schwächen zeigen zu lassen und sie damit zugänglicher für den Fan zu gestalten.(125) Im Sherlock Holmes Universum ist ein Ansatzpunkt für die beliebten hurt/comfort Geschichten bereits vorgezeichnet: Die Kokain-Sucht des Meisterdetektivs. Seine Abhängigkeit bietet eine breite Assoziationsfläche für Gedankenspiele, da es gerade diese Szenen sind, in denen Holmes bereits im Canon einen gewissen ‚Weltschmerz‘ offenbart.

„It is as clear as daylight,“ I answered. „I regret the injustice which I did you. I should have had more faith in your marvelous faculty. May I ask whether you have any professional inquiry on foot at present?“
„None. Hence the cocaine. I cannot live without brainwork. What else is there to live for? Stand at the window here. Was ever such a dreary, dismal, unprofitable world? See how the yellow fog swirls down the street and drifts across the dun-coloured houses. What could be more hopelessly prosaic and material? What is the use of having powers, Doctor, when one has no field upon which to exert them? Crime is commonplace, existence is commonplace, and no qualities save those which are commonplace have any functin upon earth.“(126)

Gerade diese Melancholie wird von FF Autoren oftmals als Ansatzpunkt in ihrer Geschichten genutzt:

Holmes hat viele Geheimnisse und das macht die Figur so tiefgründig. Wenn er in dem von Doyle beschriebenem Zustand der Langeweile dem Kokain frönt, was geht dann in seinen Gedanken vor? Versucht er einfach nur einen stets wachen Geist etwas zu besänftigen oder versucht er vor etwas zu fliehen? Redet er nicht von der Vergangenheit weil sie ihm quält oder was hat ihn so verschlossen werden lassen? Warum ist er der Mann der er ist? Darauf ist Doyle im Kanon nie wirklich eingegangen. Bei ihm stand Holmes detektivisches Können im Vordergrund und die Geheimnisse um Holmes Privatleben und seine Vergangenheit reizen mich besonders. Ich denke viele Autoren versuchen für sich selbst eine Antwort auf all die Fragen um Holmes zu finden und zeichnen den Charakter dadurch feiner als Doyle es getan hat. So kommt es das Holmes sich mit seinen Gefühlen befasst, sich Liebe und trauer Gegenüber sieht (…) (127)

In vielen der FFs versuchen Autoren, Antworten auf das Verhalten von Holmes zu finden. Bei Doyle gab es für das verschlossene Handeln des Protagonisten keinen psychologisch definierten Grund. Viele der Fan Autoren empfinden dies als unzureichend oder sogar langweilig. Sie sehen es als große Herausforderung, die Balance zwischen dem ’stoischen Canon-Holmes‘ und ihrer eigenen, emotionaleren Interpretation des Detektivs zu finden.(128) Die Autoren möchten die bekannten Figuren mit Situationen konfrontieren, in denen sie ihre Standpunkte überdenken müssen und sie somit aus ihrem vorgeschrieben Raster befreien. Dies geschieht entweder mit Hilfe einer hurt/comfort Situation oder aber mit dem Auftauchen gänzlich anderer, romantischer Gefühle:

Holmes ist eben auch nur ein ‚Mensch‘. Und ich denke schon, dass er geweint hätte, wenn Dr. Watson gestorben wäre. Ich bezweifle, dass er so gefühllos war, zeigte er doch Emotionen. Die Fanfiktions schreiben eben das heraus, was in den Büchern Conan Doyles im Hintergrund stand -die Zwischenmenschlichen Beziehungen. Es ist einfach faszinierend, den rationalen, asexuellen Holmes, der sehr gefühlskalt beschrieben wird, menschlich zu sehen. Zu sehen, wie er agiert und sich verhält, wenn er sich zB verliebt. (129)

