Novemberrevolution – Sturz der Monarchie im Deutschen Reich

Die Novemberrevolution

Die Deutsche Revolution oder Novemberrevolution (deutsch: Novemberrevolution) war ein Bürgerkrieg im Deutschen Reich am Ende des Ersten Weltkriegs, der dazu führte, dass die deutsche Bundesverfassungsmonarchie durch eine demokratische parlamentarische Republik ersetzt wurde, die später als Weimarer Republik bekannt wurde. Die Revolutionszeit dauerte vom November 1918 bis zur Verabschiedung der Weimarer Verfassung im August 1919.

Die Ursachen der Revolution waren die extremen Belastungen der Bevölkerung während der vier Kriegsjahre, die starken Auswirkungen der Niederlage auf das Deutsche Reich und die sozialen Spannungen zwischen der Bevölkerung und der Elite der an der Macht befindlichen und gerade den Krieg verlorenen Aristokraten und Bourgeoisie.

Die Wurzeln der Revolution lagen in der Niederlage des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg und den sozialen Spannungen, die sich kurz darauf zuspitzten. Die ersten Revolutionen wurden durch die Politik des Oberkommandos der Bundeswehr und dessen mangelnde Koordination mit dem Marinekommando ausgelöst. Angesichts der Niederlage bestand das Marine-Kommando darauf, mit seinem Marine-Befehl vom 24. Oktober 1918 zu versuchen, eine katastrophale Schlacht mit der britischen Royal Navy auszulösen. Die Schlacht fand nie statt. Anstatt ihren Befehlen zur Vorbereitung des Kampfes gegen die Briten zu gehorchen, führten deutsche Seeleute am 29. Oktober 1918 einen Aufstand in den Seehäfen von Wilhelmshaven an, gefolgt von der Kieler Meuterei in den ersten Novembertagen. Diese Unruhen verbreiteten den Geist der Bürgerunruhen in ganz Deutschland und führten schließlich zur Ausrufung einer Republik am 9. November 1918. Kurz darauf gab Kaiser Wilhelm II. seinen Thron auf und floh aus dem Land.

Die Revolutionäre, inspiriert von sozialistischen Ideen, übergaben die Macht nicht wie die Bolschewiki in Russland an Räte im sowjetischen Stil, weil die Führung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) gegen ihre Gründung war. Die SPD entschied sich stattdessen für eine Nationalversammlung, die die Grundlage für ein parlamentarisches Regierungssystem bilden sollte. Aus Angst vor einem totalen Bürgerkrieg in Deutschland zwischen militanten Arbeitern und reaktionären Konservativen plante die SPD nicht, die alte deutsche Oberschicht ganz von ihrer Macht und ihren Privilegien zu befreien. Stattdessen versuchte sie, sie in das neue sozialdemokratische System zu integrieren. Dabei strebten die SPD-Linken ein Bündnis mit dem Oberkommando an. Dies ermöglichte es der Armee und den Freikorps (nationalistische Milizen), den kommunistischen Spartakistenaufstand vom 4. bis 15. Januar 1919 mit Gewalt zu unterdrücken. Im gleichen Bündnis politischer Kräfte gelang es, die Aufstände der Linken in anderen Teilen Deutschlands zu unterdrücken, so dass das Land bis Ende 1919 vollständig befriedet war.

Die Wahlen zur neuen Weimarer Nationalversammlung fanden am 19. Januar 1919 statt. Die Revolution endete am 11. August 1919, als die Weimarer Verfassung verabschiedet wurde.

Deutschland in der Zeit von 1916 bis 1919

Um die Revolution 1918 verstehen zu können, sollte man mindestens in das Jahr 1916 zurückblicken, ab welchem sich folgende Situationen auftaten: Seit 1914 herrschte Krieg im deutschen Reich, doch die anfängliche Kriegsbegeisterung wurde 1916 von verlustreichen Schlachten, von der Kriegsmüdigkeit abgelöst. Außenpolitisch wollte die 3. Oberste Heeresleitung mit Paul von Hindenburg und Erich Ludendorf die Kriegsführung deswegen verschärfen, um den Krieg noch gewinnen zu können. Da die Oberste Heeresleitung den Krieg führte und somit auch die Verantwortung für politische Entscheidungen trug, befand Deutschland sich zu dieser Zeit in einer konstitutionellen Monarchie, in welcher der Kaiser jedoch keine entscheidende Rolle mehr spielte.

