Schlußplädoyers der verteidigung und er anklagebehörde:

Die Verteidigung kritisierte wieder die Zustandigkeit des Gerichtes. Gegen die ersten sieben Angeklagten – Goring, He?, Ribbentrop, Keitel, Kaltenbrunner, Rosenberg und Frank – lag so vernichtendes Beweismaterial vor, da? eine Verurteilung und schwere Strafen zu erwarten waren. Bei den restlichen sei der Ausgang, so Telford Taylor, ungewi? gewesen. Die Verteidiger von Streicher, Funk und Schacht forderten denn auch jeweils Freispruch fur ihre Mandanten. Robert Jackson, der am 26.7.

    1946 das Schlu?pladoyer fur die amerikanische Anklagevertretung hielt, sagte : „Wenn wir nur die Erzahlungen der vorderen Reihe der Angeklagten zusammenstellen, so bekommen wir folgendes lacherliche Gesamtbild von Hitlers Regierung; sie setzte sich zusammen aus: Einem Mann Nummer 2, der nichts von den Ausschreitungen der von ihm selbst eingerichteten Gestapo wu?te, und nie etwas vermutete von dem Ausrottungsprogramm gegen die Juden, obwohl er der Unterzeichner von uber 20 Erlassen war, die die Verfolgung dieser Rasse ins Werk setzten. Einen Mann Nummer 3, der nur ein unschuldiger Mittelsmann war, der Hitlers Befehle weitergab, ohne sie uberhaupt zu lesen, wie ein Brieftrager oder ein Botenjunge. Einem Au?enminister, der von auswartigen Angelegenheiten wenig und von der auswartigen Politik gar nichts wu?te. Einem Feldmarschall, der der Wehrmacht Befehle erteilte, jedoch keine Ahnung hatte, zu welchen praktischen Ergebnissen diese fuhren wurden. Einem Chef des Sicherheitswesens, der unter dem Eindruck war, da? die polizeiliche Tatigkeit seiner Gestapo und seines SD im wesentlichen derjenigen der Verkehrspolizei gleichkam. Einem Parteiphilosophen, der an historischen Forschungen interessiert war und keinerlei Vorstellung von den Gewalttaten hatte, zu denen im 20.

     Jahrhundert seine Philosophie anspornte. Einem Generalgouverneur von Polen, der regierte, aber nicht herrschte. Einem Gauleiter von Franken, der sich damit beschaftigte, unflatige Schriften uber die Juden herauszugeben, der jedoch keine Ahnung hatte, da? sie irgend jemand jemals lesen wurde. Einem Innenminister, der nicht wu?te, was im Innern seines eigenen Amtes vor sich ging, noch viel weniger etwas wu?te von seinem eigenen Ressort und nichts von den Zustanden im Innern Deutschlands. Einem Reichsbankprasidenten, der nicht wu?te, was in den Stahlkammern seiner Bank hinterlegt und was aus ihnen herausgeschafft wurde. Und einem Bevollmachtigten fur die Kriegswirtschaft, der geheim die ganze Wirtschaft fur Rustungszwecke leitete, jedoch keine Ahnung hatte, da? dies irgend etwas mit Krieg zu tun hatte.

     … Angesichts dieses Hintergrundes verlangen diese Angeklagten heute von diesem Gerichtshof, sie fur nicht schuldig zu erklaren an der Planung, Ausfuhrung oder Verschworung zur Begehung dieser langen Liste von Verbrechen und Unrecht. ..

    . Wenn Sie von diesen Mannern sagen sollten, da? sie nicht schuldig seien, so ware es ebenso wahr zu sagen, da? es keinen Krieg gegeben habe, da? niemand erschlagen und kein Verbrechen begangen worden sei.“ Im Pladoyer des britischen Anklagers kommt zum Ausdruck, da? alle Morder seien. Der Franzose und Russe forderte ausdrucklich fur alle die Todesstrafe.