Das Einführen einer Liebesgeschichte schlägt in diesem Sinne in die gleiche Kerbe wie das Genre hurt/comfort. Der Grundgedanke ist es, Holmes Extremsituationen gegenüberzustellen, die bei ihm extreme Gefühle wecken und neue Reaktionen provozieren.
In der FF Szene gibt es homosexuelle Liebesgeschichten bereits seit den 60iger Jahren. Als das erste Pairing in dieser Hinsicht gilt Spock/Kirk aus dem Stark Trek Universum. In Fankreisen hat sich für eine solche FF der Begriff Slash durchgesetzt. Slash bezieht sich auf den / zwischen den zwei Partnern einer homosexuellen Beziehung: Also Spock Slash Kirk oder eben Holmes Slash Watson – Holmes/Watson . Eine Slash Geschichte ist demzufolge eine FF in der die erotisch-romantische Beziehung zwischen zwei Männern oder zwei Frauen (Femslash)(130) im Vordergrund steht. Im Fandom Sherlock Holmes ist das am weitesten verbreitete Pairing Holmes/Watson. Sehr viel weniger häufig kommt es zu Beziehungen wie Holmes/Moriarty oder Holmes/Lestrade.(131)
Obwohl Slash in vielen Fandoms sehr verbreitet ist, ist es doch erstaunlich, wie selbstverständlich es im speziellen Fall von Sherlock Holmes von den Fans angenommen wird. 50 Prozent der auf fanfiktion.de aktiven Autoren sind der Meinung, dass eine homosexuelle Beziehung von Holmes und Watson bereits in Doyles Romanen angelegt ist. Rund 37 Prozent geben an, durch einen der Filme auf das Pairing gekommen zu sein(132), gerade mal 13 Prozent lehnen Slash vollkommen ab.Diese Verteilung erstaunt nur auf den ersten Blick, denn der bereits erwähnte Mangel an weiblichen Figuren und der Hang der Autoren im Genre Romanze aktiv zu werden (s.h. Genre) legen ein ‚Ausweichen‘ auf Slash nahe.(133)
Besondere Beachtung bekommt Slash auch in der Sekundärliteratur. Gerade die Frage nach der wachsenden Beliebtheit des Phänomens wird rege diskutiert.(134) Im Folgenden soll kurz auf die wichtigsten Ansatzpunkte eingegangen werden.
Einige Wissenschaftler sehen Slash als eine Unterform von hurt/comfort.

This viewpoint sees slash as a development of hurt/comfort or angst rather than something specifically sexual. If the idea is to open men up to emotion and explore male vulnerability, this is one of the most effective ways to do it.(135)

Sowohl hurt/comfort als auch Slash bringen einen Charakter dazu, Dinge auszusprechen und
auszuagieren, die er normalerweise niemals gesagt oder getan hätte. Zu dieser These scheint zu passen, dass Watson in vielen der erotischen Slash Szenen der aktivere Part zufällt.(136) Durch Watsons sexuell dominierende Position wird der eigentliche Akt dazu benutzt, Holmes‘ arrogantes, stoisches und überlegenes Wesen ‚aufzubrechen‘ und seine verborgenen Seiten zum Vorschein zu bringen.
Ein weiterer Ansatzpunkt für die wissenschaftliche Betrachtung von Slash ist das Verschieben von Geschlechterrollen . Zunächst wird in Fankreisen oftmals die Frage aufgeworfen, weshalb Frauen keine Freude am Lesen von homoerotischen Geschichten haben sollten, wohingegen die männliche Leidenschaft für lesbische Erotik nicht hinterfragt wird.(137) Der weibliche Lustgewinn beim Lesen von Slash-Geschichten scheint eine mögliche Begründung für ihre Popularität zu sein: Zwei attraktive, männliche Figuren werden beim sexuellen Akt oder romantischen Handlungen dargestellt. Die Beschreibung von Erotik dient weniger dem Identifizieren mit einem der Partner, sondern mehr dem Ausnutzen einer voyeuristischen Position . Slash stellt die bisherigen Verhältnisse von männlich (dominant) und weiblich (devot) in Frage. Pugh geht davon aus, dass „Slash may, finally, be more important because of its questioning of sexuality and popular culture than for its specific anwers.“(138) Dabei könnte Slash unter anderem die Bedeutung zukommen, eine Beziehung darzustellen, wie sie aus Sicht der Frau idealerweise sein sollte: Die emotionale Seite des Mannes wird beleuchtet, es geht hier um das Akzeptieren des anderen und weniger um die körperliche Seite der Liebe. Die homosexuelle Beziehung wird oft als eine Utopie begriffen, in der die Verhältnisse von dominant und devot nicht mehr existieren, als „realm where questions of who is the man and who is the woman cannot even be asked.“(139) Während in weiblich/männlichen Beziehung eine Hierarchie herrsche, gäbe es in Slash-Geschichten nur Gleichgestellte.(140) Slash ist also nicht zwangsläufig eine realitätsnahe Abbildung von homosexuellen Beziehungen, sondern eine utopisch verdichtete Demokratie zwischen Liebespartnern . Die Figuren einer Slash Geschichte vereinen sowohl ‚weibliche‘ als auch ‚männliche‘ Aspekte in sich, sie schwingen zwischen einer ambivalenten Geschlechteridentität hin und her und brechen aus vorgeschriebenen Normen aus.(141)
Diese Gedanken hinsichtlich der Verschiebung von Genderidentitäten ist im Sinne einer wissenschaftlichen Betrachtung von Slash sicherlich sinnvoll. Innerhalb der Fanszene ist eine andere Begründung für die Liebe zu Slash, besonders bezüglich Sherlock Holmes , jedoch vorherrschend: Der sogenannte Subtext.