Für die Dauer des Krieges wurde von den politischen Parteien feierlich ein „Burgfriede proklamiert. Kaiser Wilhelm 2. prägte bei Kriegsbeginn den Satz „Wenn es zum Kriege kommen soll, hört jede Partei auf, wir sind nur noch deutsche Brüder“. Die Reichsregierung honorierte das mit Zugeständnissen, z.B. versprach sie innenpolitische Reformen, aber erst für die Zeit nach dem Kriege. Jedoch innerhalb der SPD herrschten Spannungen. Der linke Flügel der SPD, unter Karl Liebknecht (Reichstagsabgeordneter) beugte sich bei der ersten Kriegkrediten Bewilligung der Fraktionsdisziplin, aber bei der zweiten stimmte er als einziger mit einem „Nein“. Am 1. Mai 1916 rief er. „Nieder mit dem Krieg! Nieder mit der Regierung!“, er wurde darauf hin festgenommen, aber dieser Flügel trennte sich von der SPD und bildete den linksradikale Spartakusbund.Die Gesellschaft im deutschen Reich durchlebte zu dieser Zeit den sogenannten „Steckrübenwinter“, ein Lebensmittelmangel der zur Hungersnot führte, teilweise ausgelöst durch eine Seeblockade Englands. Sie war aufgrund dieser Entbehrungen desillusioniert und empört, da sie außerdem vollkommen uninformiert über die aktuelle Kriegssituation gelassen wurde und wirtschaftlich durch das „Hindenburg-Programm“ (Vaterlandhilfsdienstgesetz) einbezogen und zur Kriegsproduktion verpflichtet wurde.

1917 kam es auf politisch administrativer Ebene zur Spaltung der SPD. Die „alte SPD“, nun MSPD, wurde zur Volkspartei, welche vor Kriegsbeginn für die Kriegskredite gestimmt hatte und sich dadurch nach dem Krieg einflussreichere Chancen errechnete (einst durch die sozialistische Gesetze verboten und nun das Ziel Volkspartei zu werden). Die Opposition bildete die „neue SPD“, die Unabhängige Sozialdemokratische Parte (USPD). Der der Kreis um Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, die sich mittlerweile in der Spartakusgruppe organisiert hatten, traten der USPD bei. Außenpolitisch gab es im Jahr 1917 zwei Faktoren, die gravierend auf Deutschland einwirkten. Das war zum einen die Oktoberrevolution in Russland, welche ein Vorbild für die Räterepublik wurde und die linksorientierte USPD ansprach. Zum anderen wurde mit dem Kriegseintritt der USA und der 14- Punkte-Forderung (Wilson Doktrin, Beginn der amerikanischen Interventionspolitik), welche die Grundbedingungen einer Friedensordnung, diese beinhaltete Deutschland radikal zu demokratisieren und zwar in Richtung einer parlamentarischen Demokratie, die MSPD angesprochen. Beide Parteien waren sich einig, dass nur ein Friede der Verständigung zur Beendigung des Ersten Weltkrieges führen würde, d.h. es bestand ein kollektives Interesse des Waffenstillstandes. Das „Dekret über den Frieden“ von Lenin (Lenin durch die Oktoberrevolution an der Macht von Russland), welches darin allen Kriegführenden Ländern einen sofortigen Waffenstillstand vor schlug, hatten einen großen widerhall in den Ländern. Wenige Tage nachdem die Friedensbotschaft verkündet worden war, begannen Verhandlungen mit der deutschen Regierung, und einen Monat später schwiegen an der deutsch-russischen Front die Waffen (Dezember 1917, Waffenstillstandsvertrag zwischen Deutschland und Russland in Brest- Litowsk). Den endgültigen Frieden brach der Friedensvertrag von 1918 zwischen Russland und Deutschland („Diktatfrieden“, weil Deutschland Russland die Friedensbedingungen diktierte; Russland musste mehrere eroberte gebiete abtreten). Damit war die Versorgung der Bevölkerung wieder stabilisiert.

