Regentropfen

Regentropfen

Regentropfen. Sie fallen wie hunderte kleine Tränen, die viel zu oft vergossen werden. Sie zerplatzen auf dem grauen Asphalt wie die naiven Träume, die ein jeder von uns hat. Sie versickern wie die zerstörten Hoffnungen, die wir alle früher oder später zu begraben gezwungen sind. Sie werden vergessen wie so vieles auf dieser Welt. Kaum jemand verschwendet auch nur einen einzigen Gedanken mehr an sie, sobald sie erst einmal verschwunden sind. So viele gibt es von ihnen; wagte man den aberwitzigen Versuch, sie zu zählen, säße man bis ans Ende aller Tage an dieser unmöglich zu bewältigenden Aufgabe.
Wieso also seine Zeit damit vergeuden, sie auch nur eines weiteren Blickes zu würdigen?
Wieso sollte man also denken, sie seien wertvoll? Einzigartig? Beachtenswert?
Sie sind nichts. Sie sind vergänglich. Unwichtig.

Regentropfen. Die grellen, hektischen Lichter der Stadt brechen sich in ihrer nahezu perfekten Form, wie nur die Natur sie zu schaffen vermag, und ergießen sich in einer schillernden Kaskade farbenfroher Schönheiten, deren Antlitz das Herz selbst in den düstersten Stunden zu erhellen vermag. Jeder einzelne von ihnen, einzigartig und außergewöhnlich auf seine ganz eigene, ihm vorbestimmte Art, vergänglich und doch zugleich ewiglich in Anbetracht seines unbeschwerten, ja wahrlich sorglosen Selbst.
Wieso also seine Zeit damit vergeuden, sinnlos umherzuirren und den schlüpfrigen Idealen nachzulaufen, deren Berechtigung man in seinem Innern schon viel zu oft angezweifelt hat?
Wieso sich der Hektik hingeben, wieso dem Stress?
Wieso sollte man also denken, sie seien unwichtig? Vergänglich? Wieso die Schönheit verleugnen, die in ihnen steckt? In ihrer Einzigartigkeit? In ihrer Unbeschwertheit? In ihrer momenthaften, lediglich augenblicklichen Ewigkeit?

Regentropfen.