…the writers see slash as reflecting something they have found within the broadcast material. Slash allows for a more thorough exploration of issues of intimacy, power, commitment, partnership, competition and attraction apparent both in the scripted actions of these characters and also in the nuances of the actors performances (ways they look at each other, ways the actors move in relation to each other). What fans have discovered in these programs is a subtext of male homosocial desire.(142)

Fans finden in den Originalen von Doyle und auch in den Filmadaptionen etwas ‚Unausgesprochenes‘ zwischen Holmes und Watson, Lücken im Text, die sie als „gay subtext“(143) interpretieren. Slash ist für sie eine Art von More From FF, die Dinge ausformuliert, die das Ursprungsmaterial aus unterschiedlichen Gründen nicht darstellen konnte oder durfte(144). Der Vorwurf, dem sich solche Fans häufig stellen müssen ist, dass ein solcher Subtext gar nicht existiere, sondern nur von den Autoren und Lesern erfunden wird, um das Schreiben von Slash zu rechtfertigen.(145)

Ich persönlich schreibe keinen Slash, weil er für mich nur eine Erfindung, eine Andichtung ist. In der Zeit, in der Doyle gelebt und geschrieben hat, zählte eine Männerfreundschaft mehr, als nur zusammen Bier trinken und Fußball gucken. Damals zählte Treue und Vertrauen um einiges mehr als heute und so können einige Szenen (zB in „Die Drei Garridebs“, wo watson angeschossen wird) sher einfach als Slash ausgelegt werden.(146)

Trotzdem erfreut sich Slash wachsender Beliebtheit. Das Unausgesprochene, die Möglichkeiten eines Spiels mit Geschlechterverhältnissen und das Konfrontieren bekannter Figuren mit neuen Extremsituationen, scheinen Gründe für diese Faszination zu sein. Gerade die unterschiedlichen Darstellungsformen von Holmes, Watson und ihrer Beziehung zueinander in Doyles Romanen, sowie den darauf aufbauenden Adaptionen, regt die Fantasie der Fans weiter an. Die These, dass es auf der Ebene der Figuren zu einer Romantisierung, Psychologisierung und Erotisierung kommt, kann demzufolge bestätigt werden.