Die aussichtsreiche Lage der Alliierten und die Einmischung der US-Truppen zwangen Deutschland in seiner aussichtslosen Situation zu Waffenstillstandsverhandlungen. Diese veranlassten die Oberste Heeresleitung zu einer „Flucht nach vorne“. Von März bis Juli 1918 begann die letzte Offensive des deutschen Heeres. Im August stoßten die Alliierten an der Somme vor. Am 29. September verlangte Ludendorf von der Reichsregierung, sie solle sofort mit der Entente Verhandlungen über einen Waffenstillstand aufnehmen. Die Lage sei so ernst, dass die deutsche Front täglich zusammenbrechen könne. Der angestrebte Siegfrieden war somit nur noch eine Utopie. Der neu eingesetzte Reichskanzler, Prinz Max von Baden, bat in einer Note an den Präsidenten der USA um einen Waffenstillstand.

Unter der Oktoberreform 3.10.1918 ( von Prinz Max von Baden, welcher einen Versöhnungsfrieden vertrat) kam es offiziell zum Übergang der konstitutionellen Monarchie unter dem Kaiser zu der konträren parlamentarischen Monarchie, regiert durch die Parteien. Trotz allem blieb der Kaiser als repräsentatives Symbol vorhanden. Die Reform der Verfassung (Oktoberverfassung)bestand aus einer behutsamen Erneuerung, aber keinem Bruch mit dem alten System. Die Rechte des Reichstages wurden in der Reform gestärkt. Der Reichskanzler war von nun an dem RT verantwortlich. Die Reform bildete einen schritt hin zur Parlamentarisierung, inhaltlich war die MSPD damit zufrieden, die USPD hingegen nicht. Die neuen Machträger, die Parteien, bildeten eine vom Parlament getragene Regierung unter dem Reichskanzler Max von Baden. Durch ihre Erneuerung der Machtverhältnisse hatte die Oberste Heeresleitung eine Revolution von oben durchgeführt. Das befriedigte zunächst das Volk, welches für Frieden und eine neue Reform der Regierung plädierte.

Durch einen geschickten Schachzug entzog sich die Oberste Heeresleitung sich außerdem der Verantwortung über den verlorenen Krieg. Sie konnten sich die Niederlage nicht selber eingestehen und initiierten eine Verschwörungstheorie, nach der die Frage der Kriegsschuld auf MSPD, Zentrum und die Fortschrittliche Volkspartei verlagert wurde, weil diese durch die Oberste Heeresleitung die Regierung übertragen bekamen und den Waffenstillstand und damit die Kapitulation des deutschen Reiches gewährten. Die Oberste Heeresleitung gab danach bekannt, dass das deutsche Heer im Krieg „im Felde weiterhin unbesiegbar“ gewesen wäre und durch den beschlossenen Waffenstillstand der Parteien einen Dolchstoß erlitten (Dolchstoßlegende) hätte. Denn eigentlich wollte die Oberste Heeresleitung das System der Monarchie und die Macht der alten Eliten erhalten und keine Gebietsverluste hinnehmen müssen.