—————————————————————————————————————————————————————————————————————

(113) Dazu der berühmte Ausspruch von Holmes “ My mind rebels at stagnation. Give me problems, give me work.“ Doyle, Arthur Conan: Sherlock Holmes. The Complete Novels and Stories, S.124.
(114) Vgl. Nusser, Peter: Der Kriminalroman, S.45.
(115) Holmes hat u.a. keine Ahnung davon, dass die Erde um die Sonne kreist. Vgl. Doyle, Arthur Conan: Sherlock Holmes. The Complete Novels and Stories, S.11. Zu diesen Besonderheiten der Detektivfigur Holmes passt auch die Beschreibung, die Watson dem Leser bei ihrer ersten Begegnung liefert. “ Holmes was certainly not a difficult man to live with. He was quiet in his ways, and his habits were regular. (…) Nothing could ecceed his energy when the working fit was upon him: but now and again a reaction would seize him, and for days on end he would lie upon the sofa in the sitting-room, hardly uttering a word or moving a muscle from morning to night. On these occasions I have noticed such a dreamy, vacant expression in his eyes, that I might have suspected him of being addicted to the use of some narcotic, had not the temperance and cleanliness of his whole life forbidden such a notion. (…)His very person and appearance were such as to strike the attention of the most casual observer. In height he was rather over six feet, and so excessively lean that he seemed to be considerably taller. His eyes were sharp and piercing, save during those intervals of torpor to which I have alluded; and his tin, hawk-like nose gave his whole expression an air of alertness and decision. His chin, too, had the prominence and squareness which marks the man of determination. (…) His ignorance was as remarkable as his knowledge. Of contemporary literature, philosophy and politics he appeared to know next to nothing.“ Vgl. Ebd.
(116) Besonders in der Kurzgeschichte A Scandal in Bohemia. Vgl. Ebd., S.238ff. Auch Cox bemerkt, dass Holmes „aloof, bitter, brisk, brusque, contemptous, curt, derisive, morose, off-hand, petulent, sarcastic, sardonic, snarling, sneerig, ungracious and definitly not a women’s man“ ist. Cox, Michael: A Study in Celluloid. A Producer’s Account of Jeremy Bretts Sherlock Holmes. Cambridge: Rupert Bocks, 1999, S.215.
(117) Vgl. Ross, Thomas W.: Good Old Index, S.2.
(118) Vgl. Cox, Michael: A Study in Celluloid, S.4.
(119) Auch über die typische „Watson Figur“ hat Nusser Überlegungen angestellt. Da Watson aber im Zusammenhang dieser Arbeit die wesentlich uninteressantere Figur ist, soll an dieser Stelle nur auf Nusser verwiesen werden. Vgl. Nusser, Peter: Der Kriminalroman, S.45 ff.
(120) Vgl. dazu Estleman, Loren D: On the Significance of Boswells, S.Vii ff.
(121) Isaac Newton. Zu diesem Thema äußerten sich auch einige der Teilnehmer an der Umfrage recht einvernehmlich. Zum Beispiel die Autorin mortale: „Das schöne für Fanschreiberlinge ist, dass Doyle sehr viel Raum für Fantasie gelassen hat. Ihm ging es um die Kriminalfälle, also hat er dem Leser keinen detaillierten Einblick in die Psyche der Charaktere gegeben oder Beziehungen erläutert. Das macht besonders Holmes unnahbar und mysteriös. Und damit wäre wir auch schon bei der Faszination. In den meisten Fics dreht es sich um Holmes Innerstes und seine Gefühle zu einer Frau (oder eben Watson) und so weiter, weil er der mysteriösere, düsterere Charakter von beiden Hauptfiguren ist. Man weiß über ihn sehr wenig. Watsons Gefühlsregungen hingegen bekommt man durch Doyles Romane recht gut vermittelt, da sie in dessen Egoperspektive geschrieben sind. Da liegt es nahe, dass Fans sich den, in Nebel gehüllten, Sherlock vornehmen, wenn sie schreiben. Es sind immer diese Art von Charakteren, die in FFs verbaut oder sogar ausgeschlachtet werden. (…)Man interpretiert (vor allem als Fangirl möchte ich meinen) in diese dunklen, verschwiegenen Figuren oft den Weltschmerz und das Unverstanden sein an sich hinein. Dieses endlose, stille Leiden, welches kein Mensch bemerkt, oder lindern kann, wird dann (in den meisten Stories) durch eine unbekannte, schöne, intelligente, freche Frau (oft: Autorin adaptiert sich in die Geschichte) gelindert. (…)“
(122) Natürlich lässt sich dies nicht pauschalisieren. Die Autorin Black Dog z.B. konzentriert sich in ihren Geschichten häufig auf Watsons Vergangenheit beim Militär. z.B. Black Dog: Was verloren wird wieder geboren http://fanfiktion.de/s/4d092c3200019af606701388.
(123) Vgl. Dazu Estleman, Loren D: On the Significance of Boswells, S.xviii. „Literature never produced a relationship more symbiotic nor a warmer and more timeless friendship.“
(124) Ab und an kommt Watson dabei eine Doppelrolle zu. Einerseits ist er der Auslöser für das Leid (Ihm geschieht etwas, er verletzt Holmes psychisch etc.), andererseits ist er letztendlich der tröstende Part. z.B. in Shirin-de-valures Winter Song. Durch Watsons Verhalten kommt eines Abends Holmes‘ Vergangenheit ans Licht und der Detektiv muss von vergangenen Schmerzen berichten. Nach dem Gespräch kommt es zu einer Versöhnung und einem ‚Akt des Tröstens‘, in diesem Fall zu einer erotischen Auflösung. http://www.fanfiktion.de/s/4b8297b0000049b306701388/6. Dabei sind Fans durchaus in der Lage, ihre eigenen Handlungen mit einem Augenzwinkern zu betrachten, vgl. z.b. http://elfkin.deviantart.com/gallery/29238055#/d2sum9z.
(125) Vgl. dazu Jenkins „Experience vulnerability“ „Reason for these men of action to overcome their stoicism. The evoked emotions may be fraternal, maternal, romantic or erotic“ Jenkins, Henry: Textual Poachers, S.209. Und Vgl. Pugh, Sheenagh: The Democratic Genre, S.20f sowie S.77f.
(126) Doyle, Arthur Conan: Sherlock Holmes. The Complete Novels and Stories, S.130.
(127) Aus der Umfrage 18w20. Ähnlich dazu mave: „Was steckt hinter der Rationalität? Wie wurde er so? Schließlich ist normalerweise kein Kind ohne Gefühle und auch asexuelle können sich verlieben. Da Sherlocks Kindheit und Jugend, sogar die Familie (Ausnahme Mycroft obwohl dessen Charakter sehr ähnlich ist) nie erwähnt wurde, lässt dies viel Raum zum spekulieren offen.“ Besonders die Autorin shirn-de-valure schreibt mit Leidenschaft Geschichten, in denen es zumindest am Rande um die Abhängigkeit von Holmes geht. Beispielsweise Stay With Me http://www.fanfiktion.de/s/4ba432e6000049b306701388.
(128) Immerhin gilt das komplette Abweichen von einer Figurenvorgabe in der Fanszene als OOC – out of character – und wird mit harscher Kritik abgestraft.
(129) n der Umfrage von der Autorin blackrider geäußert. Es ist auffällig, wie häufig in den Antworten ein Verweis auf das bereits weiter oben analysierte Genre und die Umgewichtung vom Krimi hin zur Romanze gegeben wird.
(130) Femslash ist in FF Kreisen sehr viel weniger stark verbreitet als Slash. Dies mag vor allem daran liegen, dass die interessantesten Figuren in vielen Fandoms männlich sind, oder aber auch an dem Wunsch, in den ‚harten‘ Figuren eines Canons Gefühle zu wecken. Slash ist oftmals mit dem hurt/comfort Aspekt verbunden. Dazu weiter unten mehr. Gerade bei Sherlock Holmes entfällt das Phänomen des Femslash beinahe vollkommen. Auf fanfiktion.de gibt es nur ein kleines Drabble, dass die Beziehung von Irene Adler und Watsons Frau Mary Morstan etabliert: Mave Confusions http://www.fanfiktion.de/s/4d404d1f00017f6106701388.
(131) Wobei bemerkt werden muss, dass durch die neue BBC Serie Sherlock gerade das Pairing Holmes/Moriarty sehr populär geworden ist. Im ‚klassischen‘ Canon von Doyle jedoch kommt dies beinahe nicht vor. Dies mag daran liegen, dass der BBC Schauspieler von Moriarty durchaus als attraktiv einzuordnen ist, während der Erzfeind zuvor meist von weniger anziehenden Schauspielern verkörpert wurde. Im Canon von Doyle selbst kommt Moriarty zu wenig vor, um die Fantasien der Fans zu beflügeln. Die Attraktivität von Schauspielern gewinnt im Zuge von Slash an Bedeutung und wirkt sogar in die ‚Realität‘ zurück (Real Person Slash). Gerade bei Robert Downey jr. und Jude Law bzw. ihren Verkörperungen von Holmes und Watson spielen die Starpersonae der Schauspieler eine nicht unwichtige Rolle.
(132) Die Autorin Gileth dazu: „Guy Ritchie hat in seinem SH-Film einen gewissen Unterton mit hineingebracht. So, als gäbe es immer etwas Unaussprechliches zwischen Holmes und Watson, was sich sehr, sehr leicht als Slash interpretieren lässt.“