Den ersten Auftakt zur Novemberrevolution bildete die Marine mit ihrem Befehl, die letzten Flotten auslaufen zu lassen, um eventuell noch etwas an der Seefront zu bewegen. Dies stieß bei den Matrosen auf unerwartete Ablehnung und es kam zur Meuterei am 03.11.1918. Die Matrosen waren ein Katalysator für die kollektive Sehnsucht nach Frieden und die Empörung über die Kriegspolitik der Herrschenden. Der Aufstand ergriff die breiten Massen und es begann eine landesweite Revolution, Ulrich Kluge beschrieb das folgendermaßen: „Die Kaserne revolutionierte die Fabrik“. Zudem entstanden Arbeiter- und Soldatenräte.Am 7.11.1918 trat durch Kurt Eisners Durchsetzen der Rätedemokratie in Bayern der bayrische König ab. Diese revolutionäre Handlung griff schnell auf andere Adelshäuser über. Bayern wurde mit seiner funktionierenden Herrschaftsform (Ruhe und Ordnung in den Straßen, funktionierender Verkehr, Nahrungsmittelproduktion,…) Vorbild für Deutschland.

Ab dem 8.11.1918 herrschte letztendlich Waffenstillstand. Einen Tag später, am 9.11.1918, dankte der Reichskanzler Max von Baden ab. Außerdem wurde die Abkündigung Kaiser Wilhelms II verkündet (offizielle Abdankung am 20.11.1918) und Friedrich Ebert von der MSPD bekam das Amt vom ehemaligen RK übertragen. Kurze Zeit später rief Philipp Scheidemann von der MSPD die demokratische Republik aus, um die Bevölkerung zu beruhigen, während Karl Liebknecht aus dem Spartakusbund nur kurze Zeit später die freie sozialistische Republik ausrief, unter Vorstellungen einer Räterepublik. Mit einer paritätischen Besetzung von drei MSPD und drei USPD Vorsitzenden, bildete sich daraufhin am 10.11.1918 der Rat der Volksbeauftragten, die erste parlamentarische Regierung Deutschlands. Dabei hatte die MSPD mehr Macht, weil sie wichtigere Ressorts besetzte: das Militär und die Innenpolitik. Der neue Reichskanzler Friedrich Ebert repräsentierte das System der parlamentarischen Oktoberreform, das jedoch nicht legitim war, da er nicht offiziell gewählt war. Die zweite Regierung bildete der Vollzugsrat der Arbeiter- und Soldatenräte mit zwölf Soldatenvertretern der MSPD und zwölf Arbeitervertretern der MSPD und USPD, dessen Aufgaben es war die Volksbeauftragten in ihrer Tätigkeit zu kontrollieren. So hatte auch hier die MSPD das Übergewicht. Als nur einen Tag später Wilhelm Groener (Chef der Obersten Heeresleitung) Friedrich Ebert (SPD Vorsitzender und Mitglied des Rates der Volksbeauftragten) anrief und ihm militärischen Beistand versprach und dafür den Erhalt der bestehenden Kommandostruktur verlangte, ging Ebert auf dieses unterstützende Angebot ein. Aufgrund dessen war er unabhängig von der revolutionären Volksmarinedivision (Ebert-Groener-Pakt).

Am 11. November 1918 musste die Reichsregierung die Niederlage Deutschlands eingestehen und den harten Bedingungen der Ententemächte für einen Waffenstillstand zustimmen. Beinahe Zeitgleich trat der „Stinnes-Legien-Pakt“ in Kraft, in dem Hugo Stinnes und Karl Legien zu einer weitreichenden Übereinkunft gelangten: das in Kraft treten des Achtstundentages und der Anerkennung der Gewerkschaften als Vertretung der Arbeiterschaft.

Am 1. Januar 1919 gründeten der Spartakusbund und Mitglieder aus den Reihen der USPD eine neue Partei: die Kommunistische Partei Deutschland (KPD). Als deutlich wurde, dass diese in der zu wählenden Nationalversammlung keine gestalterische Mehrheit bekommen würde, gründete sich eine mehrtägige gewaltsame Aufstandsbewegung. Auf diese Geschehnisse reagierte die MSPD, welche an den Erbert-Groener-Pakt gebunden war und die íhre Vorherrschaft in den Regierungsgeschäften beibehalten wollte mit einer Niederschlagung dieser Aufstandsbewegung durch die alten militärischen Truppen, den Freikorps. In diesem paradoxen Handlungsschritt hatte sich die Revolution schließlich gegen sich selbst gestellt.