(133) Die beiden einzig ausgefeilten Figuren im Fandom sind nun einmal Männer. Allerdings stößt Slash nicht bei allen auf Gegenliebe. Gerade die Autoren des Originals wehren sich regelmäßig vehement gegen diese Fanpraktik.
(134) Jenkins widmet Slash z.B. einige Kapitel seines Textual Poachers und ordnet diesen Geschichten sogar eine gänzlich eigene Struktur zu. Vgl. Jenkins, Henry: Textual Poachers, S.230f.
(135) Pugh, Sheenagh: The Democratic Genre, S.94.
(136) Z.B shirin-de-valure: Winter Song http://www.fanfiktion.de/s/4b8297b0000049b306701388/6: „Er wehrte sich nicht und ich umfasste sein Gesicht, um ihn noch einmal gierig zu küssen und meine Hände dann schmerzhaft fest in seinen Haaren zu vergraben und daran zu ziehen. Ein leises Zischen entwich ihm, doch er sagte nichts, sondern schlang lediglich instinktiv die Arme um mich, um sich abzustützen, als ich ihn auf die Matratze rammte und fest in die Schulter biss. Mit einigen wenigen, nicht gerade behutsamen Griffen entkleidete ich ihn und fuhr fast wie von Sinnen über die im spärlichen Kerzenschein golden schimmernde, stellenweise vernarbte Haut, unter der ich angespannte, gut ausgebildete Muskeln ertastete, die unter meinen Fingern unwillkürlich kontrahierten. Wann immer ich eine besonders empfindliche Stelle berührte, gab Sherlock einen fast unhörbaren Laut von sich, der mein inneres, heiß brennendes Verlangen noch mehr entfachte, was nicht gut war- hatte ich doch bereits fast jedwede Kontrolle über mein Handeln verloren.“
(137) http://historicromance.wordpress.com/2008/08/15/why-do-women-write-mm-romance/ „Just as many men enjoy the thought of two women together, many women enjoy the thought of two men together. Why not? Men are sexy. If you’re reading a story in which they are both viewpoint characters you have the treat of being able to identify with whichever hero you find it easiest to empathise with and still be able to admire the other one through his eyes.“ Oder auch aus der Umfrage gegriffen 15w18-20: „Ich lese leidenschaftlich gern Slash. Zugegebenermaßen, kommt es selten vor, dass ich es nicht lese oder schreibe, bzw. etwas ohne Slash lese oder schreibe. Warum? Ich begründe es mit meiner Liebe zum exotischen. Die Welt, das Leben, der Alltag ist normal genug. Warum dann nicht mal in eine etwas verheißungsvolle Welt eintauchen und genießen? Außerdem ist es mittlerweile auch zu einer Art Entspannungsmethode geworden. Manchmal entdeckt man neues, manchmal ist es einfach prickelnd Sex und andere Gradwanderungen auf eine andere Art aufzunehmen, es zu lesen und nur in der Fantasie zu genießen. Da ich für einiges offen bin, habe ich auch keine Berührungsängste in der Hinsicht. Ich habe einer Freundin mal gesagt, dass es so ist, wie bei Männern und ihren Pornos. So ungefähr, ja.“
(138) Pugh, Sheenagh: The democratic genre, S.190.
(139) enkins, Henry: Textual Poachers, S.192. Vgl. auch Pugh, Sheenagh: The democratic genre, S.189. Slash löst die vorgegebenen Genderrollen auf und stellt somit eine utopische Alternative zur gängigen Geschlechterverteilung dar. Durch diesen Umstand läuft Slash auch immer Gefahr, seine Protagonisten zu verweiblichen. Die Spitze dieses Problems ist das sogenannte mpreg. In solchen Geschichten wird einer der männlichen Protagonisten schwanger. Es gibt jedoch einige Geschichten, die sich mit ihrer Beschreibung männlicher Lust gewollt gegen die vorgeworfene ‚Verweiblichung‘ zu Wehr setzten. z.B. Inkubus (Übersetzerin, original von amalcolm1): Die Bekenntnisse des Meisters. http://www.fanfiktion.de/s/448de5ba00002dc706701388/19. Die dort beschrieben sexuellen Handlungen greifen das beschriebene Problem auf: „Es war mit Sicherheit der verworrenste, unromantischste, fleischlichste und sinnlichste Liebesakt, an dem ich jemals beteiligt gewesen war. Er drückte seinen Mund so hart auf meinen, dass es fast schon schmerzte, doch er ließ nicht zu, dass ich mich zurückzog. Seine Zunge schlug heftig gegen meinen Gaumen, seine Lippen waren rau, sein Gesicht unrasiert, sein Stöhnen klang tief und kehlig. Ich hätte mir nicht vormachen können, er sei eine Frau, selbst wenn ich über die ausgeprägteste Vorstellungskraft auf diesem Planeten verfügt hätte.
Ich war es nicht gewohnt, mit jemandem um die Dominanz kämpfen zu müssen, und ganz besonders nicht mit jemandem, dessen Stärke der meinen ebenbürtig war. Aber irgendwie schaffte ich es trotz seiner Beharrlichkeit, ihm einen Stoß gegen die Schulter zu versetzten, sodass wir mit einem Rumms in vertauschten Positionen auf der Matratze landeten. Ich war es mit Sicherheit eher gewohnt, oben zu liegen und drückte ihn mit meinem Körper auf das Bett. Er griff nach meinem Überrock und riss ihn mir beim Versuch ihn auszuziehen einfach vom Leib. Mit so viel Respekt, wie ich gerade noch für die Kleider aufbringen konnte, hielt ich ihn mit einer Hand nieder und entledigte mich mit der anderen von Hemd und Krawatte. Ich fühlte wie zwei Knöpfe dabei abrissen. Ich versuchte nicht einmal, die Hose auszuziehen. Ich zerrte den Hosenschlitz auf und das war genug. (…)
Als wir von einander abgelassen hatten, lagen wir beide auf dem Bett, das für zwei Männer kaum groß genug war. Wir rangen beide immer noch um Atem und für lange Zeit herrschte Schweigen. Ich kann nicht für Holmes sprechen, aber ich war mir ziemlich sicher, dass wenn wir uns diese Nacht ausgemalt hatten (falls wir das getan hatten), hatten wir sie uns sicher anders vorgestellt. Ich selbst hatte mir nur einen langsamen und methodischen Liebesakt vorstellen können, so wie es mit meiner Frau gewesen war. Selbst in jenen Tagen mit anderen Frauen hatte es immer einen gewissen Grad der Schönheit an sich gehabt. Das hier war völlig anders. Es war energisch, heftig, verzweifelt und ungeplant gewesen. Es war einfach passiert. Wir hatten uns keine Zeit genommen; wir hatten uns nicht die Zeit genommen, miteinander zu flüstern, einander Vergnügen zu bereiten und herauszufinden, was dem anderen gefiel. Es war ein gnadenloser, gieriger Kampf gewesen, wir beide wahnsinnig, beunruhigt, verzweifelt in unserem Verlangen. Nach all diesen Monaten, all diesen Jahren hatten wir uns nicht mehr beherrschen können. Anm. der Autorin: [1] Ich muss hier einfach auf die vielen Slash-Fictions eingehen, die ich gelesen habe. Es scheint so, als würden viele Leute glauben, Männer seien so eine Art Superhelden mit der Manneskraft von Zuchthengsten. Kommt schon, das sind menschliche Wesen und zwei, drei oder sogar vier Mal hintereinander ist einfach unrealistisch. Okay, danke, dass ihr euch mein Gejammere anhört.“
(140) Vgl. Jenkins, Henry: Textual Poachers, S.192.
(141) Ebd., S.194 „In slash, both characters can be equally strong and equally vulnurable, equally dominant and equally submissive, without either quality being permanently linked to their sexuality or their gender.“ Vgl. auch Reichert, Ramon: Amateure im Netz, S.203. Reicherts Kompetenz auf dem Gebiet Slash muss jedoch mit Vorsicht genossen werden: Er bezeichnet „Moulder [sic!]/Scully“ als Slash Pairing, obwohl Dana Scully aus dem Akte X Fandom ganz eindeutig eine Frau ist und ihre Beziehung zu Fox Mulder somit eine heterosexuelle Liebe darstellt.
(142) Jenkins, Henry: Textual Poachers, S.202.
(143) Pugh, Sheenagh: The Democratic Genre, S.95.
(144) Im Canon Sherlock Holmes ist der Ansatzpunkt, dass auf Sodomie zur damaligen Zeit die Todesstrafe stand, eine große Inspiration. Pugh erwähnt dies auch ausdrücklich im Bezug auf Sherlock Holmes FFs. Vgl. Ebd., S.104. Die drohende Lebensgefahr für die Protagonisten macht eine homosexuelle Liebe ‚dramatischer‘ und spannender. Prinzipiell bieten die Hindernisse, die während einer homosexuellen Beziehung (Coming Out, etc.) viele Möglichkeiten. In eine ähnliche Kerbe schlägt zum Beispiel auch der Ansatz des Literaturwissenschaftlers Hans-Heino Ewers. Er betonte auf einer Tagung im Jahr 2010 zum Thema Liebesliteratur für Jugendliche, dass die „wahren Dramen nur noch in der homosexuellen Literatur möglich“ seien. Ein Beispiel für eine FF, die das Thema der Todesstrafe aufgreift ist Maves Tränen Toter Augen http://www.fanfiktion.de/s/4ce2a20100017f6106701388
(145) Vgl. Pugh, Sheenagh: The Democratic Genre, S.98. In einigen Fällen bekommen Fans jedoch Hilfe von unerwarteter Seite. Der Regisseur Guy Ritchie, betonte in einem Interview, dass er Holmes für homosexuell hält. http://www.youtube.com/watch?v=n-Uzmpz5eR0
(146) Aus der Umfrage gegriffen. Autorin Gileth.

6. Fazit

For most literary scholars, film critics and „mundanes“ they are a curious phenomenon made up of happy ending junkies, cheesy narrative geeks and anti-feminist desperate housewifes. (…) for people who are in the scene they are experts of the (…) canon, creative non-professional writers and a precious source of critical observation(147)

Autoren von FFs haben kein leichtes Leben. Von professionellen Schriftstellern verlacht, von Wissenschaftlern seziert und von Außenstehenden als besessene, nicht lebensfähige Freaks abgestempelt, wurde ihr Hobby in den vergangenen Jahren dank des Internets von einem Nischenphänomen zu einer Massenbewegung. Dennoch müssen sie sich immer noch mit den Vorwürfen auseinandersetzen, bei vorhandenen Texten zu stehlen und Originale bloß zu kopieren. Am Anfang dieser Arbeit stand die Frage, inwieweit FF sich jedoch vom eigentlichen Canon unterscheiden können und dürfen, um ihre ‚abhängige Eigenständigkeit‘ vom Source Text zu behalten. Anhand einer Umfrage wurde festgestellt, dass die Elemente Genre, Stil und Figuren von Fans als die wichtigsten Aspekte eines Source Texts genannt wurden. Die Frage wurde aufgeworfen, welche Änderungen der Source Text hinsichtlich dieser drei Punkte in der FF Szene erfährt. Um eine Antwort darauf finden zu können, beschäftigte sich der erste Teil dieser Arbeit mit den allgemeinen Begriffen des Phänomens FF. Es wurde eine Definition gefunden und eine kurze Geschichte des Fandoms Sherlock Holmes gezeichnet. Das Fandom gilt als eines der ersten bekannten seiner Art und der vorübergehende Tod des Meisterdetektivs zog einige der ersten FF überhaupt nach sich. Doch nicht nur aus diesem Grund eignet sich Sherlock Holmes ganz besonders für eine exemplarische Analyse der FF Szene. Viele der von Jenkins aufgestellten Grundtypen der FF finden sich in diesem Fandom wieder und auch der Umstand, dass sich FFs sowohl auf die verschiedenen Verfilmungen als auch auf die Romane beziehen können, spielt der Analyse in die Hände. Gerade die von Jenkins angesprochenen Aspekte von Genre Shifting, Refocalization, Emotional Intensification und Eroticitation lassen sich auf die von Fans und Wissenschaft als zentral gesehenen Elemente von Genre, Stil und Figuren beziehen.
Der zweite Teil dieser Arbeit beschäftigte sich aufbauend auf den Ergebnissen des ersten Teils mit Beispielen aus dem Sherlock Holmes Bereich auf fanfiktion.de und untersuchte sie im Hinblick auf Genre, Stil und Figurenkonzeption im Vergleich zu Doyles Original.
Bezüglich des Genreskonnte festgestellt werden, dass es sich bei den meisten FFs um eine Mischform aus Doyles Original mit Strukturen des Thrillers und der Romanze (Heterosexuell oder Homosexuell) handelt, es also zu einer Verschiebung weg vom Detektivroman kommt. Dies liegt vor allem daran, dass Fans versuchen, den eher ‚emotionsarmen‘ Source Text Sherlock Holmes mit Emotionen wie Spannung und Liebe aufzuladen, um den Charakteren mehr Tiefe u verleihen
Der Stil von Doyles Romanen und Kurzgeschichten ist, ähnlich wie die eigentliche Handlung, eher von Rationalität und Struktur geprägt, als von Metaphern und Gedankenströmen. In der FF Szene hingegen kommt es bezüglich des Stils zu einer Aktualisierung es Vokabulars und einer ‚Metaphorisierung’er Sprache. Dies zeigt sich vor allem in Geschichten sehr deutlich, die sich fernab von Doyles Kriminalfällen in den Bereichen von Romanze und Thriller bewegen, da die Autoren in diesen Fällen einen eigenen Stil entwickeln müssen, um die Gefühle der Figuren darstellen zu können. Auch gerade durch den Wechsel der vorgegebenen Erzählperspektive st es den Autoren möglich, besonders das Innenleben der Detektivfigur zu erforschen. Dennoch gibt es auch Beispiele für FFs die versuchen, Doyles Stil so genau wie möglich zu imitieren, um das Gefühl zu erwecken, ihre Geschichte wäre ’nur ein weiteres‘ Stück in Doyles originalem Canon.
Es lässt sich an dieser Stelle feststellen, dass auch die Unterschiede hinsichtlich des Genres und des Stils größtenteils auf eine Veränderung bezüglich der Figurenkonzeption hinauslaufen. Das Genre wird verändert, um mit Spannung und Emotion die Charaktere zu intensivieren. Der Stil wird ‚metaphorisiert‘, um einen genaueren Blick auf das Innenleben der Figuren zu gewährleisten. Der Aspekt der Figur scheint demzufolge der zentrale Zielort des Fanumgangs mit dem Source Text zu sein. Alle Stränge der Adaption laufen auf diesen Punkt hinaus. Fans reicht es nicht, dass sich die Figur von Holmes auf die Deduktion von Rätseln beschränkt. Sie geben sich nicht damit zufrieden, dass sieben Achtel des ‚Eisbergcharakters‘ weiter unter der Oberfläche schlummern. Sie packen diese verborgenen Emotionen von Holmes mit ihren Genreänderungen, Stiladaptionen und Figurenbeschreibungen am Kragen und ziehen sie mitten hinein in ihre Texte. Es kommt zu einer Psychologisierung, Emotionalisierung und Erotisierung des Source Texts. Die Endthese dieser Arbeit lautet demzufolge, dass es bei den Fanadaptionen von Sherlock Holmes zu einer Aufladung des Stoffs mit vor allem romantischen (Slash wurde als Beispiel diskutiert) und tragischen Gefühlen (hurt/comfort) kommt, die auf diese Weise in der Vorlage nicht zum Tragen kommen. Dies liegt vor allem am Bedürfnis der Fans, den Fokus der Vorlage von der Deduktion auf die Individualisierung der Charaktere und ihrer Beziehungen zueinander zu verschieben.
Obwohl Doyle nun schon seit Jahren tot ist, geht eine ungebrochene Faszination von Sherlock Holmesaus. Immer neue Filme werden gedreht, Profics veröffentlicht und FF geschrieben. Wie bereits am Anfang dieser Arbeit erwähnt, kann die Analyse eines Fandiskurses stets nur eine Momentaufnahme sein. Der Bereich der FF ist ein sich immer weiterentwickelnder, sich stündlich, ja, sogar sekündlich verändernder Textkorpus. FF ist ein Prozess, der in diesem Sinne für die Wissenschaft auch in Zukunft interessant bleiben wird.
To be continued…

—————————————————————————————————————————————————————————————————————

(147) Grandi, Roberta: Web Side Stories, S.23.

Ich habe die kompletten Umfragen extra nicht angehängt, da ich nicht genau weiß inwiefern die Leute damit einverstanden sind, dass dort ihre Antworten stehen. Einzelne Fragen bitte an mich.